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Brechdurchfall-Epidemie : Caterer kündigt Entschädigung an

  • Aktualisiert am

Mehr als 10.000 Kindern in Ostdeutschland war das Schulessen auf den Magen geschlagen Bild: dpa

Seit zehn Tage rätseln Mikrobiologen, wie es zu den massenhaften Magen-Darm-Erkrankungen in Ostdeutschland kam. Nun führt die Spur zu tiefgefrorenen Erdbeeren aus China. Caterer Sodexo will die Betroffenen entschädigen.

          Nach den massenhaften Magen-Darm-Erkrankungen gibt es eine heiße Spur, aber noch keinen Erreger-Nachweis: Tiefgefrorene Erdbeeren haben sehr wahrscheinlich die Krankheitswelle in Ostdeutschland mit mehr als 11.000 Patienten ausgelöst. Nun soll am Wochenende mit Hochdruck in den Laboren nach nachweisbaren Spuren in den verdächtigen Erdbeeren gesucht werden, wie Holger Eichele, Sprecher des Bundesministeriums für Ernährung, sagte.

          Die Firma Sodexo, über deren Großküchen die Erdbeeren an die Schulkantinen gelangten, entschuldigte sich am Freitagabend bei den betroffenen Kindern und Familien und kündigte Entschädigungen an. „Wir sind über diesen Sachverhalt bestürzt“, heißt es in einer von Sodexo verbreiteten Mitteilung zu dem „höchst bedauerlichen Einzelfall“. Trotz vieler Kontrollen sei der Erreger offensichtlich nicht entdeckt worden. „Wir entschuldigen uns in aller Form bei den betroffenen Kindern und Familien und hoffen, dass es allen Kindern inzwischen wieder gut geht.“ Zudem sollten die Betroffenen „für die entstandenen Unannehmlichkeiten“ entschädigt werden. Details wurden nicht genannt.

          Sodexo kündigte an, die Auswahl seiner Lieferanten „strikter handhaben“ zu wollen. Um Vorfälle dieser Art künftig zu vermeiden, „werden wir alles technisch und organisatorisch Machbare unmittelbar umsetzen“, hieß es am späten Freitagabend weiter.

          Keine infizierte Ware im Einzelhandel

          Der Sprecher des Bundesverbraucherschutzministeriums, Holger Eichele, sagte der Nachrichtenagentur dapd, lediglich eine Charge Tiefkühl-Erdbeeren werde als Verursacher angesehen. Das brandenburgische Verbraucherschutzministerium teilte mit, insgesamt seien 44 Tonnen Tiefkühl-Erdbeeren von einem Direktimporteur über den Hamburger Hafen aus China bezogen worden. Den Angaben zufolge gibt es keine Hinweise, dass die betroffene Ware in den Einzelhandel gelangt ist.

          Das Robert Koch-Institut wertet den Brechdurchfall, der vor allem Kita-Kinder und Schüler traf, bereits jetzt als die bisher größte lebensmittelbedingte Krankheitswelle in Deutschland. „Wir sind bei den Ermittlungen nun aber einen großen Schritt vorangekommen“, sagte Sprecher Eichele.

          Tiefkühlware nicht ausreichend erhitzt

          Zu den Infektionen ist es wahrscheinlich in Einrichtungen gekommen, die verunreinigte Tiefkühlware vor dem Servieren als Nachspeise nicht vollständig erhitzten. Wenn gefrorene Erdbeeren nur aufgetaut oder zu schwach erhitzt würden, können nicht alle Keime sicher abgetötet werden.

          Noroviren gelten zum Beispiel als besonders kälteresistent und hitzebeständig und waren von Anfang an im Visier der Mikrobiologen. Ob sie wirklich die Übeltäter waren, ist ohne Nachweis aber weiter offen. Auch bakterielle Toxine werden im Moment weiter nicht ausgeschlossen. Die unterschiedliche Art des Auftauens könnte neben unterschiedlichen Lieferchargen auch erklären, warum es in einigen Einrichtungen zum Brechdurchfall kam, in anderen aber nicht.

          Nachweis von Noroviren steht noch aus

          Inzwischen wurden laut RKI, BVL und BfR in den Landeslaboren bei einem beträchtlichen Teil der Patienten Noroviren nachgewiesen. Somit hätten sich die Hinweise verdichtet, dass diese der ursächliche Erreger für den Ausbruch waren. In den bisher untersuchten Lebensmittel- und Umgebungsproben wurden den Angaben zufolge keine Noroviren gefunden. Ein Teil der beim sächsischen Hersteller und bei den Cateringfirmen vorhandenen Rückstellproben der betroffenen Charge werden derzeit noch geprüft. Die Ergebnisse werden voraussichtlich Mitte der Woche vorliegen.

          Das RKI verzeichnete zuletzt mehr als 11.000 an Brechdurchfall Erkrankte. Betroffen waren Schulen und Kitas in den Bundesländern Brandenburg, Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, in denen die Erdbeeren zum Essen gereicht wurden.

          Erinnerungen an EHEC-Krise

          Nach derzeitigem Ermittlungsstand wurden die betroffenen Einrichtungen von mindestens zehn regionalen Küchen eines Cateringunternehmens mit Nahrungsmitteln beliefert. Die Rückverfolgung in den Bundesländern habe weiter ergeben, dass alle Küchen die Tiefkühl-Erdbeeren von einem Lieferanten in Sachsen erhalten haben, wie es in der gemeinsamen Mitteilung des RKI, des BVL und des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) hieß.

          Bereits nach Bekanntwerden der ersten Krankheitsfälle sei durch firmeninterne Ermittlungen der Verdacht auf Tiefkühl-Erdbeeren gefallen, erklärte das Unternehmen. „Wir haben diese daraufhin vorsorglich und unverzüglich in allen Sodexo-Küchen gesperrt.“ Dadurch sei eine größere Erkrankungswelle verhindert worden. Das hätten auch die Behörden dem Caterer bestätigt.

          Die schwierige Spurensuche erinnert an die EHEC-Krise im Sommer 2011, die allerdings weitaus schwerere Folgen hatte: Mehr als 50 Menschen starben. Dieser Erreger wurde nie im Labor nachgewiesen, sondern durch die Nachverfolgung von Lieferungen eingekreist.

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