https://www.faz.net/-gum-9u3si

Silvester in Hamburg : Böllerverbot an der Binnenalster

  • Aktualisiert am

In diesem Jahr ins das Zünden von Böllern an der Binnenalster erstmals verboten. Bild: dpa

Im vergangenen Jahr wurden an Silvester mehrere Menschen an der Hamburger Binnenalster durch Feuerwerkskörper verletzt. Dieses Jahr herrscht Böllerverbot – und nicht nur Hamburg plant solche Verbotszonen.

          2 Min.

          Vier Wochen vor Silvester hat jetzt auch Deutschlands zweitgrößte Stadt Hamburg wegen Sicherheitsbedenken ein Böllerverbot für wichtige Teile seiner Innenstadt angekündigt. Wegen Sicherheitsbedenken solle es kein Feuerwerk am Jungfernstieg geben. Die Polizei der Hansestadt sprach ein Böllerverbot rund um die Binnenalster aus.

          Böllerfreie Zonen soll es auch in den Innenstädten von München, Stuttgart, Hannover und Köln geben. München etwa hat ein Feuerwerksverbot in der Altstadt und Fußgängerzone erlassen. Und auch in Berlin wird es in diesem Jahr erstmals ein Verbot von Raketen geben auch über die Partymeile am Brandenburger Tor hinaus. Zum vergangenen Jahreswechsel kam es am Alexanderplatz zur Zündung illegaler „Polenböller“, auch Schreckschusswaffen wurden eingesetzt und gefährdeten Menschengruppen – das soll sich in diesem Jahr ändern.

          Flächendeckende Verbote sind in Deutschland aber bislang kaum geplant, wie aus einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter 53 Städten und Gemeinden in der vergangenen Woche hervorging.

          Warnung vor illegalen Silvesterknallern

          Experten warnten unterdessen vor den Gefahren illegaler Silvesterknaller. Diese reagierten häufig viel heftiger als offiziell in Deutschland zugelassene Feuerwerkskörper, sagte Martin Dümmel von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) am Donnerstag im brandenburgischen Horstwalde.

          Demnach könne etwa die nötige Verzögerungszeit nach dem Anzünden nicht gegeben sein oder der Knaller unvorhergesehen stark reagieren. Der klassische illegale Silvesterknaller sei der Blitzknallkörper, der aus dem europäischen Ausland importiert werde. Er sei das Hauptproblem, sagte Dümmel. Umgangssprachlich ist er auch als „Polenböller“ bekannt. Gerade zum Jahresende stellt der Zoll häufig illegale Pyrotechnik sicher.

          Umgangssprachlich „Polenböller“ genannte Feuerwerkskörper bergen ein hohes Risiko.

          Der Hamburger Innensenator Andy Grote (SPD) sagte zur Begründung des geplanten Verbots in der City, durch den unsachgemäßen Gebrauch von Feuerwerkskörpern und immer mehr Menschen an der Binnenalster sei die Gefahr von Verletzungen gestiegen. Bei Aggressionen aus der Menge sei auch die Situation für Einsatzkräfte schwierig. Polizeibeamte sollen das Verbot mit Kontrollen umsetzen.

          Aus Rücksicht auf die Vierbeiner

          Vor allem Umweltschützer hatten in den vergangenen Monaten versucht, Böller zumindest aus den Innenstädten zu verbannen. Wegen der Luftreinheit will aber keine der befragten Städte das Böllern untersagen. Wie in Hamburg führen die Städte als Grund für Verbotszonen vor allem Sicherheitsbedenken an.

          Im vergangenen Jahr seien in Hamburg 10.000 Menschen an die Binnenalster gekommen, sagte der Polizeipräsident der Hansestadt, Ralf Martin Meyer. Darunter seien auch viele Familien mit Kindern. „Natürlich spielt auch Alkohol eine Rolle. Es werden Raketen abgeschossen in einer Art und Weise, die nicht sicher ist“, sagte Meyer. Im vergangenen Jahr seien fünf Polizisten verletzt worden. Zudem sei ein siebenjähriges Kind im Gesicht verletzt worden, ein 16-Jähriger an der Hand. Daher wolle die Polizei in diesem Jahr im Vorfeld reagieren. Grundlage ist eine Allgemeinverfügung nach dem Gefahrenabwehrgesetz.

          Supermarkt-Betreiber aus Norddeutschland verbannten zudem noch aus einem anderen Grund die Böller und Raketen aus ihrem diesjährigen Sortiment, berichten die „Kieler Nachrichten“. Edeka-Markt Meyers schrieb auf seiner Facebook-Seite: „Unsere tierischen Mitglieder der Meyer‘s Familie haben einstimmig entschieden – dieses Jahr gibt es bei uns KEIN Feuerwerk zu kaufen.“ Dazu veröffentlichte der Betreiber ein Bild von sich und seinen zwei Hunden. Mit ihm zusammen entschieden sich mehrere Supermärkte in Schleswig-Holstein in diesem Jahr dagegen, Feuerwerkskörper in ihren Märkten anzubieten. Damit wollen sie verhindern, dass die Vierbeiner durch den enormen Lärm verängstigt werden.

          Weitere Themen

          Hamburger Nebelkämpfe

          FAZ Plus Artikel: Vor Bürgerschaftswahl : Hamburger Nebelkämpfe

          Vor der Bürgerschaftswahl ändern die Grünen in Hamburg ihren Kurs: Sie wollen das Vermummungsverbot bei Demonstrationen nun doch nicht mehr aufweichen. Auch sonst schaut die Berliner Politik gespannt auf die Hansestadt: Ein knappes Duell deutet sich an.

          Topmeldungen

          Die IAA in Frankfurt ist vorerst Geschichte.

          Automobilausstellung : Die IAA verlässt Frankfurt

          Bis zum Ende hatte Frankfurt gehofft, doch nun ist es beschlossene Sache: Die Automesse IAA nimmt nach dem Misserfolg der letzten Ausgabe Abschied vom langjährigen Standort in Hessen. Drei Städte dürfen sich Hoffnung machen.
          Ein Gartenzwerg steht mit einer Deutschland-Flagge an einer Hauswand.

          Diskriminierung : Zu türkisch für die Nachbarn

          Eine Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zeigt: Jeder dritte Wohnungssuchende mit Migrationshintergrund hat schon einmal Diskriminierung erlebt. Das Recht macht dieser Form der Aversion ein Stück weit Platz.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.