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Bevölkerungsfonds der UN : Arme Frauen bekommen dreimal so viele Kinder

  • Aktualisiert am

Ein Neugeborenes liegt im Juli 2017 in einem Krankenhaus im indischen Bhopal. Bild: EPA

In Entwicklungsländern haben die ärmsten Frauen so gut wie keine Chance, über die Zahl ihrer Kinder zu entscheiden. Die Vereinten Nationen kritisieren das. Sie fordern eine bessere Familienplanung und Gesundheitsversorgung.

          Die Vereinten Nationen fordern eine funktionierende Familienplanung und eine ausreichende Gesundheitsversorgung für werdende Mütter in Entwicklungsländern. Die Frauen müssten selbst über ihr Leben und mögliche Schwangerschaften bestimmen können, heißt es im jährlichen Bericht des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA), dessen deutsche Fassung die Stiftung Weltbevölkerung (DSW) am Dienstag in Berlin vorstellte.

          In von Armut geprägten Ländern hätten die ärmsten Frauen so gut wie keine Chance, über die Zahl ihrer Kinder zu entscheiden, kritisierte UNFPA-Exekutivdirektorin Natalia Kanem. Die Bildungs- und Berufschancen dieser Frauen würden erheblich geschmälert. Die Situation der Frauen schwäche die soziale und wirtschaftliche Entwicklung der Länder.

          Mädchen und junge Frauen aus den ärmsten 20 Prozent der Haushalte bekommen demnach etwa dreimal so viele Kinder wie ihre Altersgenossinnen aus den reichsten 20 Prozent der Haushalte. „Arme Mädchen bekommen mehr Kinder als reiche, weil es ihnen an Aufklärung, Verhütungsmöglichkeiten und Bildung mangelt, und weil sie eine geringe soziale Stellung haben“, sagte DSW-Geschäftsführerin Renate Bähr.

          Laut den Schätzungen können 214 Millionen Frauen in Entwicklungsländern nicht verhüten, obwohl sie das gerne möchten. Pro Jahr würden 89 Millionen Frauen ungewollt schwanger, was 43 Prozent aller Schwangerschaften in diesen Ländern entspreche. Die Folge seien jährlich 48 Millionen Abtreibungen, zehn Millionen Fehlgeburten und eine Million Totgeburten. Obwohl die Müttersterblichkeit insgesamt zurückgeht, liegt die Müttersterblichkeitsrate in den ärmsten Entwicklungsländern laut dem Bericht weiterhin bei 436 Todesfällen pro 100.000 Geburten, während es in den Industrieländern zwölf Todesfälle pro 100.000 Geburten sind.

          Die Vereinigten Staaten hatten nach dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump Gelder für internationale Organisationen gekürzt, die im Rahmen der Familienplanung auch über Abtreibungen informieren. Auch UNFPA ist davon betroffen. DSW-Geschäftsführerin Bähr kritisierte, dass die Zahl der Abtreibungen durch diesen Schritt eher steigen als sinken werde, da vielen Frauen und Mädchen dadurch der Zugang zu Verhütung erschwert werde.

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