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Gerichtsurteil : Tai Chi und Kung Fu sind keine Kunst

Positive Auswirkungen auf Körper und Seele wie hier an einem Märztag in Berlin: Nicht genug Kunst, entschied das Sozialgericht. Bild: dapd

Das Sozialgericht in Mainz hat darüber geurteilt, wieviel Kunst in chinesischer Kampfkunst steckt. Ein Trainer hatte gegen seine Rentenversicherung geklagt. Er verlor.

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          Selbständige Lehrer für Tai Chi und Kung Fu sind keine freischaffenden Künstler und deshalb rentenversicherungspflichtig. Das hat das Sozialgericht in Mainz nun entschieden und damit die Klage eines Trainers gegen die Rentenversicherung zurückgewiesen. Der Mann unterrichtet die aus der chinesischen Kampfkunst abgeleiteten Bewegungsübungen in Schulen und Sporthallen. Er argumentierte, er sei ein nicht versicherungspflichtiger Künstler, weil im Zentrum der von ihm gelehrten Übungen Formen ständen, die sich aus mehreren Bildern und Einzelbewegungen zusammensetzten, und die Darbietungen in Gruppen mit Ballettaufführungen vergleichbar seien.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Das Gericht sah es anders. Im Sozialrecht seien bei der Frage, was als Kunst zu bewerten sei, das Künstlersozialversicherungsgesetz, die allgemeine Verkehrsauffassung und historische Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Der vom Kläger erteilte Unterricht sei „nach seinem Gesamtbild“ eher dem Unterricht eines Fitness- und Gymnastiklehrers als der Tätigkeit eines Künstlers zuzuordnen. So seien diese Bewegungsformen beispielsweise in China eine Art Volkssport, dessen Ziel es sei, auf Körper und Seele der Menschen positive Auswirkungen zu erzielen. Künstlerische Elemente bei Tai-Chi- und Kung-Fu-Übungen seien ähnlich wie bei der rhythmischen Sportgymnastik nicht ausreichend, um von einer darstellenden Kunst zu sprechen. (Aktenzeichen S 1 R 340/09)

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