https://www.faz.net/-gum-7tctx

Ebola-Epidemie : Lebenselixier vom Tropf

Ist das das Heilmittel für Ebola? Blutplasma besteht zu 91% aus Wasser. Der Rest sind Mineralien und die wichtigen Eiweißstrukturen. Bild: Your Photo Today

Im Blutplasma verbergen sich die Abwehrkräfte des Körpers. Wer eine Immunschwäche hat, ist auf eine Plasma-Spende angewiesen. Auch für die Ebola-Therapie könnte sie wichtig werden

          Kent Brantly hat überlebt. Vor wenigen Tagen konnte der 33 Jahre alte Amerikaner, der als Arzt in Liberia gearbeitet und sich dort mit Ebola infiziert hatte, das Krankenhaus in Atlanta verlassen und zu seiner Familie zurückkehren. Brantly bekam ein vermeintliches Wundermittel mit Namen ZMapp, das für die Behandlung am Menschen noch nicht zugelassen ist. Doch ob es diese experimentelle Therapie war, die Brantly am Ende heilte, lässt sich nicht sicher sagen, denn der Amerikaner hatte sich zuvor schon auf eine andere, ebenfalls nicht ungefährliche Behandlung eingelassen: Einer seiner Patienten, ein 14 Jahre alter Junge, der die Ebola-Infektion überlebt hatte, spendete ein wenig Blut, das Brantly intravenös verabreicht wurde. Die Hoffnung des Mediziners war, dass die Antikörper im Blut, genauer im Plasma des geheilten Kindes, den Erreger ebenfalls erfolgreich bei ihm selbst bekämpfen würden, wenn sie in seinem Blut sind.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Schon 1995 hatten Ebola-Infizierte im Kongo Blut von Überlebenden bekommen. Während damals 80 Prozent der Erkrankten ohne diese Behandlung starben, wurden sieben von acht Patienten nach der Bluttransfusion wieder gesund. Zwar gab es in der Folge Studien, die diesen Therapieansatz weiterverfolgten, doch waren die Ergebnisse nicht eindeutig, so dass sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu keinem abschließenden Urteil durchringen konnte.

          Die Tests an Menschen laufen schon

          Für Volker Wahn, Professor an der Berliner Charité, ist der Ansatz aber „überprüfenswert“. Gerade weil die Ebola-Epidemie in Westafrika zurzeit außer Kontrolle geraten ist und es bislang kein Heilmittel gibt. „Rein theoretisch könnte die natürliche Immunität im Plasma eines Menschen, der Ebola überstanden hat, anderen Erkrankten helfen“, sagt Wahn.

          Einen ersten entscheidenden Schritt wollen amerikanische und britische Gesundheitsbehörden nun wagen: Schon in dieser Woche soll ein auch aus Blutplasmaspenden gewonnener Ebola-Impfstoff an Menschen getestet werden - in den Vereinigten Staaten, in Großbritannien, Gambia, Mali und Nigeria.

          Wahn weiß als Immunologe um die Bedeutung der Spende von Blutplasma, aus dem mit dessen Antikörpern zahlreiche medizinische Produkte hergestellt werden. Das Plasma kann nicht nur für Ebola-Erkrankte die Rettung sein. Auch Menschen, die beispielsweise unter Immundefekten leiden, sind dringend auf Plasmaspenden angewiesen. Durch die darin enthaltenen Antikörper, die sogenannten Immunglobuline, können sie trotzdem einen natürlichen Schutz gegen Erreger erhalten.

          45 Minuten Spende für 55% Blut

          „Der menschliche Körper kann eine Billion Antikörper in seinem Blut bilden“, sagt Wahn. Für eine erfolgreiche Behandlung bei Menschen mit Immunfehlern reicht das Plasma eines einzigen Spenders trotzdem nicht aus. Um sicherzugehen, dass möglichst alle Infektionskrankheiten gezielt bekämpft werden können, wird das Plasma von Tausenden Personen gepoolt, also zu einem Konzentrat vermischt. Nötig dafür sind Tausende Plasmaspenden.

          Im Plasma-Zentrum in Offenbach sind an diesem Augustnachmittag nur sechs der 24 Spenderliegen belegt. Es ist noch früh, viele kommen lieber abends nach der Arbeit. Bis zu 45 Minuten dauert es, bis das Blut von dem automatischen Ein-Arm-Plasmapheresegerät entnommen, in seine Bestandteile zerlegt und das Plasma getrennt gesammelt ist, während die Zellen zum Spender zurückfließen. Anders als bei einer Vollblutspende wird bei einer Plasmaspende nur der flüssige, zellfreie Teil des Blutes gesammelt, der etwa 55 Prozent ausmacht.

          Plasmaspender dürfen 45 mal im Jahr ran

          Die klare, gelbliche Flüssigkeit besteht zu 91 Prozent aus Wasser, neun Prozent sind Nährstoffe, Hormone, Mineralien und mindestens 120 verschiedene Eiweißstoffe, die zum Beispiel zur Blutgerinnung und Abwehr von Infektionen lebenswichtig sind. Die Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten, also die roten und weißen Blutkörperchen, sowie die Blutplättchen werden dem Körper des Spenders wieder zugeführt - zusammen mit Natriumcitrat, einem Mittel, das die Blutgerinnung verhindert. Das gewonnene Plasma wird bei minus 36 Grad tief gefroren, um später weiterverarbeitet zu werden.

          „Plasmaspender sind sehr treu“, sagt Manuel Röll, Leiter des CSL-Plasma-Zentrums in Offenbach. An den Wänden hängen Fotos von den vielen Wiederholungstätern. Eine Frau steht kurz vor ihrer 1000. Spende. „1525 Freiwillige haben im vergangenen Jahr 26 000 Mal Plasma gespendet“, erzählt Röll stolz.

          Weitere Themen

          Ebola in der Zange

          Epidemie im Kongo : Ebola in der Zange

          Im Kongo kämpfen Ärzte noch immer gegen den schwersten Ebola-Ausbruch in der Region. Doch es besteht Hoffnung, den Erreger einzudämmen. Denn es gibt einen Impfstoff, der wirkt. Erstmals hat sich die Sterberate halbiert.

          Der unsichtbare Feind

          FAZ Plus Artikel: Kampf gegen Ebola : Der unsichtbare Feind

          Im Nordosten Kongos kämpfen Ärzte gegen einen abermaligen Ebola-Ausbruch. Doch nicht nur das Virus ist eine Gefahr – auch der Bürgerkrieg erschwert die Lage dramatisch. Er ist schlimm, schlimmer ist aber das Misstrauen der Menschen.

          Topmeldungen

          Sowohl Trump als auch Johnson winken mit ihrem zerstörerischen Potential. Nur schätzen sie ihre Position falsch ein.

          Schwäche der EU? : Boris Trump

          Sowohl Trump als auch Johnson verschätzen sich: Man kann aus den Wechselbeziehungen der globalisierten Welt nicht in Trotzecken fliehen und dabei nachhaltige Gewinne machen. Europa ist da in einer stärkeren Position.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.