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Neuromuskuläre Erkrankung : Baby bekommt Spritze für zwei Millionen Euro

„Teuerstes Medikament der Welt“: Der fünf Monate alte Arthur Morgan erhielt in einem Londoner Kinderkrankenhaus eine Spritze mit dem etwa zwei Millionen Euro teuren Präparat Zolgensma. Bild: dpa

In London wurde zum ersten Mal ein Säugling mit dem Präparat Zolgensma behandelt. Das zwei Millionen Euro teure Präparat wirkt Spinaler Muskelatrophie entgegen – einem Gendefekt, der unbehandelt zum frühen Tod führen kann.

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          Der Nationale Gesundheitsdienst Großbritanniens (NHS) hat erstmals einem Säugling, der unter Spinaler Muskelatrophie (SMA) leidet, mit Zolgensma behandelt, das manche als „teuerstes Medikament der Welt“ bezeichnen. Am Dienstag wurde bekannt, dass der fünf Monate alte Arthur Morgan in einem Londoner Kinderkrankenhaus eine Spritze mit dem etwa zwei Millionen Euro teuren Präparat bekommen hat. NHS-Chef Simon Stevens bezeichnete es als „fantastische Neuigkeit, dass diese revolutionäre Behandlung nun für Babys und Kinder wie Arthur beim NHS möglich ist“. Auch andere Organisationen, darunter eine zur NHS-Kostenkontrolle, begrüßten den Schritt.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          SMA ist eine neuromuskuläre Erkrankung, die von einem Defekt der Nervenzellen im Rückenmark verursacht wird. Er bewirkt motorische Einschränkungen und verschiedene Lähmungserscheinungen, die unbehandelt zu einem frühen Tod führen können. Jedes zehntausendste Neugeborene kommt mit dem Gendefekt auf die Welt. In Großbritannien werden jedes Jahr etwa 50 Kinder mit der Krankheit geboren. In der Europäischen Union ist Zolgensma seit vergangenem Jahr zugelassen. Allerdings übernehmen in Deutschland nicht alle Krankenkassen die Kosten oder finanzieren nur alternative Therapien.

          Britische Ärzte, die in der SMA-Therapie tätig sind, werben für Routineuntersuchungen unmittelbar nach der Geburt. „Je früher Zolgensma eingesetzt wird, desto besser“, hieß es bei der Organisation „SMA UK“ am Dienstag. Wenn das Medikament vor dem Auftreten erster Symptome verabreicht werde, hätten die Muskeln noch die Chance, sich normal zu entwickeln. Bisher bietet der NHS die Untersuchung nach der Geburt nur an, wenn schon ein Fall in der Familie aufgetaucht ist. Es sei eine Schande, dass Großbritannien damit mehreren europäischen Ländern hinterherhinke, sagte die konservative Abgeordnete Nickie Aiken.

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