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Bornavirus : Meist tödlicher Krankheitsverlauf

Spitzmäuse: Sie selbst übertragen den Virus nur, erkranken jedoch nicht selbst an der Krankheit. Bild: Picture-Alliance

Das von Spitzmäusen übertragene Bornavirus ist zu weiten Teilen noch unerforscht. Beim Menschen ist die Krankheit meist tödlich, doch noch bleibt es bei Einzelfällen. Forscher sind grundlegenden Fragen zum Virus auf den Grund gegangen.

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          Sie sieht süß aus, ist aber, zumindest in manchen Gegenden, potentiell tödlich: die Feldspitzmaus (Crocidura leucodon), die in Straßenböschungen oder alten Steinmauern lebt und als bedrohte Art auf der Roten Liste steht. Diese Maus mit den kleinen Augen und Ohren, die als Insektenfresser kein Nagetier ist, kann das „Borna Disease Virus“ (BoDV-1) übertragen.

          Karin Truscheit
          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Vierzehn Fälle sind in den vergangenen Jahren bekannt geworden, bei denen sich Menschen mit dem Erreger infiziert hatten, der eine schwere Gehirnentzündung hervorruft. Bis auf eine Ausnahme verliefen die Infektionen alle tödlich. Zudem starb Ende 2019 ein elfjähriges Mädchen, das sich infiziert hatte. Alle Fälle traten in Bayern auf, das ebenso wie Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Teile angrenzender Bundesländer zu den Risikogebieten gehört.

          Wie genau die Übertragungswege verlaufen, sei noch nicht bekannt, sagt Martin Beer, Leiter des Instituts für Virusdiagnostik am Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. „Vermutlich wird das Bornavirus durch die Spitzmäuse selbst oder deren Ausscheidungen übertragen.“ Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch sei jedoch auszuschließen.

          Forscher prüfen Übertragung des Virus

          Das Bundesinstitut hat gerade eine Studie vorgestellt, in der es zusammen mit mehreren Universitäten die bekannt gewordenen Fälle untersucht hatte. Zwar verlaufe die Infektion meist tödlich, doch sei angesichts der geringen Fallzahlen die Gefahr gering, sich anzustecken. Allerdings ist unklar, ob es nicht weitere Krankheitsfälle gibt, die noch nicht diagnostiziert wurden.

          Die durch das Virus hervorgerufene Gehirnentzündung äußert sich zunächst in starken Kopfschmerzen und Fieber, dann kommt es zu Sprach- und Gangstörungen, später fällt der Patient ins Koma. Eine Behandlung gibt es zur Zeit noch nicht. „Wir testen gerade antivirale Substanzen, die auch bei Lassafieber-Infektionen angewendet werden.“

          Die meisten Fälle hatten einen Bezug zum ländlichen Raum, oft gab es auch eine Katze als Haustier. „Ob Katzen auch erkranken, wissen wir noch nicht, und auch nicht, ob sie eine Rolle bei der Übertragung spielen.“

          Mäuse selbst erkranken nicht

          Die von Katzen erlegten Spitzmäuse, die sie nach Hause bringen, sollen nicht berührt, sondern mit Plastikhandschuhen entsorgt und alle Kontaktflächen gereinigt werden. Ob Menschen sich mit den Viren auch über den Kot und Urin der Spitzmäuse infizieren können, zum Beispiel bei der Arbeit in der Landwirtschaft oder beim Aufräumen des Gartenschuppens, ist auch noch unklar.

          Die Feldspitzmaus dient dem Virus als „Reservoir“-Wirt: Sie kann den Erreger übertragen, erkrankt aber nicht. Im Gegensatz zu Pferden, Schafen oder anderen Säugetieren, die zwar erkranken, den Erreger aber offenbar nicht an Menschen weitergeben können. Bekannt ist dies schon lange, aber erst 2018 wurde der Bornavirus auch als Ursache für schwere Hirnentzündungen beim Menschen nachgewiesen.

          Von März an gilt für Infektionen mit dem Bornavirus eine Meldepflicht, um das Ausmaß besser einschätzen zu können. Neben dem vom Bund geförderten Forschungskonsortium „ZooBoCo“ soll zudem in Bayern im Sommer das Projekt „Borna Focal Point Bayern“ starten, um die Infektionen weiter zu erforschen und eine „qualitätsgesicherte Diagnostik“ zu etablieren.

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