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Gefährliche Bakterien : Gestorben an einer Schürfwunde

In einem Labor der Uniklinik Jena wird eine Blutprobe für den Gerinnungstest vorbereitet. Bild: dpa

75.000 Menschen sterben jedes Jahr an einer Sepsis. Allein in Deutschland betrug im Jahr 2015 die Sterberate bei dieser schweren Komplikation im Krankenhaus 41 Prozent. Dagegen fordern Ärzte eine nationale Strategie.

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          Als die Eltern von Rory Staunton ihren Sohn an einem Donnerstag im März 2012 in New York mit 40 Grad Fieber und Schmerzen zur Kinderärztin brachten, kämpfte der Junge schon um sein Leben. Ein Magen-Darm-Virus, vermutete die Ärztin, das gehe gerade um in New York, „kein Grund zur Sorge“. Sie schickte den Zwölfjährigen in die Notaufnahme eines Krankenhauses, weil er dehydriert sei. Einen Magen-Darm-Virus diagnostizierten auch die Ärzte im Krankenhaus. Rory erhielt intravenös Flüssigkeit und wurde nach Hause geschickt. Am Freitagmorgen klagte er immer noch über Schmerzen und Fieber. Am Abend brachten die Eltern ihn wieder in die Notaufnahme. Diesmal kam er sofort auf die Intensivstation. Den Kampf um sein Leben verlor er am Sonntagabend.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Rory Staunton war ein gesunder, sportlicher, fröhlicher Junge mit Sommersprossen und Wuschelkopf. Zum Verhängnis wurde ihm eine Sepsis wegen einer kleinen Schürfwunde am Arm. Einen Tag vor dem ersten Arztbesuch war er in der Schule im Sportunterricht gestürzt. Der Lehrer hatte die Wunde nicht desinfiziert, sondern nur Pflaster draufgeklebt. In der Nacht dann kam das Fieber, eine verzweifelte Abwehrreaktion des Körpers gegen den Ansturm der Bakterien, die über die Wunde am Arm ihren zerstörerischen Weg durch seinen Körper begonnen hatten. Hätten die Ärzte eine Sepsis zumindest in Betracht gezogen und ihm sofort Antibiotika verabreicht – Rory Staunton würde vielleicht noch leben.

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