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Geständnis im Mordfall Tobias : „Dann kam mir halt die blöde Idee“

  • Aktualisiert am

Der Angeklagte bei Prozessbeginn im Landgericht in Stuttgart Bild: dpa

Im Jahr 2000 wurde der elfjährige Tobias grausam ermordet. Nun steht der mutmaßliche Täter vor Gericht - und erschüttert mit seinem Geständnis Eltern und Zuhörer.

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          Mehr als elf Jahre nach dem gewaltsamen Tod des elfjährigen Tobias hat ein 48 Jahre alter Mann am Donnerstag vor Gericht ein umfangreiches Geständnis abgelegt. Zahlreiche Details brachte der Mann aus dem Kreis Esslingen zur Sprache - so grausam, dass nicht nur die Mutter des Opfers, sondern auch einige Zuhörer mehrfach in Tränen ausbrachen. Mutter, Vater und der ältere Bruder von Tobias treten im Prozess als Nebenkläger auf.

          Auf einer Fahrradtour habe er den Jungen am 30. Oktober 2000 am Weiher in Weil im Schönbuch (Kreis Böblingen) sitzen sehen, erzählte der Angeklagte. Zuvor hatte dem Gericht von seiner sexuellen Neigung berichtet, sich selbst am Geschlechtsteil zu verletzen. „Und dann kam mir halt die blöde Idee, mit dem kannst du das jetzt mal machen.“ Eine „Zufallstat“ sei es gewesen.

          Er bittet den Jungen um Hilfe beim Einstellen seiner Fahrradbremsen, das Kind folgt ihm. Als er hinter einem Schuppen sein Messer zeigt, schreit der Junge um Hilfe. Bei dem folgenden Gerangel
          sieht er seinem Opfer zum ersten Mal direkt in die Augen. „Ich habe in seinen Augen den Tod gesehen, die Todesangst halt.“ Dann setzt sein Verstand aus, erzählt der Angeklagte. Er erinnere sich nur noch an die Geräusche. Laut Anklage hat er 38 Mal auf den Jungen eingestochen und ihm dann ein Körperteil abgeschnitten. Tobias verblutet.

          Er selbst habe den Mord an dem Kind nie verdrängen können. „Das war all die Jahre meine Angst, dass ich es nochmal machen könnte.“ Deshalb habe er sich bewusst von Orten mit vielen Kindern
          ferngehalten. Als kurz nach der Tat ein 16 Jahre alter Verdächtiger verhört wurde, habe er kurz überlegt, eine Diskette mit Beweismitteln an die Polizei zu schicken, um den Teenager zu entlasten. Doch dann hörte er vom vermeintlichen „Täterwissen“ des Jugendlichen und habe sich dagegen entschieden.

          Mit der Zeit sei seine Neigung und auch seine Todessehnsucht immer extremer geworden. Auch an Selbstmord habe er gedacht. „Aber wenn ich jetzt hier sitze, bin ich froh, dass ich es nicht gemacht habe.“ Die Eltern von Tobas sollten wenigstens wissen, was passiert sei.

          Zunächst hatte der Anwalt des Angeklagten beantragt, die Öffentlichkeit auszuschließen - auch damit sein Mandant nicht als „abartiges Monster“ an den Pranger gestellte werde. Die Familie von Tobias dagegen sprach sich deutlich für die öffentliche Aussage aus. Die Kammer lehnte den Antrag der Verteidigung schließlich ab und begründete dies unter anderem mit dem berechtigten öffentlichen Interesse an der Aufklärung der schweren Tat. Erst durch einen Zufall waren Ermittler mehr als ein Jahrzehnt nach der Bluttat bei Recherchen zur Kinderpornografie auf den ledigen Bäcker gestoßen. Ein Abgleich seiner DNA mit Spuren vom Tatort verlief positiv. Bevor die Polizei ihn fasste, war die Hoffnung fast erloschen, den Täter noch zu finden. Der Verdacht gegen den Sechzehnjährigen hatte sich zerschlagen, weil der DNA-Vergleich negativ war.

          Staatsanwalt Albrecht Braun machte am Morgen deutlich, wie hilflos das elfjährige Opfer der Bluttat war: „Tobias hatte dem Angriff auf sein Leben nichts entgegenzusetzen.“

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