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Geschichte : Kurz und trocken: Das Ende der Maya

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Die Mayaruine „Chichen Itza” - zu deutsch: „Heiliger Brunnen” Bild: dpa

Die Maya besiedelten Mittelamerika bevor die Europäer kamen. Über ihren Untergang sind schon viele Theorien gesponnen, doch eine scheint nun endlich belegt zu werden.

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          Die klassische Maya-Kultur entwickelte sich in den ersten Jahrhunderten nach Christus in Mittelamerika. Archäologische Untersuchungen ergaben, dass zuvor blühende Mayastädte innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne im 8. und 9. Jahrhunderts aufgegeben wurden. Über die möglichen Ursachen - Klimaschwankungen, Auslaugung der Böden, soziale Unruhen, Bürgerkriege - wird seit Jahrzehnten diskutiert.

          Die wohl spektakulärste, wenn auch unwissenschaftlichste Theorie, lieferte der James Bond Bösewicht Sir Hugo Drax im Film „Moonraker“. Er machte eine sterilmachende Orchideenart für den Niedergang der Maya verantwortlich. Das Orchideengift wollte er zur Ausrottung der Menschheit einzusetzen. Wissenschaftler des Geoforschungszentrums Potsdam sind nun den wahren Gründen für das Aussterben der mittelamerikanischen Zivilisation näher gekommen.

          Trockenperioden waren schuld an Maya-Niedergang

          Die neuesten Forschungsergebnisse untermauern die These, dass die klassische Maya-Kultur an ausgedehnten Trockenperioden zu Grunde gegangen ist. Im 8. und 9. Jahrhundert hätten die Maya oftmals nicht mehr genügend Wasser für ihre gestiegene Bevölkerung speichern können, berichtet Gerald Haug vom Geoforschungszentrums Potsdam in der jüngsten Ausgabe des amerikanischen Journals „Science“. Haug und seine Koautoren stützen sich auf klimageologische Untersuchungen von Sedimenten unter dem Meeresboden des Cariaco-Beckens vor der Nordküste Venezuelas.

          Die Forscher untersuchten Ablagerungen auf ihren Titangehalt und zogen daraus Rückschlüsse auf Klimaänderungen. Sie stellten fest, dass in einer längeren Trockenperiode drei ausgeprägte mehrjährige Dürren um die Jahre 810, 860 und 910 herum auftraten. Der Lebensraum der Maya zeichnet sich durch regenreiche Sommer und trockene Winter aus. Laut Haug und seinen Mitautoren hatten sie verschiedene Systeme entwickelt, um Wasser zu speichern, waren aber darauf angewiesen, dass den trockenen Monaten jedes Jahr wieder eine ausgedehnte Regenzeit folgte. Da die Bevölkerung in der Zeit zwischen 550 und 750 unter günstigen Klimabedingungen stark gewachsen sei, habe die Mayagesellschaft die Dürren des neunten Jahrhunderts nicht verkraften können.

          Es bleibt zu hoffen, dass den heutigen Kulturen ein ähnliches Schicksal erspart bleibt. Eine James Bond Folge in der sich der charmante Agent für den Klimaschutz einsetzt, ist vorerst zumindest nicht zu erwarten.

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