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Angst vor Ebola : Outbreak in Boston

  • -Aktualisiert am

In Texas wird das Apartment eines Pflegekraft, die an Ebola erkrankt ist, gereinigt. Bild: dpa

Schüler vergleichen das Virus mit Terroristen vom „Islamischen Staat“, eine TV-Moderatorin fordert die Abschottung des Landes: Die Ebola-Furcht in Amerika nimmt groteske Züge an.

          Viele der mehr als 180 Passagiere an Bord des Emirates-Fluges 237 fühlten sich nach der Landung im amerikanischen Boston wie in einer Szene aus Wolfgang Petersens Seuchendrama „Outbreak – Lautlose Killer“. Als das Flugzeug aus Dubai am Montagnachmittag auf dem Logan International Airport aufsetzte, forderte der Pilot die Fluggäste auf, vorerst sitzen zu bleiben und die Einsatzkräfte nicht zu behindern. Einige Minuten später liefen Dutzende Helfer in gelben und weißen Schutzanzügen durch die Gänge – eine Szene, welche die meisten Passagiere bislang nur aus Katastrophenfilmen kannten. Vor dem Flugzeug versammelten sich Feuerwehr, Polizei, Zoll, Bostons Gesundheitsdienst und Vertreter der Seuchenbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC).

          Während des Fluges waren fünf Passagiere aufgefallen, die über Fieber und grippeähnliche Symptome klagten. Um nach den ersten Ebola-Infektionen in Amerika jedes Risiko zu vermeiden, hatten die Behörden „aus größtmöglicher Vorsicht“ den Einsatz angeordnet. Als die Passagiere das Flugzeug nach drei Stunden auf der Landebahn endlich verlassen durften, gab auch die Bostoner Abteilung für Infektionskrankheiten Entwarnung. „Die Patienten zeigen keine Erkrankungen wie Ebola, Meningokokken oder das Atemwegssyndrom MERS, von denen eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgehen könnte“, teilte eine Sprecherin des Gesundheitsamts in der Nacht zum Dienstag mit.

          Die fünf fiebrigen Fluggäste, die vor der Reise in die Vereinigten Staaten nicht in den Ebola-Gebieten Westafrikas gewesen waren, wurden wegen Grippeerkrankungen ins Krankenhaus gebracht. Seit der Liberianer Thomas Eric Duncan in der vergangenen Woche im Texas Presbyterian Hospital in Dallas an einer Ebola-Infektion starb, macht sich in Amerika eine oft übertriebene Angst vor der Seuche breit. Schüler vergleichen das tödliche Virus schon mit den Terroristen vom „Islamischen Staat“, die konservative Fernsehmoderatorin Elisabeth Hasselbeck erwägt die Abschottung des Landes. „Warum kappen wir nicht die Flugverbindungen und machen die Grenzen dicht?“, fragte die gewohnt aufgeregte Hasselbeck ausgerechnet Anthony Fauci, den Leiter des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten bei einem Interview des Senders Fox. „Das hat keinen Sinn. Der beste Weg, Amerika zu schützen, ist, die Epidemie in Westafrika in den Griff zu kriegen“, sagte der Mediziner.

          Nach Duncans Tod am 8. Oktober hatte auch der New Yorker Hobby-Politiker Donald Trump Präsident Barack Obama vorgeschlagen, alle Flüge aus Sierra Leone, Liberia und anderen Ebola-Regionen zu stoppen. „Warum schicken sie 4000 unschuldige Soldaten nach Westafrika, um Ebola zu bekämpfen?“, fragte der Immobilieninvestor, spätestens seit dem Eklat um Obamas hawaiianische Geburtsurkunde der lauteste Kritiker des Präsidenten.

          Die Krankenschwester Nina Pham, die den Liberianer Duncan pflegte, liegt nach der Infektion mit dem Ebola-Virus weiter auf der Isolierstation in Dallas. Die Seuchenbehörde konnte bislang nicht herausfinden, wie sich die 26 Jahre alte Frau ansteckte. Die Krankenpflegerin Nancy Writebol, die im Juli in Westafrika infiziert wurde und nach der Behandlung in Amerika als gesund gilt, warnte derweil vor lähmender Hysterie. „Wir haben hier einen Ebola-Fall“, sagte Writebol. „Viel gefährlicher ist aber die Angst, die verhindert, dass wir uns in Westafrika einsetzen und helfen.“

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