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Gefahren von Smartphones : „Es ist wie bei einer Sucht“

Wie meinen Sie das?

Kinder wachsen heute in einer Welt auf, in der soziale und digitale Medien vierundzwanzig Stunden am Tag verfügbar sind. Wenn sie erwachsen sind, können sie sich nicht mehr vorstellen, dass es auch nur eine Stunde ohne geht. Heute schon ist ja nur gut, was im Internet dokumentiert ist. Der Nachmittag im Freibad war nur ein Erlebnis, wenn es davon Bilder auf Facebook gibt. Das ist die Perspektive. Nicht nur Kinder, auch Erwachsene müssen lernen, digitale Diät zu machen.

Das bedeutet?

Das Handy weglegen, ohne Unterbrechung auf eine Sache konzentrieren und merken, dass die Welt dadurch nicht zusammenbricht, wir noch leben und unsere Freunde uns noch mögen. Das ist eine Art Expositionstherapie.

Kann es nicht sein, dass Erwachsene der Entwicklung heute hilflos gegenüberstehen und ausgebrannt sind, weil sie sich von der analogen in die digitale Welt umorientieren müssen, Kinder diese Probleme später aber gar nicht haben?

Smartphones sind erst der Anfang. Unsere Gesellschaft wird in Zukunft durch den digitalen Wandel etwa alle fünf Jahre dramatisch umgekrempelt werden. Der Kampf um unsere Aufmerksamkeit wird sich noch verschärfen, davon bleiben die sogenannten Digital Natives nicht verschont. Ein heute Zehnjähriger wird - bis er siebzig Jahre ist - etwa zwölf digitale Revolutionen miterleben. Auch er wird von dieser Schnelligkeit überrollt werden. Dazu kommt, dass immer mehr Arbeitsplätze durch Computer ersetzt werden. Wir stehen vor enormen sozialen Herausforderungen.

Wie bekommen wir die in den Griff?

Wenn uns jetzt die Auswirkungen auf die Psyche bewusstwerden, dann können wir das in den kommenden Jahren in den Griff bekommen. Wir lernen ja ständig dazu, wo es weh tut. Wir können Diäten und Etiketten entwickeln, die uns helfen, einen nachhaltigen Umgang mit Geräten zu pflegen. Wir können Maschinen und Software bauen, die uns unterstützen, Pausen einzuhalten.

Es gibt also Hoffnung?

Was die gesundheitlichen Fragen angeht, bin ich optimistisch. Wie wir die großen sozialen Verschiebungen meistern wollen, darauf habe ich noch keine Antwort. Aber wir dürfen keine Angst davor haben, ganz im Gegenteil: Als deutsche Gesellschaft müssen wir uns einmischen, damit wir den Anschluss nicht verlieren. Was wir jetzt meistern, können wir auf die digitalen Veränderungen, die uns noch bevorstehen, anwenden. Es ist wie eine zweite Industrialisierung. Aus der ersten haben wir schon viel gelernt. Ihr haben wir zu verdanken, dass wir all die Fragen zur Gesundheit und Arbeitswelt jetzt überhaupt stellen. Wir müssen lernen, mit dem ständigen Wandel umzugehen. Das lernen wir, indem wir erst einmal den Umgang mit den Smartphones meistern.

Wenige Minuten nachdem Markowetz die Redaktion verlassen hat, rufen die Kollegen vom Empfang an. Herr Markowetz sei wieder da und suche sein Handy, ob er es in der Redaktion liegengelassen habe? Tatsächlich, es scheint aus der Tasche auf den Boden gefallen zu sein. Markowetz wirkt erleichtert, als wir ihm das Handy übergeben. Und wir können das gerade Gelernte gleich am lebenden Beispiel beobachten: Das Dopamin hat offensichtlich dafür gesorgt, dass Markowetz gleich nach Verlassen der Redaktion neugierig auf sein Handy schauen wollte. Glücksgefühle blieben diesmal wohl aus, viel mehr sorgte das Adrenalin für einen Schreckmoment und ließ ihn direkt umkehren. Auf die Frage, ob er dies als erste Anzeichen für einen digitalen Burnout bei sich wertet, lacht Markowetz.

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