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Austausch von PIP-Implantaten : „Fair wären 2000 bis 3500 Euro“

Jetzt Zeichen für ein Debakel: Das Logo am Eingangstor zum Fabrikgelände von PIP in La Seyne-sur-Mer Bild: dapd

Wer zahlt das Entfernen der schadhaften PIP-Implantate? Für die Patientinnen, die jetzt vor einer Operation stehen, ist das meist noch die geringste Sorge.

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          Seit bekannt geworden ist, dass die französische Firma PIP Brustimplantate auch nach Deutschland geliefert hat, ist bei deutschen Frauenärzten und in schönheitschirurgischen Praxen „der Wahnsinn los“. „Wir haben sogar extra eine Sprechstunde für PIP-Patientinnen eingerichtet“, sagt Robinson Ferrara, „um die vielen Anfragen von besorgten Frauen überhaupt beantworten zu können“. Der Facharzt für Gynäkologie aus Alzey hat in den vergangenen Wochen schon 14 Implantate ausgebaut, von denen drei beschädigt waren.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.
          Lucia Schmidt
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Erst seit dem vergangenen Wochenende wird auch in Deutschland Frauen, die ein Brustimplantat der französischen Firma PIP tragen, offiziell zu einer vorsorglichen Entnahme der Implantate geraten. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte begründet seine Empfehlung damit, „dass mögliche Gesundheitsrisiken durch vermehrt ausgetretenes Silikon auch dann entstehen können, wenn keine Rissbildung vorliegt“. Diese Empfehlung geben auch die Deutschen Gesellschaften der Gynäkologen, der Senologie und der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen. Sie warnen vor allem vor „der potentiellen, bis heute kaum bekannten Toxizität des nicht konformen Gels“.

          Genau darum machen sich auch die Frauen in Ferraras Praxis große Sorgen. Zwar ist nicht bestätigt, dass das verwendete Silikon in den PIP-Implantaten Krebs verursachen kann, aber das Bekanntwerden „von Krebsfällen unter den PIP-Trägerinnen macht Patientinnen zusätzlich ängstlich und unsicher“, sagt Ferrara, der in der Vergangenheit selbst keine PIP-Implantate eingesetzt hat. Dazu komme, dass das Thema „Brustvergrößerung“ in Deutschland immer noch mit Scham besetzt sei. „Vielen Frauen ist es peinlich, über einen solchen Eingriff zu sprechen.“ Sie seien nun oftmals getrieben von Angst, Unsicherheit und Schamgefühl, wenn sie sich wieder wegen einer Brustoperation bei ihm vorstellten.

          Doch das sind nicht die einzigen Sorgen, die betroffene Frauen sich machen. Besonders die Frage „Wer trägt die Kosten für eine neue Operation? beschäftige viele Patientinnen“, sagt Petra Berger, Plastische und Ästhetische Chirurgin aus Frankfurt.

          Kassen sind verpflichtet, einen Teil der Kosten nicht zu tragen

          Für gesetzlich krankenversicherte Patientinnen, die sich Implantate wieder entfernen lassen wollen, kann die Antwort lauten: Sie müssen dafür möglicherweise tief ins Portemonnaie greifen. Es sei denn, das Einsetzen des Implantats war aus medizinischen Gründen notwendig. Grund dafür könnte der Wiederaufbau der Brust etwa nach einer Brustkrebsoperation gewesen sein. In dem Fall zahlt die Kasse nach der medizinisch notwendigen Entfernung des schadhaften Implantats auch das Einsetzen eines neuen Brustimplantats. Die Zahl dieser Fälle ist allerdings nicht besonders groß. Die übergroße Mehrzahl der Brustoperationen fällt nämlich umgangssprachlich unter die Schönheitsoperationen. Der Gesetzgeber spricht von „medizinisch nicht indizierten ästhetischen Operationen“. Diese Frauen können mit ihrer Versichertenkarte zum Arzt gehen, sich untersuchen und das schadhafte Implantat entfernen lassen. Die Kosten für ein neues Implantat müssen die Patientinnen dann aber aus eigener Tasche bezahlen.

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