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Brustvergrößerung : Endlich Körbchengröße B

  • -Aktualisiert am

„Na, aus dieser Brust kann man noch eine vernünftige Brust rausholen.” Bild: REUTERS

Steffi ist 24, studiert etwas mit Kunst in Berlin und ist keine Tussi, die sich mal eben so die Brüste aufblasen lässt. Dazu haben ihre Eltern sie viel zu alternativ erzogen. Dennoch ließ sie sich Silikon-Implantate einsetzen. Jetzt ist sie glücklich.

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          Aus dem Loch in Steffis Brust steigt Rauch auf. Es riecht nach verkohlter Haut. Professor Dennis von Heimburg dringt mit dem elektronischen Brennstab in die Tiefe. Der Rauch zieht an seinem maskierten Gesicht vorbei. Steffi, die in Wirklichkeit nicht Steffi heißt, kriegt von den Schmerzen in ihrem Körper nichts mit. Sie liegt narkotisiert auf dem OP-Tisch. Ihr braunes Haar fällt über die Kopfleiste herab. Eigentlich hält sie immer noch nichts von Schönheits-OPs. Doch im vergangenen Sommer, da ging es nicht mehr. Da war sie fertig mit den Nerven. „Die ganzen Semesterferien über habe ich nur geheult.“

          Steffi ist 24, studiert etwas mit Kunst in Berlin und ist keine Tussi, die sich mal eben so die Brüste aufblasen lässt. Dazu hätten ihre Eltern sie viel zu alternativ erzogen: „Meine Schwester und ich, wir durften uns nicht die Fingernägel lackieren. Markenklamotten gab's nicht. Eine Zeitlang musste ich sogar die Sachen meiner älteren Brüder tragen.“ Ausgestattet mit der Botschaft, dass das Äußere nicht zählt, habe sie erst sehr spät den Gedanken an die OP entwickelt.

          Nach gut einer Stunde ist Steffis Brust „ausgebuchtet“

          Zwei silberne Haken krallen sich in das Loch unter der Brustwarze und halten es offen. In der Brust ist es rosa und gelb. Mit den Fingern schiebt der Chirurg das Gewebe um einen Milchgang zurück.

          Steffis Problem begann, als sie 14 war. Da merkte sie, dass mit ihrer Brust etwas war. In der Mitte flach, nach außen hin etwas runder. Aber insgesamt war sie vor allem: sehr, sehr klein. Steffi hoffte. Nach Zunehmen, Hopfentabletten und sogar Weißkrautessen fragte sie mit 17 ihre Gynäkologin um Rat. Nein, sagte diese, auch Hormone würden da nichts bringen. Denn sie habe eine Fehlbildung, eine Schlauchbrust. Ihre Brustwarzen, so groß wie zwei Goldmedaillen, seien dafür ein Indiz.

          Nach gut einer Stunde ist Steffis Brust „ausgebuchtet“. Sachte, ganz langsam trennt der Professor mit seinem Skalpell den Brustmuskel der Länge nach auf. Darunter soll Silikon. Es ist rauh, undurchsichtig und 325 Gramm schwer.

          Ihr Makel machte sie still und verhalten

          Die Diagnose der Ärztin tröstete Steffi nicht. Fast sieben Jahre verging kaum ein Tag ohne Gedanken an ihre Brust. Ihr Makel machte sie still und verhalten; viel gehemmter als ihre jüngere Schwester, die oft nackt durchs Haus hüpfte und obenrum so aussieht, wie Steffi auch aussehen wollte. Auch wenn der Makel grundsätzlich nichts daran änderte, dass Steffi immer sagt, was sie denkt - beim Thema Brust gelang ihr das nie. Bis zum vorigen Sommer, da sagte sie es zum ersten Mal frei heraus.

          Ihre Mutter und Schwester verstanden, hatten die Last auf Steffi aber wohl nie so groß eingeschätzt. Die Mutter würde sie bei der bis zu 8000 Euro teuren OP sogar unterstützen, aber nur, wenn Steffi den Eingriff auch wirklich wollte, da es allein ihr Körper sei. „Dieser Satz hat mich ziemlich genervt.“

          Irgendwann flutscht es, Steffis Brust wölbt sich

          Immer wieder windet sich das Implantat vorbei an Dennis von Heimburgs Fingern. Mit den Zeigefingern stopft er es abwechselnd in das Loch. Irgendwann flutscht es, Steffis Brust wölbt sich. Laut von Heimburg ist sie jetzt so groß wie eine gute Körbchengröße B.

          Nach dem Gespräch mit der Mutter und Schwester offenbarte sich Steffi ihrem Freund. Er war gegen die OP. Denn er wollte nicht, dass sie ihren gesunden Körper verletzte, und er mochte das hübsche, schlanke, mittelgroße, natürliche Mädchen so, wie es war, weshalb es ihm wohl auch egal war, dass Steffi sich vor ihm nicht auszog, obwohl sie jetzt schon sechs Monate zusammen waren.

          Einer der Therapeuten sagte zu ihr, sie habe doch gar nichts

          Dann folgte der Sommer, in dem Steffi so viel heulte, in dem sie mit sich rang, ob sie es wirklich machen sollte, in dem ihr Freund die Notwendigkeit der OP einsah und an dessen Ende sie sich vornahm, sich genau über alle Risiken und möglichen Spätfolgen zu informieren - und sich die Entscheidung bis zuletzt offenzuhalten.

          Steffi klapperte eine Reihe von Chirurgen ab und ging zu Therapeuten. Sie machte dabei viele schlechte Erfahrungen. Einer der Therapeuten sagte zu ihr, sie habe doch gar nichts. Ein ausgewiesener Facharzt für plastische und ästhetische Chirurgie sagte: „Na, aus dieser Brust kann man noch eine vernünftige Brust rausholen.“ Über ein Internetforum für Brust-OPs traf Steffi dann auf den Frankfurter Professor von Heimburg, einen Spezialisten für Schlauchbrüste. Zu ihm schöpfte sie schnell Vertrauen - und entschied sich für die OP. Die Kosten für den Eingriff übernahm ihre gesetzliche Kasse fast vollständig. Dies tun die Kassen, wenn sie die Beschwerden des Patienten für eine Krankheit halten.

          Eine Schwester stülpt einen Sport-BH über den Busen

          Aus Steffis Achseln ragen weiße Drainagen, durch die das Blut aus der verletzten Brust abfließt. Der Professor näht den verbliebenen Brustwarzenhof mit der Haut ringsum zusammen. Eine Schwester stülpt einen Sport-BH über den Busen, dessen Gipfel jetzt nur noch kleine Brustwarzen zieren.

          Zwei Wochen später sitzt Steffi fast schmerzfrei mit ihrer Schwester in einem Café. Steffi wirkt erleichtert, lacht viel und erinnert sich, wie geschockt sie war, als sie ihre neuen Riesenbrüste zum ersten Mal im Spiegel sah. Noch stehen sie entgegen der Schwerkraft sehr gerade. Sie war schon einmal baden, hat in einer Kneipe ein abgedroschenes Kompliment erhalten, und auch ihr Freund findet das Ergebnis gut. Heute vor einem Jahr hätte sie nie im Leben so offen über ihr Aussehen gesprochen. „Klar, ich hätte natürlich auch so weiterleben können. Dann wär' ich aber vielleicht auf ewig unglücklich geblieben.“

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