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Fälle auch in Deutschland : Belgien schickt Affenpocken-Infizierte 21 Tage in Isolation

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Eine Frau arbeitet im Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München. Bild: Martin Bühler/Bundeswehr/dpa

Die belgischen Gesundheitsämter reagieren mit einer Isolationsanordnung auf die Ausbreitung der Affenpocken. Und auch Deutschland rechnet mit weiteren Fällen – hat offenbar aber ausreichend Pockenimpfstoff eingelagert.

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          Wer sich mit dem Affenpockenvirus infiziert hat, muss sich in Belgien künftig 21 Tage lang selbst isolieren. Das haben belgischen Gesundheitsämter am Freitag beschlossen, um eine Ausbreitung der Erkrankung einzudämmen, berichtet das belgische Nachrichtenmagazin „The Brussel Times“. Die Inkubationszeit soll zwischen fünf Tagen und drei Wochen andauern.

          Das deutsche Bundesgesundheitsministerium erwartet indes zunehmende Affenpocken-Fälle. „Aufgrund der vielfältigen Kontakte der derzeit Infizierten ist in Europa und auch in Deutschland mit weiteren Erkrankungen zu rechnen“, heißt es in einem Bericht für den Gesundheitsausschuss des Bundestages.

          Mit Stand von Sonntagnachmittag gebe es inzwischen vier bestätigte Infektions- und Erkrankungsfälle in Deutschland – einen in München und drei in Berlin. Proben weiterer Personen seien in Abklärung. Kontaktpersonen würden ermittelt.

          „Es handelt sich inzwischen um ein Geschehen mit internationaler Verbreitung“, heißt es in dem Ministeriumsbericht weiter, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. In zahlreichen Ländern seien mehr als 130 bestätigte Fälle und Verdachtsfälle nachgewiesen, „Tendenz täglich steigend“. Bisher sei bei den in Europa festgestellten Infektionen die westafrikanische Affenpocken-Variante nachgewiesen worden, weitere Genomanalysen liefen jedoch noch.

          Um mögliche Erkrankungen zu registrieren und die Weiterverbreitung zu verhindern, sollten diagnostizierte Infektionsfälle systematisch erfasst und isoliert werden. Diese sollten von Ärztinnen, Ärzten und Laboren gemäß dem Infektionsschutzgesetz gemeldet werden.

          Auch Argentiniens Gesundheitsministerium meldet einen ersten Verdachtsfall in der Hauptstadt Buenos Aires. In Lateinamerika waren bislang keine Fälle registriert worden. Es ist das erste Mal, dass Infektionsketten außerhalb afrikanischer Länder auftreten.

          Meist nur milde Symptome wie Fieber

          „Eine Pockenimpfung schützt vermutlich auch vor Affenpocken“, erläutert das Bundesgesundheitsministerium. In der Bundesrepublik sei sie bis 1975 für Einjährige Pflicht gewesen, in der DDR sei eine Impfpflicht 1982 aufgehoben worden. Die Bundesregierung hat laut dem Bericht etwa 100 Millionen Dosen Pockenimpfstoff eingelagert. Davon seien zwei Millionen Dosen an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gespendet und für sie eingelagert worden. Inwieweit eine Pockenimpfung für Kontaktpersonen und Risikogruppen empfohlen werde, sei noch Gegenstand der fachlichen Abklärung.

          Das Ministerium verweist auf die bereits veröffentlichte Risikoeinschätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI), wonach eine Gefährdung für die Gesundheit der breiten Bevölkerung in Deutschland nach derzeitigen Erkenntnissen als gering eingeschätzt wird.

          Das Virus verursacht nach Angaben von Gesundheitsbehörden meist nur milde Symptome wie Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen und Hautausschlag. Affenpocken können aber auch schwere Verläufe nach sich ziehen, in Einzelfällen sind tödliche Erkrankungen möglich.

          Keine Verbreitung über Atemwege nachgewiesen

          Laut RKI verbreitet sich das Virus üblicherweise bei Nagetieren und überträgt sich von dort auf den Menschen. Infektionen von Mensch seien am ehesten bei engem Körperkontakt oder durch sogenannte Schmierinfektionen möglich, also bei Kontakt zu kontaminierten Materialien.

          Die WHO erarbeitet Leitlinien zur Eindämmung der Ausbreitung. Es werde befürchtet, dass die Zahl der Fälle in den Sommermonaten weiter ansteigen könnte, sagte der Chef-WHO-Berater für Infektionsgefahren, David Heymann, der Agentur Reuters. Der Ausbruch der Affenpocken sei aber nicht mit den Anfängen der Coronavirus-Pandemie vergleichbar, da die Krankheit nicht so leicht übertragbar sei.

          Das argentinische Gesundheitsministerium meldet einen ersten Verdachtsfall der eigentlich auf afrikanische Länder beschränkten Affenpocken-Infektionen in der Hauptstadt Buenos Aires. Die Symptome würden mit denen bei Affenpocken übereinstimmen, teilte das Ministerium am Sonntag mit. Der Patient sei kürzlich aus Spanien zurückgekehrt, er sei in stabilem Zustand und befände sich bis zur Auswertung weiterer Tests in Isolation.

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