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50 Jahre Anti-Baby-Pille : Immer gut verhütet

Ein erster entscheidender Schritt auf dem Weg zur Pille war die Entdeckung der Sexualhormone Ende des 19. Jahrhunderts Bild: dpa

Vor 50 Jahren kam die erste Antibabypille auf den Markt. Damit erfüllte sich sukzessive Freuds Traum, Geschlechtstrieb und Fortpflanzung voneinander zu trennen. Seither sind Frauen Männern fast gleichgestellt.

          Am Anfang waren zwei Frauen: Katharine McCormick hatte sich einen Namen als Suffragette gemacht, die bereits 1909 für die Rechte ihrer unterdrückten Leidensgenossinnen auf die Straße gegangen war. Später wurde sie zu einer Philanthropin. Sie hatte jung reich geheiratet und wollte ihr Geld im Alter zum Wohle des weiblichen Teils der Bevölkerung einsetzen. Margaret Sanger wiederum, von Beruf Krankenschwester, hatte Anfang des vorigen Jahrhunderts begonnen, sich für Geburtenkontrolle zu interessieren. Ein Antrieb war vermutlich ihre Mutter: Die gläubige Katholikin war 18 Mal schwanger gewesen, nur elf ihrer Kinder überlebten. Sie starb 1896, gerade 48 Jahre alt, an Tuberkulose und Gebärmutterhalskrebs.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die beiden schon eher betagten Frauenrechtlerinnen McCormick und Sanger trafen 1951 auf einer Party in New York auf den Wissenschaftler Gregory Pincus, der sich unter anderem mit künstlicher Befruchtung einen Namen gemacht hatte. Ihn fragte Margaret Sanger unverblümt, was es wohl kosten würde, eine sichere Empfängnisverhütung für Frauen zu entwickeln. Pincus soll gestutzt haben, bevor er antwortete: 125 000 Dollar würden wohl zunächst genügen. Neun Jahre später hatte Katharine McCormick rund zwei Millionen Dollar aus ihrem Vermögen für die Entwicklung der ersten Antibabypille ausgegeben. Am 23. Juni 1960 kam sie in Amerika unter dem Namen Enovid auf den Markt.

          Erfüllung eines Menschheitstraums

          Damit erfüllte sich ein Menschheitstraum – von Frauen wie Männern gleichermaßen. Schon Sigmund Freud hatte erkannt, dass es die größte Befreiung des Menschen wäre, wenn es gelänge, Geschlechtstrieb und Fortpflanzung voneinander zu trennen. Naturgewollt im Leben einer Frau sind durchschnittlich 15 Schwangerschaften. Doch selbst wenn eine Frau in früheren Zeiten so viele Kinder zur Welt gebracht hatte, überlebten fast nie mehr als sieben bis zehn. Hungersnöte, Krankheiten, aber auch ganz private Gründe hatten dazu geführt, dass seit Jahrtausenden mehr oder meist doch weniger erfolgreich Empfängnisverhütung betrieben wurde.

          Am 23. Juni 1960 kam die Anti-Baby-Pille in Amerika unter dem Namen Enovid auf den Markt

          Ein erster entscheidender Schritt auf dem Weg zur Pille war letztlich die Entdeckung der Sexualhormone Ende des 19. Jahrhunderts und wenig später die Erkenntnis, dass man mit ihnen das Heranreifen weiterer Eizellen wie bei einer Schwangerschaft blockieren kann. 1938 wurde dann erstmals das Hormon Östrogen künstlich hergestellt.

          Das beliebteste Verhütungsmittel

          Noch ehe die Pille überhaupt offiziell eingeführt war, nahmen sie in der Studienphase schon eine halbe Million Frauen ein, bis 1964 waren es dann vier Millionen. Fünfzig Jahre nach ihrer Markteinführung haben sich mindestens 200 Millionen Frauen das Hormonpräparat verschreiben lassen, weitere 200 Millionen auf der ganzen Welt wünschen sich einen Zugang zu dem Verhütungsmittel, wie die amerikanische Organisation „Women Deliver“ mit Sitz in New York schreibt. Würde man ihnen den Zugang zur Pille ermöglichen, so gäbe es jedes Jahr 50 Millionen ungewollte Schwangerschaften weniger, was mindestens 150 000 Frauen das Leben retten würde.

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