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Berglauf an der Zugspitze : Extremsportler laufen in den Tod

  • Aktualisiert am

Ein durchgefrorener Läufer muss von Helfern gestützt werden Bild: dpa

Der Regen im Tal hätte Warnung genug sein müssen. Doch die Teilnehmer eines Extrem-Berglaufs an der Zugspitze starteten. In höheren Lagen herrschte Winter. Zwei Männer aus Deutschland starben - erschöpft und unterkühlt. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.

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          Nach dem Tod zweier Männer bei einem Extrem-Berglauf auf der Zugspitze am Sonntag hat die Staatsanwaltschaft München Ermittlungen aufgenommen. Es gebe keine konkreten Ermittlungen gegen Personen, etwa die Veranstalter, sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft München II, Rüdiger Hödl, am Montag. „Wir prüfen den Sachverhalt, dann werden wir entscheiden.“

          Die zwei Männer waren bei dem Rennen knapp unter den Gipfel des 2962 Meter hohen Berges nach einem Wettersturz an Erschöpfung gestorben. Nach Angaben der Polizei in Weilheim handelte es sich um einen 41 Jahre alten Mann aus dem nordrhein-westfälischen Witten und einen 45 Jahren alten Mann aus Ellwangen in Baden-Württemberg. Sechs Läufer kamen mit schweren Unterkühlungen und völlig erschöpft ins Klinikum Garmisch-Partenkirchen. Einer soll das Krankenhaus mittlerweile wieder verlassen haben.

          An der alljährlichen Extrem-Sportveranstaltung nahmen mehrere hundert Läufer teil. Die Distanz des Berglaufes auf Deutschlands höchsten Gipfel beträgt 16,1 Kilometer bei 2100 Metern Höhenunterschied. Die Sportler waren gegen 9 Uhr im österreichischen Ehrwald schon bei Regen gestartet. Bei zunehmender Höhe gingen die Niederschläge allmählich in Schnee über. Hinzu kam ein eisiger Wind. Streckenweise liefen die Teilnehmer in kurzen Hosen und T-Shirts durch zehn Zentimeter Neuschnee. „Nach wenigen Minuten war alles weiß“, schilderte ein Bergwacht-Mitglied den Wetterumsturz.

          Helfer der Bergwacht bringen am Sonntag einen Läufer mit dem Rettungshubschrauber in Sicherheit
          Helfer der Bergwacht bringen am Sonntag einen Läufer mit dem Rettungshubschrauber in Sicherheit : Bild: AP

          Rennen hätte abgesagt werden müssen

          Für viele der Extremsportler wurde die Anstrengung zu groß: Sie brachen nach Angaben des Bayrischen Roten Kreuzes (BRK) erschöpft zusammen. Von mehreren Hütten wurden die Rettungskräfte alarmiert. Nahe der Knorrhütte in 2051 Metern Höhe wurde vergeblich versucht, zwei der Sportler zu reanimieren. Sie starben an Erschöpfung und Unterkühlung. In den Berghütten spielten sich nach Berichten von Augenzeugen dramatische Szenen ab. Zahlreiche Läufer mussten reanimiert werden. Andere waren stark unterkühlt.

          Dabei hätten die Bergläufer Schutz vor dem plötzlichen Schlechtwetter suchen können. Das wäre auf der „Knorrhütte“ selbst oder dem „Schneefernerhaus“ an der Strecke möglich gewesen, sagte ein Sprecher der Polizeiinspektion Weilheim am Montag. Andere Läufer hätten
          das auch gemacht. „Ein Läufer befindet sich wie im Rausch, der hat nur das Ziel vor Augen und sieht sonst gar nichts mehr“, sagte der Sprecher. Teilweise hätten Streckenposten die Läufer, die unterkühlt und erschöpft aussahen, angesprochen und zum Abbruch überreden müssen. Von alleine hätten viele keine Hilfe gesucht.

          Der Großeinsatz der Rettungskräfte wurde von dem schlechten Wetter erschwert. Von vier angeforderten Hubschraubern konnten sich nur zwei einen Weg durch die dichten Wolken auf die Zugspitze bahnen und die Verletzten ins Tal fliegen. Insgesamt waren 80 Helfer von BRK und Bergwacht im Einsatz. Die Sicherheitskräfte nannten es leichtsinnig, bei derart schlechtem Wetter das Rennen nicht abzusagen.

          „Jeder wird ein Sieger sein“

          Der Streckenrekord für den Extrem-Berglauf liegt nach Veranstalterangaben bei zwei Stunden und drei Minuten. Normale Bergsteiger brauchen bis zu neun Stunden. Die Veranstalter machten am Sonntag sogar selbst auf das schlechte Wetter aufmerksam. Sie sprachen im Internet von Gewitterneigung und Schneeschauern, auch Böen wurden angekündigt. Dies hinderte aber offensichtlich die Teilnehmer nicht am Start.

          Vielleicht reizte sie der Hinweis des Veranstalters: „Gerade aufgrund dieser unvergleichlichen Besonderheiten des Laufes in einer traumhaften Bergwelt wird jeder, der eines der Ziele erreicht, ein Sieger sein.“ Worte, die nun besonders zynisch klingen.

          Die Bergwacht warnte gleichwohl vor voreiligen Schuldzuweisungen. Wer auf die Zugspitze laufe, müsse wissen, auf was er sich einlasse und was er sich zumuten könne.

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