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Achtlinge in Kalifornien : Eine „riesige Familie“ mit Problemen hoch acht

  • -Aktualisiert am

Die Mutter der Achtlinge, Nadya Suleman (links), im Gespräch mit der Fernsehmoderatorin Ann Curry Bild: AP

Nadya Suleman sagte in ihrem ersten Interview, dass sie jahrelang vergeblich versucht hatte, schwanger zu werden. Sie hatte drei Fehlgeburten, bevor sie 2001 nach einer künstlichen Befruchtung ihr erstes Kind bekam.

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          Den Kindern, die vermutlich noch für mehrere Wochen im Brutkasten liegen müssen, geht es gut. Alle können mittlerweile selbständig atmen. Gefüttert werden sie mit einer Nährlösung und gespendeter Muttermilch. Aber die großzügigen Geschenke, mit denen Hersteller von Windeln und Babyausstatter üblicherweise auf spektakuläre Mehrlingsgeburten reagieren, sind bislang ausgeblieben - obwohl die Familie Hilfe durchaus gebrauchen könnte.

          Vielen potentiellen Spendern ist das Mutterglück von Nadya Suleman nicht geheuer. War es ein wunderbarer Kindersegen? Oder ein Amoklauf der Reproduktionsindustrie? Die Geburt der Achtlinge in Kalifornien hat in den Vereinigten Staaten eine Debatte entfacht. Es hagelt Vorwürfe gegen die - unbekannten - Ärzte, die Nadya Suleman zur Erfüllung ihres Kinderwunsches verholfen haben. Auch die 33 Jahre alte alleinerziehende Mutter, die schon sechs Kinder im Alter von zwei bis sieben Jahren hat, wird als verantwortungslos gescholten.

          Künstliche Befruchtung

          Zugleich gibt es jedoch auch Stimmen wie die des früheren Richters und konservativen Fernsehkommentators Andrew Napolitano, der Nadya Suleman dafür lobt, dass sie die Kinder zur Welt gebracht habe: „Leben ist mehr wert als Nichtleben.“ Für Arthur Caplan von der University of Pennsylvania ist die Geburt der „Suleman Babies A bis H“, wie die zwei Mädchen und sechs Jungen zum Schutz ihrer Privatsphäre vom Krankenhaus genannt werden, dagegen Folge verwerflicher Fehlentscheidungen. Allein dass Nadya Suleman als Kandidatin für eine künstliche Befruchtung akzeptiert worden sei, hält der Professor für Bioethik für „riesiges ethisches Versagen“.

          In der Kritik: Ärzte des Bellflower Medical Centers Kalifornien

          Die Mutter sagte am Donnerstag in ihrem ersten Fernsehinterview, sie habe immer davon geträumt, eine „riesige Familie“ zu haben. Nadya Suleman, die keine Geschwister hat, führte diesen Wunsch auf ihre „gestörte Kindheit“ zurück, in der Bindungen und Zuneigung gefehlt hätten. Sieben Jahre lang habe sie versucht, mit Hilfe von Hormonpräparaten und Samenspende schwanger zu werden. Als sie dann zu künstlicher Befruchtung übergegangen sei, habe es beim ersten Mal geklappt. „Und dann habe ich einfach weitergemacht“, sagte sie nach vorab veröffentlichten Auszügen aus dem Interview, das am Montag ausgestrahlt werden soll. Das Bild von der vierzehnfachen Mutter ist vage und widersprüchlich zugleich. Eine Gynäkologin des Krankenhauses in Bellflower bei Los Angeles, wo die acht Säuglinge am 26. Januar in der 30. Woche durch Kaiserschnitt zur Welt kamen, lobte Nadya Suleman als „sehr mutige und starke Frau“. Nadya sei eine ausgeglichene, kluge und humorvolle Frau, versicherte die Medienfachfrau Joann Killeen.

          „Das Ganze war ein schwerer Fehler.“

          Kritisch und besorgt äußerte sich dagegen Angela Suleman über ihre Tochter, die bislang mit ihren sechs Kindern bei der Mutter lebte. Von klein auf sei Nadya „besessen“ gewesen von dem Gedanken, viele Kinder zu bekommen, so sehr, dass Angela Suleman sich deswegen an einen Psychologen wandte. Schwanger sei Nadya dann durch künstliche Befruchtung geworden, berichtete ihre Mutter in Interviews. Den Samen habe ein Verehrer zur Verfügung gestellt. Damals war Nadya Suleman noch verheiratet, aber die Ehe, die im Januar geschieden wurde, bestand offenbar nur noch auf dem Papier. Die teuren Schwangerschaftsbehandlungen hat die psychiatrische Assistentin nach Berichten mit Geld bestritten, das ihr nach einem Arbeitsunfall gezahlt wurde.

          Für die Schwangerschaft, die zur Geburt der Achtlinge führte, wurden Nadya Suleman nach Darstellung ihrer Mutter Embryonen eingepflanzt, die bei vorherigen Behandlungen übriggeblieben und eingefroren worden waren. Anders als in Deutschland gibt es in Amerika kein Gesetz, das vorschreibt, wie viele Embryonen einer Frau übertragen werden dürfen. Nach den Richtlinien der Vereinigung für Reproduktive Medizin (ASRM) sollten es bei Frauen in Nadya Sulemans Alter höchstens zwei sein, mehr nur unter außergewöhnlichen Umständen. In dem Interview sagte Suleman aber, ihr seien bei der Behandlung sechs Embryonen eingesetzt worden. Zuvor war darüber spekuliert worden, ob ihr acht Embryonen implantiert wurden oder ob acht Kinder heranwuchsen, weil sich die eingepflanzten Embryonen geteilt oder gedrittelt hatten. Eleanor Nicoll, eine ASRM-Sprecherin, hatte die Haltung ihrer Vereinigung so zusammengefasst: „Wie immer es geschah: Das Ganze war ein schwerer Fehler.“

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