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Drogeriekette stoppt Tabakverkauf : Und wann geht’s an den Zucker?

  • -Aktualisiert am

CVS-Filiale in Miami: Die Drogeriekonzerne positionieren sich zunehmend als Mini-Kliniken Bild: AFP

Eine amerikanische Drogeriekette verkauft keinen Tabak mehr – und setzt damit auch ihre Mitbewerber unter Druck. Folgt man der Argumentation des Firmenchefs, müssten auch andere gesundheitsschädliche Produkte aus den Regalen weichen.

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          Keine Zigaretten mehr im Drogeriemarkt: Die amerikanische Kette CVS hat angekündigt, den Tabakverkauf in ihren 7.600 Geschäften im ganzen Land bis zum 1. Oktober einzustellen – und setzt damit die Konkurrenz unter Druck. Denn wegen dieser vielfach gepriesenen Maßnahme sehen sich nun auch die beiden anderen großen Drogeriekonzerne Amerikas, Walgreens und Rite-Aid, gehalten, dem Beispiel zu folgen.

          In amerikanischen Drogerieketten wie CVS, Walgreens und Rite-Aid sind neben Kosmetikprodukten, Medikamenten und Haushaltswaren auch Tabakprodukte und sogar Alkoholika zu haben. Außerdem betreiben die Drogeriemärkte hausinterne Apotheken – und das, findet der CVS-Chef Larry Merlo, passt irgendwie nicht zusammen: „Wir beschäftigen 26.000 Apotheker und klinisches Personal, die Patienten bei der Bekämpfung von überhöhtem Blutdruck, Herzkrankheiten und zu hohen Cholesterinspiegeln unterstützen – Krankheiten, die mit dem Rauchen in Verbindung gebracht werden.“

          Präsident Barack Obama, selbst ein ehemaliger Raucher, pries den Schritt von CVS denn auch als „Entscheidung mit tiefgreifenden positiven Folgen für die Gesundheit der Nation“. Eine Nation übrigens, in der Raucher zwar immer stärker ausgegrenzt werden, Zigarettensteuern aber mit mehr als 30 Milliarden Dollar einen entscheidenden Anteil an den Staatseinnahmen ausmachen und die Tabaklobby weiterhin großen Einfluss in Washington hat.

          Die Kundschaft ist gespalten

          Dennoch hat der Anteil der Raucher an der amerikanischen Gesamtbevölkerung in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch abgenommen – von 42 Prozent im Jahr 1965 auf heute 18 Prozent. Und wo einem das Rauchen besonders miesgemacht wird, wie in New York (die Stadt weitete ihre strengen Rauchverbote kürzlich auch auf elektronische Zigaretten aus), liegt der Anteil sogar nur noch bei 14 Prozent.

          Kritiker meinen jedoch, der Konzern CVS müsse konsequenterweise auch andere gesundheitsschädliche Produkte aus den Regalen nehmen – zum Beispiel stark gezuckerte Limonaden, Kartoffelchips und andere Junkfood-Produkte, die ebenfalls mit Herz-Kreislauf-Krankheiten in Verbindung gebracht werden. „Wenn CVS tatsächlich die Gesundheit fördern will, sollte der Konzern den Verkauf von gesunden Snacks steigern und den von gezuckerten Nahrungsmitteln und Getränken stoppen“, schrieb die Ernährungswissenschaftlerin Marion Nestle in einem Meinungsbeitrag in der „New York Times“. Weitere Stimmen plädierten für die Verbannung von Giftstoffen in Kosmetika und den Stopp des Verkaufs von Energydrinks an Kinder. In Internetforen ging die Frage um, ob manche der rezeptpflichtigen Medikamente, die in den Apotheken der Drogerieketten verkauft werden, nicht genauso schädlich seien wie Tabak.

          Manch ein CVS-Kunde fühlt sich angesichts der Diskussion sogar an einen Science-Fiction-Klassiker erinnert, der eine Zukunft mit absurden Gesundheitsgesetzen imaginiert. „Ich warte bloß drauf, dass sie den Verkauf von Salz verbieten wie in ,Demolition Man‘, weil das doch auch so ungesund ist“, sagt Gwen Carlisle, eine Raucherin und „Noch-CVS-Kundin“ in Los Angeles. Andere Kunden dagegen sind angetan: „Allein aus diesem Grund werde ich CVS anderen Drogeriemärkten vorziehen“, meint eine Kundin.

          Ausbau des medizinischen Angebots

          Zwei Milliarden Dollar könnte der Tabakstopp den Konzern kosten, dessen Umsatz bei 126 Milliarden Dollar liegt. Die Maßnahme wird weithin als clevere PR-Strategie gewertet. Denn die Drogeriekonzerne positionieren sich zunehmend als Mini-Kliniken, in denen die Kunden auch medizinische Dienste in Anspruch nehmen können. Im Rahmen von Präsident Obamas Gesundheitsreform (die stufenweise eine allgemeine Versicherungspflicht und bezahlbare Krankenversicherungsangebote einführen soll) könnte die künftige Zielgruppe der Drogeriemärkte zusätzlich 50 Millionen bisher unversicherter Amerikaner umfassen. Und der herrschende Ärztemangel dürfte viele von ihnen CVS, Walgreens und Rite-Aid in die Arme treiben.

          Besonders Walgreens ist beim Ausbau seines medizinischen Angebots nach vorn geprescht – in den Apotheken der mehr als 8.600 Geschäfte im Land kann man sich unter anderem gegen Tetanus, Grippe und HPV impfen lassen, ärztliches Personal behandelt kleine Verletzungen und Hautkrankheiten und berät bei der Behandlung chronischer Leiden wie Bronchitis, Osteoporose oder Schilddrüsenkrankheiten – das mahnen viele jetzt an. Schon einmal, 2008, stand der Konzern in der Diskussion um den Tabakverkauf, als er in San Francisco erfolglos gegen eine Stadtverordnung klagte, die den Vertrieb von Tabakprodukten in Geschäften mit angeschlossenen Apotheken untersagte.

          Seit der Ankündigung des Tabakverkaufsstopps durch CVS hat Walgreens eine Online-Kampagne zum Nikotinentzug gestartet. Wer nicht mit dem Rauchen aufhören möchte, kann seine Zigaretten aber vorerst weiterhin in den Walgreens-Geschäften kaufen.

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