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Bernhard Ehlen : Eine einfach geniale Hilfsidee

  • -Aktualisiert am

Bernhard Ehlen mit einem jungen Patienten Bild: Ärzte für die dritte Welt

Der Jesuitenpater Bernhard Ehlen, der die Organisation „Ärzte für die Dritte Welt“ gründete, wird 70 Jahre alt. Mehr als 3000 Patienten behandelt die von ihm ins Leben gerufene Organisation Tag für Tag.

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          Die Fäden am Fuß vom Unfall auf den Philippinen sind gezogen, und Bernhard Ehlen ist bei Kräften, wie man ihn kennt. Dass ihn der Mann mit dem Dreiradgefährt vor ein paar Tagen beim plötzlichen „U-Turn“ übersah, hätte schlimm ausgehen können, aber es blieb bei Fleischwunden, als Ehlen auf seinem Motorrad nur noch halb ausweichen konnte. An diesem Donnerstag feiert der Jesuitenpater in der Provinz Zamboanga auf Mindanao unverdrossen seinen 70. Geburtstag - bei einem Meeresfrüchteessen mit Freunden und Mitarbeitern der „Ärzte für die Dritte Welt“.

          Als er die Hilfsorganisation mit Sitz in Frankfurt 1983 gegründet hatte, rückten die ersten neun Ärzte nach Kalkutta in Indien aus, bescheiden ausgerüstet. Bis heute wurden es dann 2350 Ärztinnen und Ärzte bei 4680 Einsätzen, etwa auf den Philippinen, in Bangladesch, Indien, Kenia und Nicaragua. „Genial einfach“ nannte Bundesaußenminister a. D. Joschka Fischer die Gründungsidee des Jesuitenpaters im vergangenen Jahr, als die „Ärzte für die Dritte Welt“ in Berlin die 25 Jahre ihres Bestehens feierten. In Berlin wurde Ehlen am 5. März 1939 geboren. Nach dem Abitur am Canisius-Kolleg trat er mit 19 Jahren in die Societas Jesu ein, studierte an den Ordenshochschulen Theologie und Philosophie, Pädagogik und Psychologie und wurde 1968 zum Priester geweiht. In den 13 Jahren als Religionslehrer und in der kirchlichen Jugendarbeit in Hannover, Berlin und Hamburg hörte er immer wieder die Frage seiner Schüler: Warum hungern so viele, während wir im Überfluss leben? Ehlen schloss sich mit Erlaubnis der Ordensoberen Rupert Neudeck an, der mit ihm Novize gewesen war und zu dieser Zeit mit seiner „Cap Anamur“ vietnamesische Bootsflüchtlinge rettete.

          Die „Ärzte für die Dritte Welt“ behandeln Tag für Tag mehr als 3000 Patienten

          In den folgenden sieben Monaten in einem Flüchtlingslager in Somalia wurde das Problem klar, für das Ehlen die genial einfache Lösung finden sollte: In den Flüchtlingslagern kamen zwar immer wieder Ärzte an, die für ein paar Wochen halfen. Sie trafen aber so unvermittelt auf Tod und Elend, auf Hitze und Seuchen, dass schnell viel von der Kraft verbraucht war, die sie doch für die Kranken einsetzen wollten. Länger bleiben konnten sie aber auch nicht, weil das Krankenhaus daheim sie nicht freistellte und sie die Praxis nicht einfach für ein Vierteljahr schließen konnten, da sonst die Patienten weg gewesen wären. Ehlens Idee: Deutsche Ärzte opfern ihren Urlaub und leisten Hilfe in den Slums der Großstädte, wo es schon Hilfsstationen gibt. Es hat funktioniert: Heute behandeln die „Ärzte für die Dritte Welt“ Tag für Tag mehr als 3000 Patienten, die sonst nicht die Spur einer Chance auf ärztliche Versorgung hätten.

          Pater Ehlen arbeitet all die Jahre ohne Gehalt, der Jesuitenorden „füttert ihn durch“, wie er es gern formuliert. Spenden fließen zu 100 Prozent in die Projekte, weil ein separater Förderkreis die (niedrigen) Verwaltungskosten übernimmt. Dem Kuratorium gehören Hans Tietmeyer, der frühere Bundesbankpräsident, und die Ärztin und Schauspielerin Maria Furtwängler an. Das Generalsekretariat der „Ärzte für die Dritte Welt“ hat Ehlen im Jahr 2006 in die Hände von Harald Kischlat gelegt, aber nach einem Sabbatical ist er mit seiner schier unerschöpflichen Energie wieder unterwegs für seine Projekte in der Dritten Welt. Und dort feiert er auch den Siebzigsten, voller Dankbarkeit für ein erfülltes Leben.

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