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Ausweitung auf Uganda : Der schwere Kampf gegen Ebola

Helfer versuchen alles, um das Ebola-Virus zu stoppen – Doch häufig sind auch sie selbst in Gefahr. Bild: AFP

Die Ausbreitung der Seuche über Kongo hinaus beunruhigt die WHO. Im erbitterten Kampf gegen das Virus müssen jedoch auch die Ärzte um ihr Leben fürchten: Islamische Milizen terrorisieren beide Länder.

          3 Min.

          Die tödliche Ebola-Epidemie, die seit rund zehn Monaten in Kongo wütet, hat das Nachbarland Uganda erreicht. Innerhalb weniger Tage starben dort eine 50 Jahre alte Frau und ihr fünf Jahre alter Enkel. Dessen drei Jahre alter Bruder ist ebenfalls mit dem Filovirus infiziert. Die Familie – zwei Erwachsene und vier Kinder – war zuvor aus Kongo ins benachbarte Uganda eingereist und hatte dabei offenbar die Gesundheitskontrollen, die an den Grenzübergängen vorgenommen werden, umgehen können.

          Thilo Thielke

          Freier Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Sämtliche Angehörige wurden zunächst unter Quarantäne gestellt und dann nach Kongo zurückgebracht, um sich dort behandeln zu lassen. Damit ist eingetreten, was seit langem befürchtet worden war: die Ausbreitung der Seuche über Kongo hinaus. Prophylaktisch waren in Uganda bereits 4700 Mitarbeiter des Gesundheitsdienstes mit einem von der Firma Merck entwickelten Stoff (rVSV-Zebov) geimpft worden.

          Die Gegend in Ostkongo, die von dem Ausbruch hauptsächlich betroffen ist, liegt nahe der ugandischen Grenze. Diese ist zwischen den beiden Ländern rund 875 Kilometer lang und kaum zu kontrollieren. Allein den Grenzübergang Kasindi sollen Tag für Tag bis zu 25.000 Menschen passieren. Ein größeres Problem stellen nach Aussage der ugandischen Gesundheitsministerin Jane Ruth Aceng die vielen „inoffiziellen Übergänge“ dar. Auch Ruanda liegt nicht weit entfernt.

          Trotz guter Vorbereitung breitet sich die Krankheit aus

          Um sich zu schützen, werden die Bewohner der Region seit langem aufgefordert, sich gründlich die Hände zu waschen, das Schütteln von Händen und die Umarmungen von Menschen zu vermeiden. Auch vor großen Menschenmengen wird gewarnt. Allerdings ist die Unwissenheit groß in Kongo, viele Bewohner des Landes sind Analphabeten, viele Menschen vertrauen eher der Hexenkunst traditioneller Heiler als ausgebildeten Medizinern. Längst hat sich ein Heer von Helfern in Gang gesetzt, um dem Albtraum ein Ende zu bereiten. Täglich werden rund 15.000 Kongolesen auf Symptome der Fieberkrankheit untersucht.

          Vor einigen Jahren hatte eine Ebola-Epidemie die westafrikanischen Länder Sierra Leone, Liberia und Guinea heimgesucht. Mehr als 11.000 Menschen fielen ihr zum Opfer. Damals kam der Ausbruch überraschend. Die betroffenen Länder waren auf das Ausmaß und die Kraft, mit der sich das 1976 in Kongo identifizierte Virus durch den Urwald und die Slums der Großstädte fraß, nicht vorbereitet. Das war in diesem Fall anders. In Kongo taucht Ebola regelmäßig auf.

          Der aktuelle Ausbruch ist bereits der zehnte, seit das Virus bekannt ist. Zudem existierte in den Vereinigten Staaten bereits ein Vorrat von rund 300.000 Dosen des neu entwickelten Impfstoffs, der bei minus 60 bis minus 80 Grad gelagert werden muss. Dieser gilt als ausgesprochen wirksam. Zwar ist er noch nicht offiziell zugelassen. Allerdings wurden in Kongo bereits Zehntausende Menschen geimpft, und auch die Nachbarländer Südsudan und Uganda wurden mit dem Vakzin versorgt.

          Schon über 1400 Menschen sind der aktuellen Epidemie zum Opfer gefallen.

          Terror lässt Optimisten verstummen

          Anfangs war die Weltgesundheitsorganisation (WHO) deshalb auch optimistisch, die Krise schnell in den Griff zu bekommen. Mittlerweile ist diese Zuversicht jedoch der Angst gewichen, dass sich Ebola auch diesmal zum Flächenbrand ausweitet. Alleine in Kongo sind seit dem vergangenen August bereits rund 1400 Menschen an Ebola gestorben, mehr als 2000 haben sich infiziert.

          Mit fehlendem medizinischen Fortschritt habe die Krise nicht zu tun, schreibt Benno Müchler, der Kongo-Vertreter der Konrad-Adenauer-Stiftung, in einer aktuellen Studie. „Die schlechte Sicherheitslage ist das Problem: Die Krise im Kongo ist hausgemacht. Der Staat ist nicht imstande, für Stabilität zu sorgen.“ Müchler verweist dabei auf mehr als 70 bewaffnete Gruppen, die „im Land frei walten können“ und die Bevölkerung terrorisierten.

          Die paramilitärischen Mayi-Mayi-Milizen wüten in den Wäldern, und immer wieder fallen aus Uganda die muslimischen Krieger der Allied Democratic Forces ein und löschen ganze Dörfer in Kongo aus. Zuletzt bekannte sich sogar die Terrormiliz „Islamischer Staat“ zum Mord an drei kongolesischen Soldaten nahe der Stadt Beni, dem Epizentrum der Seuche. Islamisten versuchen derzeit massiv, ihren Terror auf schwache Staaten in Subsahara-Afrika auszudehnen.

          Gesundheitshelfer müssen schwer bewacht werden

          Immer häufiger sind die Mitarbeiter der WHO, des kongolesischen Gesundheitsministeriums oder von Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen deshalb gezwungen, sich in Sicherheit zu bringen und die Arbeit vorübergehend einzustellen. In manche Gebiete wagen sie sich nur noch eskortiert von schwerbewaffneten Blauhelmen. Mehr als 10.000 der UN-Soldaten sind seit Jahren in Kongo stationiert.

          Große Wirkung hatte das nicht: Seit Ausbruch der Kämpfe sollen nach Angaben der WHO mehr als 170 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen und deren Mitarbeiter verübt und dabei vier Helfer ermordet worden sein. Die Rebellen betrachteten die „auswärtigen Gesundheitshelfer als Partner der ihnen zutiefst verhassten Regierung“ in Kinshasa, so Müchler.

          In den Nachbarländern Uganda und Ruanda sind die Voraussetzungen, die Ebola-Seuche einzudämmen, weitaus günstiger als in Kongo. Für Uganda wird bereits eine breit angelegte Impfkampagne vorbereitet.

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