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Herzkranzgefäße : Die Flexiblen unter den Arterien

Das Herz ist unter allen Organen das Unverzichtbarste. Denn pumpt es nicht Blut in alle Winkel unseres Körpers, kann kein anderes Organe seine Arbeit tun. Bild: Valentine Edelmann

Alle reden immer vom Herzen. Doch ohne die Unterstützung der Herzkranzgefäße könnte der „Motor des Lebens“ seine Arbeit nicht tun. Über einen unterschätzten Teil unseres Körpers.

          6 Min.

          Keine Frage, jedes unserer Organe hat seine Wichtigkeit, seine unentbehrliche Aufgabe im Körper, damit tagein, tagaus alles reibungslos funktioniert: Atmen, Laufen, Verdauen, Schlafen, Sprechen. Doch das Herz kann ohne Zurückhaltung behaupten, es spiele unter allen Organen noch mal eine ganz herausragende Rolle. Denn pumpt es nicht Blut, angereichert mit Nährstoffen und Sauerstoff, in alle Winkel unseres Körpers, kann keins der anderen Organe seine Arbeit tun.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dabei fällt bei der hohen Achtung für unser Herz häufig unter den Tisch, wer eigentlich dafür verantwortlich ist, dass das Herz genügend Kraft hat, beim erwachsenen Menschen im Durchschnitt 100000 Mal am Tag zu schlagen und pro Minute rund fünf Liter Blut durch den Körper zu schicken: Es sind die Herzkranzgefäße – im Fachjargon Koronararterien genannt. Ohne sie wäre das Herz aufgeschmissen.

          Diese Blutgefäße liegen kranzförmig dem Herzmuskel auf. Diesem Verlauf haben sie ihren Namen zu verdanken. Sie versorgen den Hohlmuskel von außen bis in die letzten Ecken mit Blut. Das ist eine Besonderheit. Die allermeisten Organe im Körper werden von ihren versorgenden Gefäßen durchzogen. Das Herz hingen wird über die Koronararterien von außen ernährt – und nicht etwa über das Blut in seinen Kammern.

          Herz-Kreislauf-System arbeitet ab der dritten Lebenswoche

          Bei einem Erwachsenen in Ruhe verbraucht das Herz selbst für seine Arbeit etwa vier bis sechs Prozent des Bluts, welches es pro Minute in den Kreislauf pumpt. Im Laufe eines Lebens – rechnet man mal mit einem Durchschnittsalter von 75 Jahren – transportiert das Herz rund 178850000 Liter Blut durch den Körper und schlägt mehr als 2,7 Milliarden mal.

          Das Herz-Kreislauf-System ist das erste funktionsfähige System in unserem Körper. Bereits ab der dritten Entwicklungswoche, manchmal noch bevor die werdende Mutter überhaupt bemerkt, dass sie schwanger ist, nimmt dieses im Embryo seine Arbeit auf.

          Um den 23. Entwicklungstag beginnt der Sinus venosus zu funktionieren. Er bildet später die Einmündung der großen Hohlvene in den rechten Vorhof. Über die Hohlvene wird sauerstoffarmes Blut aus dem Körper zum Herzen transportiert. Früh in der Entwicklung gelangen über ihn Nährstoffe und Sauerstoff aus der Plazenta an den Embryo. In den ersten Entwicklungswochen eines Menschen funktioniert die Versorgung mit Nährstoffen allerdings noch nicht über Gefäße, sondern durch Diffusion (ein selbständiges Durchmischen der Stoffe in der Zelle). Geht es nach der Natur, dann besitzt der Mensch zwei Koronararterien, eine linke und eine rechte. Sie bilden die ersten Abzweigungen der Aorta, kurz nachdem diese aus der linken Herzkammer entsprungen ist.

          Arteriosklerose kann schwerwiegende Folgen haben

          Zu diesem Zeitpunkt haben die Herzkranzgefäße einen Durchmesser bis zu 3,5 Millimeter. In ihrem Verlauf über den Herzmuskel verzweigen sie sich allerdings in immer kleiner werdende Äste und dringen von außen in den Herzmuskel ein. Die kleinsten Arterien haben nur noch einen Durchmesser, der wenige Mikrometer misst – gerade noch groß genug, damit sich einzelne Blutkörperchen hindurchquetschen können.

          Im Normalfall versorgt die rechte Herzkranzarterie die Hinterwand und die linke Herzkranzarterie die Vorderwand des Herzens. Von dieser Standard-Anatomie gibt es allerdings zahlreiche Normvarianten. Nur bei etwa fünfzig Prozent der Menschen verlaufen die Koronararterien so, wie es die Natur vorgesehen hat. „Das hat aber in den meisten Fällen keine pathologischen Auswirkungen“, sagt Josef Schöpf, Kardiologe am Kardiocentrum an der Klinik Rotes Kreuz in Frankfurt. Soll heißen, das Herz funktioniert trotzdem einwandfrei.

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