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Erkältungs-Apps : Digital gegen Schnupfen & Co.

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Gripperadar von new media company GmbH & Co. KG
Gripperadar von new media company GmbH & Co. KG : Bild: new media company GmbH & Co. KG

Frau Doktor: Eine interessante Idee, die leider so nicht funktioniert hat. Das „Gripperadar“, basierend auf den Suchen der Google-User weltweit, wollte zeigen, wo gerade die Grippe oder das Dengue-Fieber grassiert. Tatsächlich hat Google das Projekt Google Flue Trends und Google Dengue Trends eingestellt. Rein wissenschaftlich aber ein hochinteressantes Projekt. Google tüftelt sicher weiter an einem verlässlichen Algorithmus. Was die Grippe anbelangt, kann Ihnen aber auch Ihr Hausarzt voraussagen, wann die nächste Welle kommt - verhaltener Start ist im Herbst, ab Oktober steigen die Erkrankungszahlen, der Peak kommt im Februar. Demjenigen, der schon krank ist, nützt die App wenig - außer er interessiert sich für epidemiologische Daten.

Systemcheckerin: Ha! Beeindruckend, Frau Doktor! Den medizinisch gesetzten Februar-Peak kennt tatsächlich auch Google. Im Gripperadar kann man sich seit 2003 durch die Anzahl der Suchanfragen scrollen, eine Deutschlandkarte färbt sich dann von Grün zu Orange oder Rot. Und tatsächlich, immer im Februar - und nur im Februar - ist die Karte rot. Auch ich bin gespannt, was Google noch so vorhat, diese App aber braucht’s erst mal nicht.

„Erkältungs-Kompass“ von AppPeople GmbH
„Erkältungs-Kompass“ von AppPeople GmbH : Bild: AppPeople GmbH

Frau Doktor: Da, wo Google vorerst nicht weiter aufzeichnet, bedient sich der „Erkältungskompass“ neben den Daten aus Suchmaschinen zusätzlich bei der Arbeitsgemeinschaft Influenza des Robert-Koch-Institutes, der zentralen Einrichtung des Bundes zur Krankheitsüberwachung und -prävention, Sitz der Ständigen Impfkommission, nach deren Empfehlungen in Deutschland geimpft wird. Und auch hier gilt aus meiner Sicht: Was nützt mir eine bunte Wolke, die anzeigt, dass in meiner Region gerade viele Menschen erkrankt sind - das merke ich auch an den Schniefnasen im Bus. Die Tipps sind kurz, nicht falsch, aber auch keine Wundermittel. Inhalieren: Kann ich empfehlen, das Mischungsverhältnis passt. Salbeitee trinken - ja, aber erklären, warum, tut keiner. Dafür gibt es reichlich Pharma-Werbung, für pflanzliche Mittel genauso wie für Magnesium oder Aspirin. Die Einnahme eines Präparates mit ß-Glucan und VitaminC kann ich so nicht empfehlen. Wenn Sie schon erkältet sind, hilft Ihnen a) mehr Vitamin C nicht zur schnelleren Genesung und b) scheidet der Körper den Überschuss an Vitamin C wieder aus. Wer sich ausgewogen ernährt, nimmt normalerweise Vitamine in ausreichender Dosis auf.

Systemcheckerin: Ach was, Vitamin C ist totaler Quatsch? Gut zu wissen! Ich sehe diese App vor allem in der Kategorie „Panikmache“. Statt auf Bundesländer bezogen wie bei Google zeigt der Erkältungs-Kompass Krankheitsherde und Infektionsrisiken an, die sich genau lokalisieren lassen. Jetzt gerade ist ein lila-türkiser Infektionsrisiko-Punkt mitten auf dem Münchner Marienplatz. Steht da in diesem Moment die Grippewelle in Person herum? Vermutlich steht der Punkt für München generell, wird aber leider nicht erklärt.

„Frag Mutti“ von Frag Mutti
„Frag Mutti“ von Frag Mutti : Bild: Frag Mutti

Frau Doktor: Die Entwickler werden vom Vater, der Pädiater ist, und der Mutter, einer Kinderkrankenschwester, beraten beziehungsweise haben deren Buch „Kinderkrankheiten“ in eine App übertragen. Eine inhaltlich sehr gute App mit Anleitungen in Text- und Bildform, etwa wie man Wadenwickel genau anlegt. Die App kann mehr als nur über Erkältungssymptome aufklären und ist sicher eine gute Empfehlung für Eltern. Wichtig ist den Betreibern, dass die Nutzung den Arztbesuch nicht ersetzen kann. Richtig so. Aber sie lindert Ängste und gibt nützliche Tipps.

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