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Gerichtsmediziner Ed Winter : Der Arzt der toten Stars

  • -Aktualisiert am

Mehr als Fakten gibt es nicht: Ed Winter informiert 2009 über den Todesfall Brittany Murphy. Bild: AP

Der Gerichtsmediziner Ed Winter aus Los Angeles ist berühmt, weil viele Berühmte auf seinem Tisch lagen - zum Beispiel Brittany Murphey, Michael Jackson und Whitney Houston.

          Bei der Frage nach seinem kompliziertesten Fall zögert Ed Winter nicht lange. „Das war Michael Jackson, weil die Ermittlungsergebnisse monatelang versiegelt waren. Es sollte nichts zu früh an die Öffentlichkeit gelangen, schon gar nicht Fotos.“ Als der „King of Pop“ im Sommer 2009 tot in seiner Villa in Bel-Air gefunden wurde, lieferte sich der stellvertretende Ermittlungschef der Gerichtsmedizin des Bezirks Los Angeles bei der Suche nach der Todesursache einen bizarren Wettlauf mit den Medien. Immer wieder trat der Ermittler vor das Backsteingebäude an der North Mission Road und ließ aus den Spekulationen der Journalisten und Paparazzi mit Fakten die Luft raus.

          Mit seinen klaren Sätzen ist der 56 Jahre alte Gerichtsmediziner inzwischen Stammgast der Fernsehsender. Sobald Prominente wie Jackson, Brittany Murphy oder Whitney Houston unter ungeklärten Umständen sterben, sind die Kameras auf Winter gerichtet. Als der Ermittler am 11. Februar in das Beverly Hilton Hotel eilte, wo wenige Stunden zuvor Whitney Houstons lebloser Körper in der Badewanne entdeckt worden war, überraschten ihn die ersten Reporter schon in der Tiefgarage. Winter wurde mit Fragen zu der Todesursache, dem Grund für den Aufenthalt der Achtundvierzigjährigen in Beverly Hills und der anstehenden Obduktion bombardiert, bevor er auch nur einen Fuß in das Hotel gesetzt hatte.

          Selbst einfache Statements können zu Spekulationen führen

          Seit der Ermittler vor fast neun Jahren vom Polizeidienst zur Gerichtsmedizin wechselte, wehrt er Fragen mit dem Standardsatz ab, dass das Obduktionsergebnis in sechs bis acht Wochen veröffentlicht wird. „Die kalifornischen Gesetze sehen vor, dass wir Angaben zur Todesursache auf Anfrage bekanntgeben“, sagt Winter. „Dabei beschränken wir uns auf das Wesentliche, um keinen Anlass für Missverständnisse zu geben.“

          Bei „celebrity cases“ können aber selbst einfache Statements zu blumigsten Auslegungen führen. Als etwa ein Kollege nach der Durchsuchung von Houstons Hotelsuite ein paar Tablettenröhrchen erwähnte, waren sofort Spekulationen über Suizid oder gar Mord im Umlauf. „Ein Ergebnis haben wir erst, wenn alle Untersuchungen abgeschlossen sind“, sagte Winter dazu. Manchmal sind über die üblichen pathologischen, neurologischen und toxikologischen Untersuchungen hinaus Sonderermittlungen nötig. Als Fotos die Sängerin an ihrem letzten Abend scheinbar orientierungslos vor einer Bar zeigten, suchten die Gerichtsmediziner nach den vielen sie angeblich behandelnden Ärzten. Die Tatsache: „Sie war bei einem einzigen Arzt, nichts Ernstes.“

          Oft genügt schon die Nähe zu einem Prominenten, um in Los Angeles posthum selbst zur „Berühmtheit“ zu werden. Als ein Hausgast des Schauspielers Ving Rhames im August 2007 mit Bisswunden tot im Vorgarten einer Villa im Stadtteil Brentwood entdeckt wurde, brachten amerikanische Internetportale und Klatschmagazine in Umlauf, Rhames’ Bullmastiffs hätten seinen „Freund“ totgebissen. Fünf Monate später teilte Winter mit, Rhames’ Besucher James Adams sei an Herzversagen gestorben: „Die Hundebisse waren nicht tödlich.“

          Michael Jacksons Fall zeigt aber, dass die Spurensuche der Ermittler manchmal auch spektakulär werden kann. So öffneten Anfang August 2009 gleich mehrere Gerichtsmediziner auf dem Friedhof Forest Lawn Memorial Park bei Los Angeles noch einmal Jacksons gelben Sarg mit dem blauen Futter. Im Beisein von Jacksons Schwester La Toya wurden dem toten Sänger Haarproben entnommen. Als nach der toxikologischen Untersuchung das Narkosemittel Propofol entdeckt wurde, empfahl die Gerichtsmedizin der Staatsanwaltschaft, Jacksons Tod als Tötungsdelikt zu behandeln. Als Winter das Ergebnis im Februar vor der Presse bekanntgab, erhoben die Behörden noch am selben Tag Anklage gegen den früheren Hausarzt Jacksons, Conrad Murray.

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