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Gestrandet in New York : Die lange Heimfahrt

Nichts ging mehr Bild: AP

Der Schneesturm an der amerikanischen Ostküste ist vorbei, aber das Reisechaos geht weiter. Aus geplanten viereinhalb werden mehr als fünfzehn Stunden Reisezeit. Dabei hatte unser Autor noch Glück. Ein Erfahrungsbericht.

          Es soll nur ein kleiner Kurzurlaub über die Weihnachtsfeiertage werden. Ein paar Tage in die Idylle des nördlichen Michigan an den Großen Seen, raus aus der Hektik in New York. Die Anreise nach Marquette mit Umsteigen in Chicago klappt im Prinzip noch wie am Schnürchen, wenn auch nicht ohne die beunruhigende Erkenntnis, wie wenig Spielraum für Störfälle es heutzutage bei Fluglinien gibt. Beide Flüge sind klar überbucht. Das ist kein Phänomen zur Hauptreisezeit an Weihnachten, sondern gehört in Amerika immer mehr zum Alltag, weil die Fluggesellschaften rezessionsbedingt drastisch Kapazitäten gestrichen haben.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Also suchen die Angestellten von American Airlines am Flugsteig nach Freiwilligen, die auf einen späteren Flug wechseln. Sie bieten erst einen Reisegutschein für 300 Dollar an, stocken dann auf 500 Dollar auf, plus Hotelübernachtung. Aber es finden sich an diesem Tag vor Heilig Abend nicht genug Abnehmer, und beim Flug von Chicago nach Marquette werden zwei Passagiere zwangsumgebucht. Es trifft ein entsetztes Paar in mittlerem Alter, die beiden beschimpfen die Angestellten am Schalter, aber es hilft nichts. Was für ein Gefühl der Erleichterung, nicht zu diesen Pechvögeln zu gehören und an Bord zu dürfen.

          Mit dem Reiseglück ist es freilich vorbei, als am Wochenende ein Schneesturm über die Ostküste hinwegfegt. Der geplante Rückflug am Montag fällt aus. Alle drei New Yorker Flughäfen haben den Betrieb am Sonntag eingestellt, und als es am späten Montag langsam wieder losgeht, wird klar, was für eine Mammutaufgabe es ist, für die Passagiere der gestrichenen Flüge Plätze in den ohnehin schon ausgebuchten Maschinen in den nächsten Tagen zu finden.

          Gepäck-Chaos am John F. Kennedy Airport in New York

          Eine Stunde und fünfzig Minuten in der Warteschleife

          Entsprechend ernüchternd gestaltet sich der Anruf bei American Airlines, um sich einen neuen Rückflug geben zu lassen. Nach einer Stunde und fünfzig Minuten in der Warteschleife der völlig überlasteten Hotline meldet sich eine Mitarbeiterin mit wenig tröstlichen Nachrichten: „Die nächste Reisemöglichkeit nach New York wäre am 31. Dezember“- vier Tage später als geplant also. Nun beginnt die verzweifelte Suche nach Alternativen, um nicht bis Silvester warten zu müssen und vielleicht vorher wenigstens in die Nähe von New York zu kommen und dann mit anderen Transportmitteln ans Ziel zu gelangen. Am Ende findet sich ein Ticket nach Washington für den 29. Dezember. Von dort aus muss es eben mit dem Zug weitergehen. Eine dreieinhalbstündige Fahrt, die noch einmal 147 Dollar extra kostet.

          Die Zugfahrkarte wird reserviert, aber es bleibt die Resthoffnung, dass sich beim Umsteigen in Chicago doch noch irgendetwas etwas machen lässt und ein Platz in einer Maschine nach New York aufzutreiben ist. Die Hoffnung zerschlägt sich sehr schnell: Die Maschinen nach New York fliegen zwar am Mittwoch wieder plangemäß, aber sie sind alle überbucht und haben Dutzende von Menschen auf Stand-By. Also geht es nach Washington und von da an mit dem Amtrak-Zug nach New York.

          Statt viereinhalb Stunden so wie ursprünglich geplant dauert die Rückreise nun fast fünfzehn Stunden. Vom Bahnhof Penn Station geht es mit der U-Bahn nach Hause. Die Straßen im Stadtteil Brooklyn sind mittlerweile geräumt, an den Seiten sind noch immer gewaltige Schneeberge. Was für eine Freude es doch ist, an diesem Mittwoch abend die Schneemassen aus dem Fenster der eigenen Wohnung sehen zu können. Die Schneeverwehungen auf dem Balkon sind dreißig Zentimeter hoch, von den Pflanzen sind nur die Spitzen zu sehen. Viele andere New Yorker warten zu diesem Zeitpunkt noch immer auf ihre Rückreise. Auf Facebook finden sich etliche Statusmeldungen von Freunden und Bekannten, deren zwangsverlängerter Weihnachtsurlaub noch andauert. Einer von ihnen schreibt: „Sitze in Cleveland fest und kann erst am 1. Januar wieder zurück.“

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