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Cannabis Cup : Drogen mit einem Hauch von Muskat

  • -Aktualisiert am

Experten im Highsein: Fachgespräche beim „Cannabis Cup” Bild: Henning Bode

Einmal im Jahr treffen sich Kiffer aus aller Welt in Amsterdam zum „Cannabis Cup“ und küren das angeblich beste Marihuana. Es geht zu wie auf einer Weinprobe. Nur die Klientel ist bunter: Rauschebärte, Rastalocken und leicht dubiose Gestalten. Alexander Schimmelbusch war dabei.

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          Über dem Tresen im Coffeeshop „De Dampkring“, was auf Deutsch wohl „Der Dampfkringel“ bedeutet, hängt dichter Nebel. Zwei der jungen Amerikaner, die den „Dampfkringel“ bevölkern, unterhalten sich über die Sorte „Mexican Haze“, die der Coffeeshop dieses Jahr ins Rennen um den „Cannabis Cup“ schickt: „Es schmeckt nach Mango“, sagt der eine, worauf der andere „Zitrus“ erwidert, „mit einem Hauch von Muskatnuss“. Wenn man nicht wüsste, dass in holländischen Coffeeshops seit einigen Monaten kein Alkohol mehr ausgeschenkt werden darf, könnte man meinen, man sei auf einer Weinprobe.

          „Der Dampfkringel“ zählt zu den ersten Adressen in Amsterdam und kann auf zahlreiche Ehrungen bei zurückliegenden „Cannabis Cups“ zurückblicken. Auf der Drogenkarte des Lokals sind mehr als dreißig Sorten Marihuana und Haschisch aufgelistet, jeweils mit der Erläuterung ihrer Wirkung, also etwa „sit-down stoned“ oder „very strong clear high“.

          Erik, der Geschäftsführer des Dampfkringels, erläutert, dass sich Kiffer im Wesentlichen in zwei Kategorien einteilen ließen: in Arbeiter und Akademiker. Wer mit den Händen arbeite, so Erik, der suche nach Feierabend Betäubung, wer mit dem Kopf arbeite, der wolle vor allem Anregung und nach vollbrachtem Tagwerk noch etwas erleben. Zur zweiten Gruppe zählen wohl auch die beiden jungen Amerikaner, die Mützen mit dem Wappen der Universität Harvard tragen: Soeben haben sie beschlossen, sich das Rotlichtviertel anzusehen.

          Lupenreine Qualität: Eine Messebesucherin inspiziert die Ware

          Brad Pitt kommt einmal im Jahr

          Vor einigen Jahren wurden im „Dampfkringel“ Szenen des Films „Ocean's Twelve“ gedreht, mit Brad Pitt und George Clooney. Seither sei vor allem Brad Pitt ein treuer Kunde. „Er kommt ein paar Mal im Jahr hierher“, verrät Erik, „ganz inkognito mit Hut und Sonnenbrille. Sitzt einfach da und raucht einen.“ Erik wirkt nervös und schreckhaft, beim Sprechen blickt er sich unentwegt über die Schulter. Auf die Idee, dass seine Paranoia etwas mit den Drogen zu tun haben könnte, die er jeden Tag konsumiert, ist er offenbar noch nicht gekommen.

          Dabei ist heute ein guter Tag für ihn: Wie immer in der Woche vor Thanksgiving platzt der Dampfkringel aus allen Nähten. Dann wird in Amsterdam nämlich traditionell der „Cannabis Cup“ abgehalten, eine Art Agrarmesse für den Anbau und Konsum von Marihuana, die jedes Jahr Tausende Fachbesucher aus aller Welt anzieht. Es finden Vorträge, ausgiebige Marihuanaproben und hortikulturelle Seminare statt. Ausgewiesene Experten informieren über die neuesten Verfahren beim Anbau, der im vergangenen Jahrzehnt zu einer hochspezialisierten Wissenschaft geworden ist. In diesem Jahr nehmen 25 Saatgutfirmen und 21 Coffeeshops am Wettbewerb teil, der seit zwanzig Jahren vom Marihuana-Fachblatt „High Times“ ausgerichtet wird.

          Rauschebärte, Rastalocken, dubiose Gestalten

          In den Messehallen herrscht schon am Vormittag geschäftiges Treiben. Man sieht Rauschebärte, Rastalocken und leicht dubiose Gestalten, die sich in Zeitlupe zu bewegen scheinen. Unter die Rapmusiker, Feuerschlucker und Legalisierungsaktivisten haben sich auch einige Anzugträger gemischt. Amerikanische Studenten schauen Hostessen in Hanfbikinis hinterher, während uralte Blumengreise sich angeregt über ihre Cannabisgärten unterhalten.

          Der Wettbewerb funktioniert folgendermaßen: Jeder Fachbesucher kann für 200 Euro einen „judge's pass“ erwerben, der ihm nicht nur Proben aller im Wettbewerb vertretenen Sorten sichert, sondern ihn auch an deren Bewertung teilnehmen lässt. Etliche der Studenten haben ihre Aufgabe als Kritiker allerdings mit zu viel Elan in Angriff genommen: Sie schlafen auf dem Boden hinter den Messeständen. Neben Saatgut und Wasserpfeifen kann man an diesen auch technische Anbauhilfen und Produkte wie „Potcorn“ begutachten: Popcorn mit Rauschgift.

          Thanksgiving für Cannabis

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