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Brustkrebsvorsorge : Radikaler Einschnitt nach dem Gentest

  • -Aktualisiert am

Weltstar und Wohltäterin: Angelina Jolie am 11. April in London Bild: Getty Images

Angelina Jolie hat sich wegen des Krebsrisikos ihre Brüste entfernen. Auch in Deutschland sind solche Eingriffe schon üblich.

          Die Operationsmethoden sind sicherer, die kosmetischen Ergebnisse besser geworden. Daher lassen sich auch in Deutschland immer mehr Frauen, die einem hohen Brustkrebsrisiko ausgesetzt sind, die Brust entfernen. Für eine prophylaktische Amputation entscheidet sich mindestens jede dritte Frau, die ein defektes Gen aufweist. Denn mit einer beidseitigen Mastektomie senken Hochrisikopatienten das Brustkrebsrisiko um rund 90 Prozent.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Obwohl der Eingriff also bekannt sein müsste, war am Dienstag auch in Deutschland die Überraschung über eine Nachricht aus Amerika groß: Aus Angst vor einer Krebserkrankung ließ sich die Schauspielerin Angelina Jolie die Brüste amputieren. Sie schrieb am Dienstag in einem Gastbeitrag in der „New York Times“, sie habe sich zu dem Eingriff entschlossen, nachdem bei einem Test das „fehlerhafte“ Gen BRCA-1 entdeckt worden war. Das „Brustkrebsgen“ erhöht das Risiko einer Erkrankung stark.

          „Die Ärzte schätzten, dass mein Brustkrebsrisiko bei 87 Prozent lag. Die Gefahr, an Eierstockkrebs zu erkranken, betrug nach ihrer Schätzung 50 Prozent“, schrieb Jolie unter der Überschrift „Meine medizinische Entscheidung“. Die Mutter der Siebenunddreißigjährigen, die Schauspielerin Marcia Lynne (“Marcheline“) Bertrand, war im Januar 2007 im Alter von 56 Jahren an Eierstockkrebs gestorben. Nach der Diagnose im Jahr 1999 hatte Bertrand die Organisation „Give Love Give Life“ gegründet, um auf Krebserkrankungen aufmerksam zu machen.

          Nur bei wenigen Frauen sinnvoll

          Wie einst ihre Mutter, so hofft auch Jolie heute, mit der eigenen Geschichte andere Frauen zu ermutigen. „Besonders bei einer Familiengeschichte mit Brust- und Eierstockkrebs sollten Sie sich informieren und medizinische Spezialisten aufsuchen, die Ihnen helfen, eigene, fundierte Entscheidungen zu treffen“, riet die Schauspielerin. Nach einem ersten Eingriff an den Brustwarzen Anfang Februar wurde Jolie zwei Wochen später in einer mehrstündigen Operation das Brustgewebe entfernt. Ende April wurde die Amputation durch den Brustaufbau mit Implantaten beendet.

          „Ich bin sehr beruhigt, dass meine Kinder nichts sehen, das ihnen unangenehm ist. Sie sehen an mir nur kleine Narben. Das ist alles“, schreibt Angelina Jolie, die sechs Kinder hat, eigene und adoptierte. Auch ihr Lebensgefährte Brad Pitt habe sie bei der Entscheidung unterstützt. Während der Operationen im Pink Lotus Breast Center in Los Angeles sei der Neunundvierzigjährige nicht von ihrer Seite gewichen.

          Angelina Jolie kündigte an, ihre Erfahrungen bald auf der Website der Klinik zu veröffentlichen. „Ich habe mich entschlossen, mein Schicksal nicht zu verheimlichen, da es viele Frauen gibt, die nicht wissen, dass ihnen eine Krebserkrankung droht“, schreibt Jolie. Wie die Amerikanische Krebsgesellschaft (ACS) mitteilt, ist eine präventive Mastektomie nur bei wenigen Frauen sinnvoll, bei denen ein besonders hohes Risiko einer Erkrankung vorliegt. Da bei der Amputation zudem ein kleiner Rest des Brustgewebes erhalten bleibt, könne sich die Krankheit auch nach der Brustentfernung von dort ausbreiten.

          Die Diagnose Brustkrebs trifft in Deutschland jährlich etwa 70.000 Frauen; es ist die häufigste Krebserkrankung beim weiblichen Geschlecht. Rund fünf bis zehn Prozent der Betroffenen leiden unter einem „erblichen Brustkrebs“. Sie tragen ein mutiertes Gen, das die Erkrankung hervorrufen kann. Bisher sind mehre Gene bekannt, deren Mutationen für die Entstehung des erblichen Mammakarzinoms verantwortlich gemacht werden. Die bekanntesten Gene, BRCA-1 und BRCA-2, sind zusammen für etwa 50 Prozent aller erblichen Fälle verantwortlich und können sowohl von der Mutter wie auch dem Vater an die Kinder weitergegeben werden.

          In betroffenen Familien tritt neben dem Brustkrebs im frühen Alter auch vermehrt Eierstockkrebs auf. Ob eine Frau aus einer „Hochrisikofamilie“ wirklich Trägerin des Gens ist, lässt sich mit einem Gentest innerhalb von etwa zehn Tagen herausfinden. Solche Bluttests können in Deutschland unter anderem einem der 15 „Zentren für familiären Brust- und Eierstockkrebs“ durchgeführt werden und werden von den Krankenkassen bezahlt.

          Allerdings wird über den Nutzen und die Verlässlichkeit solcher Gentests immer wieder diskutiert, unter anderem vor kurzem im Deutschen Ethikrat. Zeigt das Ergebnis des Gentests eine Mutation bei einem der beiden BRCA-Gene an, steigt das Risiko, an Brust- und Eierstockkrebs zu erkranken. Bei 70 bis 80 Prozent der Trägerinnen des mutierten Gens wird im Lauf des Lebens Brustkrebs, in 20 bis 50 Prozent der Fälle Eierstockkrebs diagnostiziert. Auch Männer mit einer Mutation haben ein erhöhtes Brustkrebsrisiko.

          Im Falle eines positiven Testergebnisses sollte man sich einem intensiven Früherkennungsprogramm unterziehen. Dazu gehören halbjährliche Kontrollen der Brust durch einen Gynäkologen und regelmäßige Mammographien und Kernspintomographien schon ab dem 25. Lebensjahr. Als Präventionsmaßnahmen kommt auch die prophylaktische Entfernung des Brustdrüsengewebes und der Eierstöcke in Betracht. Bei den Eierstöcken wird diese Maßnahme regelmäßig angewendet, da eine Früherkennung nur schwer möglich ist. Doch auch die Entfernung der Brust wird häufiger. Denn heute wird auf ein Verfahren zurückgegriffen, bei dem nur das Brustgewebe entfernt wird. Der leere Hautsack wird mit Silikonimplantaten oder körpereigenem Fettgewebe, meist aus dem Bauch, wieder aufgefüllt.

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