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2700 Fälle im Jahr 2017 : Zahl der HIV-Neuinfektionen leicht gesunken

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Zürich: Beladung eines Analysegerätes mit den Patientenproben während der Durchführung eines HIV-Suchtests. Bild: dpa

Insgesamt lebten Ende 2017 rund 86.100 Menschen mit HIV in Deutschland. Besonders bei einer Gruppe sank die Zahl der Neuinfektionen deutlich. Tausende Menschen wissen laut einer Schätzung nicht, dass sie infiziert sind.

          Die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland ist leicht gesunken. 2017 infizierten sich etwa 2.700 Menschen neu, das waren 200 weniger als im Jahr davor, wie das Bundesgesundheitsministerium und das Robert Koch-Institut am Donnerstag in Berlin mitteilten. Am 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag.

          Bei Männern, die Sex mit Männern haben, ist die Zahl der geschätzten Neuinfektionen demnach deutlich zurückgegangen: von 2.300 im Jahr 2013 auf 1.700 im vergangenen Jahr. Insgesamt lebten laut Ministerium Ende 2017 geschätzt 86.100 Menschen mit HIV in Deutschland. Rund 450 Menschen starben 2017 mit oder an HIV.

          „Dank der erfolgreichen Präventionsarbeit und der guten Behandlungsmöglichkeiten gehört Deutschland bereits zu den Ländern mit den niedrigsten HIV-Neuinfektionsraten in Europa“, erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Aber der Kampf gegen HIV und Aids sei noch nicht vorbei.

          „Deswegen haben wir den Verkauf von HIV-Selbsttests freigegeben“, erklärte der Minister. Auch seien die Krankenkassen verpflichtet worden, den medikamentösen Schutz gegen eine Infektion für Menschen mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko zu übernehmen.

          Eine gestiegene Testbereitschaft

          Die größte Betroffenengruppe sind den Angaben zufolge homosexuelle Männer. Unter den 86.100 Menschen mit HIV seien rund 53.000 Männer, die Sex mit Männern haben. Dazu kämen etwa 11.000 Heterosexuelle und etwa 8.100 intravenös spritzende Drogenkonsumenten. Bei den beiden letzten Gruppen scheine die Zahl der Neuinfektionen „auf niedrigem Niveau“ etwas anzusteigen.

          „In Deutschland gibt es geschätzt 11.400 Menschen mit HIV, die nicht wissen, dass sie infiziert sind“, betonte der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar H. Wieler. „Freiwillige Selbsttests und niedrigschwellige Testangebote, auch für Menschen ohne Krankenversicherung, sind daher wichtig, damit Menschen mit HIV-Infektion behandelt werden können.“

          Wieler erklärte, dass eine frühe Behandlung nach der Diagnose, der Ausbau „zielgruppenspezifischer Testangebote“ sowie eine gestiegene Testbereitschaft von Betroffenen „wesentliche“ Gründe für die sinkende Zahl der Neuinfektionen seien.

          Etwa ein Drittel aller Menschen hat den Angaben zufolge bei der HIV-Diagnose schon ein sehr geschwächtes Immunsystem - und knapp die Hälfte davon eine Aids-Erkrankung. Das könne zu Komplikationen bei der Behandlung, langfristigen gesundheitlichen Beeinträchtigungen und sinkender Lebenserwartung führen.

          Laut Deutscher Aids-Hilfe verfehlt Deutschland wegen der Zahl nicht diagnostizierter HIV-Infektionen die Etappenziele der UN für 2020. „Wir können mehr erreichen, als die Vereinten Nationen vorgeben, und das sogar schneller. Die erfolgreiche Prävention und das leistungsfähige Gesundheitssystem in Deutschland bilden ideale Voraussetzungen“, betonte Sven Warminsky vom Vorstand. Es müsse deutlich werden, dass ein Leben mit HIV ohne Stigmatisierung und Benachteiligung möglich sei.

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