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Erkältungs-Apps : Digital gegen Schnupfen & Co.

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Systemcheckerin: Ah, exzellent. Bleiben wir mal bei den Halsschmerzen: Die App empfiehlt Quarkwickel. Ich muss mich leider etwas umständlich über Verlinkungen dorthin navigieren, aber die Anleitung ist dann tatsächlich sehr detailliert, sogar mit Fotos. Von den Erklärungen zu Symptomen und Krankheiten können auch Erwachsene noch was lernen.

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MediKid - die Kinder-Gesundheits-App von Medikid Nase & Nase GbR : Bild: Medikid Nase & Nase GbR

Frau Doktor: „Frag Mutti“ sollte eigentlich „Frag Oma“ heißen, finde ich. Das, was Oma schon wusste, war nicht falsch. Und definitiv hat gegurgelter Schnaps einen desinfizierenden Effekt im Hals, und Rum mit Zucker lässt uns gut schlafen. Wadenwickel sind gut - und meine ehemaligen Nachtschwestern haben auch im Krankenhaus dazu gegriffen, wenn die Zeit dafür nachts da war und der Patient gefiebert hat. Die Wickel helfen, die Wärme des Körpers bei Fieber nach außen abzuleiten, die Verdunstungskälte kühlt das Blut in den Gefäßen unter der Haut.

Systemcheckerin: Schnaps gurgeln! Jetzt kommen wir doch mal zu den guten Tipps. „Frag Mutti“ hat vor kurzem ein Design-Update bekommen und sieht jetzt ein bisschen aus wie Pinterest. Was mich stört: Die Tipps sind von irgendwem, ob sie wirklich helfen, weiß ich nicht. Und es kommen bei der Suche nach „Erkältung“ Hunderte von ihnen. Welcher ist der beste? Crowdsourcing, also sich die Informationen aus der Community holen, mag oft sinnvoll sein. Bei Putztipps zum Beispiel. Da kann man nicht so viel falsch machen. Aber bei meiner Gesundheit? Sorry, da mag ich lieber ärztlich abgeklärte Tipps.

Fazit Frau Doktor:

So richtig überzeugt hat mich keine App. Ob mit oder ohne gute Ratschläge aus dem Netz: Eine Erkältung dauert mit Medikamenten eine Woche und ohne sieben Tage. Was Oma schon wusste, steht heute im Netz - und ersetzt trotzdem nicht immer den Gang zum Arzt. Wichtig: Erkältungen können mit Hausmitteln gelindert werden. Länger anhaltendes Fieber muss aber abgeklärt werden. Sinnvoll und noch dazu kostenlose Apps sind übrigens die, die die nächste Apotheke anzeigen, wie etwa „Apothekenfinder“ der Bundesvereinigung der Deutschen Apothekerverbände. „@apotheken.de“ bietet neben der Apotheken-Suche auch die nach dem nächsten Ärztlichen Bereitschaftsdienst und die Nummern der Giftnotrufzentralen. Hilfreich!

Fazit Systemcheckerin:

Die meisten Erkältungs-App sind in eine App gequetschtes Wikipedia, mal mit mehr, mal mit weniger medizinischem Hintergrund. Da kann man genauso gut googeln. Am informativsten war tatsächlich noch die Kinder-App, viele Informationen und Rezepte auf einem Haufen, genau das, was ich von einer App erwarte. Was mir bei allen gefehlt hat: der 5-Punkte-Notfall-Plan. Ich erwähnte ihn schon. Aber so eine übersichtliche Reihenfolge, was jetzt zu tun ist, damit ich mich zumindest besser fühle, wenn ich schon die Dauer nicht verkürzen kann, das fehlte. Insgesamt also eher enttäuschend - ich bleibe einfach bei den zwei grundständig essentiellen Tipps: In Hamburg warm anziehen - und im Februar keine U-Bahn fahren.

Unsere „Frau Doktor“ und die „Systemcheckerin“

Unsere „Frau Doktor“: Hat es Sie auch schon erwischt? Die Muskeln schmerzen, die Nase läuft, der Hals kratzt? Der Herbst ist da, wir stellen die Heizung an, unsere Schleimhäute werden trocken, und die Viren, die der Sitznachbar in der U-Bahn mit winzigen Tröpfchen ins Abteil niest, haben die besten Chancen, uns niederzustrecken. Oder waren es die Kinder - der Kita voller Rotznasen sei Dank? Woher auch immer wir sie haben: Die Erkältung nervt. Und jeder hat einen guten Rat, den man mit dem Brummschädel eigentlich nicht hören möchte. Der eine preist das Inhalieren an, so, wie er es von Oma gelernt hat; die Nächste steckt einem Globuli zu mit den Worten: „Hilft mir immer super gut“; ein Dritter rät zum vielbeworbenen Erkältungssaft - der gerade dank des Alkoholanteils für einen guten Schlaf sorgt (gesetzt den Fall, die Nase ist frei - aber wofür gibt es schließlich Nasensprays). Viele von uns haben ein ganzes Arsenal an Helfern in Pillen-, Saft-, Spray- oder Cremeform zu Hause. Verschiedene Tees, die eigentlich nicht wirklich schmecken, aber die ja so gut tun. Nicht zu vergessen Erkältungsbäder, die nach Eukalyptus, Menthol, Thymian, Campher und Tannenwald riechen. Wohl dem, der ein Fenster im Bad hat; die ganze Wohnung riecht nach einer überstandenen Erkältung noch Tage lang nach all den Kräutern. Die Drogerien und Apotheken sind voll von vermeintlich nützlichen Helfern.

Unsere „Systemcheckerin“: Meine Nachttischschublade ist übrigens auch voll mit Tabletten. Entschuldigung, dass ich mich jetzt erst vorstelle, aber ich musste gerade noch nach Tabletten wühlen. Ich bin vor ein paar Tagen durch den Hamburger Regen gelaufen, der immer ein sehr guter Garant ist, krank zu werden. Jetzt fühlt sich mein Hals an, als sei er mit feinstem Sandpapier ausgekleidet. Habe ich übrigens immer als Erstes, diese Halsschmerzen. In meinem Nachttisch lagert ein beeindruckendes Arsenal an Anti-Erkältungs-Zeug. Drei verschiedene Sorten Halsschmerztabletten, zwei Mal Hustensaft, viermal Schmerztabletten und so weiter. Aber so richtig weiß ich nie, was jetzt am besten hilft - und womit das Sandpapier am schnellsten aus meinem Hals verschwindet. Macht ja aber nix, gibt’s ja eine App für. Eine? Der Store findet tatsächlich eine Zillion Treffer, wenn man nach „Erkältung“ sucht. Schauen wir mal, welche nutzen!

 

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