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Blutvergiftung : Die Gefahr im Blut

Bei einer Sepsis transportiert jeder Herzschlag nicht nur Sauerstoff in alle Winkel des Körpers, sondern auch Keime: Aufnahme aus dem Rastereleketronenmikroskop Bild: Getty

Die Sepsis gehört noch immer zu einer der häufigsten Todesursachen in Deutschland. Das Risiko, daran zu erkranken, steigt auch für vermeintlich Gesunde. Eine bessere und schnellere Versorgung ist nötig.

          Eigentlich war er doch fit, sollte nur für eine Hüftoperation, wegen eines harmlosen Bandscheibenvorfalls oder Gallensteinen ins Krankenhaus, und dann? Einige Tage später lag er plötzlich im Koma, war auf der Intensivstation an Geräte angeschlossen oder rang gar mit dem Tode. Solche Krankheitsgeschichten oder „Verläufe“, wie es Mediziner ausdrücken, hört man immer wieder. Und es sind die Geschichten, die einen besonders betroffen machen. Nicht nur, weil sie meist völlig unvorhergesehen und plötzlich auftreten, sondern auch, weil wir uns daran gewöhnt haben, dass die Medizin eigentlich alles wieder in den Griff bekommt.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zahlreiche Operationen haben wir zu Bagatelleingriffen erklärt, das Maß dafür verloren, dass auch eine endoskopische Gallenblasenoperation Wunden im Bauchraum hervorruft und eine Narkose erfordert. Wenige Tage nach einem Eingriff an der Bandscheibe, immerhin einer Operation in direkter Nachbarschaft zum Zentralen Nervensystem, erwarten wir – ebenso wie die Vorgaben unseres Gesundheitssystems – die Entlassung aus dem Krankenhaus. Und selbst von Hochbetagten sind wir es heute fast gewöhnt, dass sie nach einem Bruch schnell wieder auf den Beinen sind.

          Doch auch wenn wir das Glück haben, in einem Land zu leben, in dem Medizin auf höchstem Niveau betrieben wird – eine Medizin, die schwere Erkrankungen heilen, Abhilfe bei Schmerzen schaffen und zu einem fitten Dasein im hohen Altern führen kann –, dürfen wir nicht übersehen: Unser Organismus ist keine Maschine, die man beliebig reparieren kann. Die man an- und ausstellt und im Notfall mal vom Strom nimmt.

          Menschen jeden Alters betroffen

          Eine Diagnose, die den Körper komplett aus dem Takt bringt und im schlimmsten Fall zu einem Multiorganversagen führen kann, ist die Sepsis. Im Volksmund auch bekannt als Blutvergiftung. Eine Diagnose, die in deutschen Kliniken (wieder) häufig vorkommt und dabei vielen unbekannt ist. Gleichwohl kann sie den Menschen vom Frühgeborenen bis zum Greis in jeder Phase des Lebens treffen.

          Am häufigsten sind unreife Neugeborene und Menschen über 65 Jahren betroffen, aber zunehmend entwickeln auch die vermeintlich Gesunden nach einem eigentlich harmlosen Eingriff, nach einer unbedenklichen Verletzung plötzlich eine Sepsis. Die Ursache dafür: Multiresistente Keime, die manchmal gar nicht mehr oder nur noch auf einzelne Antibiotika ansprechen. „Diese Keime holen sich die Patienten häufig gar nicht – wie oft fälschlich berichtet – im Krankenhaus, sondern bringen sie schon mit in die Klinik“, sagt Frank Brunkhorst, Sepsisforscher am Universitätsklinikum in Jena. Ein Problem stelle dabei die zunehmende Reiselust auch älterer Menschen zu den entferntesten Flecken dieser Erde dar.

          Der Generalsekretär der Deutschen Sepsis-Gesellschaft kennt Studien, die zeigen: Reisende, die nur zwei Wochen in Indien verbracht haben, besaßen nach ihrer Rückkehr aus der Ferne eine veränderte Darmflora. Es fanden sich mehr antibiotikaresistente, gramnegative Bakterien, die sie wohl über Speisen und Getränke aufgenommen hatten, in ihrem Darm als vor der Reise. Ähnliche Phänomene kennen Wissenschaftler von Reisen ins südliche oder östliche Europa. „Diese veränderte Bakterienflora“, sagt Brunkhorst, „stellt dann keine akute Bedrohung für den Reisenden dar, sie lässt den Menschen nicht sofort krank werden. Kommt es aber in den ersten Monaten nach der Reise etwa zu einer Wundinfektion oder einer Blinddarmentzündung, können diese Bakterien plötzlich zur gesundheitlichen Gefahr werden und im schlimmsten Fall zu einer Sepsis führen.“

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