https://www.faz.net/-gum-99zev

Multiples Organversagen : 22-Jährige wird bei Notruf nicht ernst genommen und stirbt

  • Aktualisiert am

Ein abgelegter Telefonhörer. Die Französin Naomi Musenga hatte Ende Dezember wegen starker Bauchschmerzen den Notruf gewählt (Archivbild). Bild: dpa

Wegen starker Bauchschmerzen hat eine Französin den Notruf gewählt – sie wird nicht ernst genommen und von der Frau am anderen Ende verhöhnt. Wenige Stunden später ist die 22-Jährige tot.

          In Frankreich hat der womöglich vermeidbare Tod einer jungen Frau juristische Konsequenzen: Die 22-Jährige starb, nachdem sie den Notruf wählte und dort nicht ernst genommen wurde. Die Staatsanwaltschaft leitete am Mittwoch Ermittlungen ein, die verantwortliche Notdienst-Mitarbeiterin wurde vorläufig suspendiert. Gesundheitsministerin Agnès Buzyn zeigte sich im Kurzbotschaftendienst Twitter „zutiefst betroffen“.

          Naomi Musenga hatte Ende Dezember wegen starker Bauchschmerzen den Notruf gewählt, wie elsässische Medien jetzt berichteten. Auf der dreiminütigen Aufzeichnung ist zu hören, wie Musenga starke Schmerzen beklagt und sich sorgt, dass sie sterben könnte.

          Am anderen Ende der Leitung antwortet eine Frau: „Natürlich wirst du irgendwann sterben, wie alle anderen auch.“ Außerdem ist zu hören, wie sie sich mit einem Kollegen über Musengas Anruf amüsiert. Sie rät der jungen Frau, sich einen Arzt über einen kostenpflichtigen Notdienst nach Hause zu bestellen.

          Mitarbeiterin vorläufig suspendiert

          Fünf Stunden später ruft Musenga abermals an und wird von einem Notarzt in ein Krankenhaus in Straßburg gebracht. Wenig später erleidet sie einen Herzinfarkt und stirbt. Einem Bericht der französischen Tageszeitung „Le Monde“ zufolge ergab eine Autopsie, dass multiples Organversagen der Grund für ihren Tod war.

          Das Krankenhaus erklärte, die Mitarbeiterin des Notdienstes sei vorläufig suspendiert worden. Die bisherigen Erkenntnisse ließen diese Entscheidung zu, auch wenn der Ermittlungsausgang noch offen sei. Die Straßburger Staatsanwaltschaft leitete polizeiliche Ermittlungen wegen unterlassener Hilfeleistung ein.

          Der Fall befeuerte die Debatte über das französische Gesundheitswesen. Schon seit Wochen beklagen Ärzte und Krankenpfleger, dass es zu wenig Personal und Ressourcen gebe. Am kommenden Dienstag demonstrieren in Paris Krankenhaus-Mitarbeiter gegen die schlechten Bedingungen.

          Weitere Themen

          Der unsichtbare Feind

          FAZ Plus Artikel: Kampf gegen Ebola : Der unsichtbare Feind

          Im Nordosten Kongos kämpfen Ärzte gegen einen abermaligen Ebola-Ausbruch. Doch nicht nur das Virus ist eine Gefahr – auch der Bürgerkrieg erschwert die Lage dramatisch. Er ist schlimm, schlimmer ist aber das Misstrauen der Menschen.

          Topmeldungen

          Immer mehr, immer größer, immer schneller: Autos auf den Straßen von Berlin.

          Wandel der Mobilität : Augen auf vorm Autokauf!

          Ob Auto, Bahn oder Fahrrad – Mobilität ist individuell und abhängig von Bedürfnissen und Lebensumständen. Doch jeder sollte bereit sein, sich zu hinterfragen.

          Größte Computerspiele-Messe : Das sind die Kracher der Gamescom

          In Köln läuft noch bis heute ein kunterbuntes Festival – die Gamescom: Was ist dort neu? Welche Bedeutung spielt die Cloud? Und: Warum begeistern dystopische Spiele und Außenseiterrollen die Gamer? Das und mehr im neuen Digitec-Podcast.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.