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Gerichtsurteil : Reise-Thrombose: Kein Schmerzensgeld von der Lufthansa

  • Aktualisiert am

Enge Sitzreihen: Ursache der Reise-Thrombose? Bild: dpa

Ein an der gefährlichen so genannten Reise-Thrombose erkrankter Mann wird nach einem Gerichtsurteil kein Schmerzensgeld von der Lufthansa erhalten.

          2 Min.

          Fluggäste können nach einer lebensgefährlichen Reise-Thrombose nicht auf Schmerzensgeld hoffen. Das Landgericht Frankfurt wies in einer am Dienstag veröffentlichten Entscheidung die Zivilklage eines Fluggastes gegen die Deutsche Lufthansa ab (Az.: 2-21 O 54/01).

          Der seinerzeit 54 Jahre alte Mann hatte sich nach eigenen Aussagen im vergangenen Jahr auf zwei Langstreckenflügen zwischen Frankfurt und dem südafrikanischen Kapstadt die im Extremfall tödlichen Blutgerinnsel („Touristenklasse-Syndrom“) in Beinen und Lunge zugezogen. Dafür machte er den Sitzabstand von nur 81 Zentimetern in der Economy-Klasse des Lufthansa-Jumbos verantwortlich.

          Mann hätte sich Bewegung verschaffen können

          Das Gericht fand hingegen, dass es an dem Mann selbst gewesen sei, sich die notwendige Bewegung während des Langstreckenfluges zu verschaffen. Die Lufthansa warne sogar per Video vor den Gefahren der Thrombose und rege zu
          speziellen Gymnastikprogrammen an. Die Richter verwiesen auf eine Studie, nach der die gefürchteten Thrombosen bei jeder sitzenden Tätigkeit auftreten könnten. Die Lufthansa habe mit ihrer Sitzanordnung daher keine gesteigerte Gefahr geschaffen und sei folglich nicht schadenersatzpflichtig.

          Dem Fluggast habe zudem freigestanden, sich einen teureren Platz in der Business Class zu buchen, wo der Sitzabstand 100 Zentimeter betrage. Über sein individuelles Thrombose-Risiko hätte er sich bei seinem Hausarzt vergewissern können. Allgemein bemerkten die Juristen, dass sich in Deutschland die Einstellung verfestigt habe, es gebe kein allgemeines Lebensrisiko mehr. Dies verkenne eine Vielzahl von Gefahren des modernen Lebens.

          Entscheidung noch nicht rechtskräftig

          Die Lufthansa begrüßte die Pilot-Entscheidung des Frankfurter Gerichts, die allerdings noch nicht rechtskräftig ist. Innerhalb eines Monats nach Zustellung des Urteils kann Berufung beim Oberlandesgericht Frankfurt eingelegt werden. Das Gericht habe klar die Lufthansa-Rechtsauffassung bestätigt, nach der eine Reise-Thrombose nicht nur auf Flugreisen, sondern bei jedem längeren Sitzen auftreten könne, erklärte eine Unternehmenssprecherin in Frankfurt. Das
          Gesundheitsrisiko sei nicht luftfahrt-spezifisch und daher auch nicht von der Lufthansa zu vertreten. Die Blutgerinnsel stellten nach wie vor ein individuelles Lebensrisiko für eine bestimmte, besonders gefährdete Passagiergruppe dar.

          Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) war im vergangenen März zu dem Ergebnis gekommen, dass Flugpassagiere „wahrscheinlich“ ein erhöhtes Thrombose-Risiko haben. Nach Angaben von Experten sind allerdings vor allem Passagiere betroffen, die auch andere Risiken aufweisen: zum Beispiel die Einnahme von Hormonen oder eine Neigung zu Blutgerinnseln, Fettleibigkeit und Krebs.

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