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Ausstellung abgesagt : Bulgarien vs. Louvre

Touristenschlangen vor dem Louvre: Im Sommer werden die Besucher des Kunstmuseums nicht wie geplant bulgarische Kunst bestaunen können. Bild: dpa

Besucher des Pariser Louvre werden im Sommer keine Schau bulgarischer Kunst aus vergangenen Jahrhunderten zu sehen bekommen. Der Grund: Die bulgarische Orthodoxie will die Artefakte Pilgern vorbehalten.

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          Eine eigentlich für diesen Sommer geplante Ausstellung bulgarischer Kunst im Pariser Louvre wird nicht stattfinden. Die Schau mit dem Titel „Bulgarische Kunst zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert“ hätte eigentlich im Juni eröffnet werden und unter anderem Ikonen, Handschriften, Bücher sowie Schmuck zeigen sollen. Gescheitert ist das Vorhaben laut Berichten aus Sofia am Widerstand der bulgarischen orthodoxen Kirche sowie einzelner einflussreicher Kulturfunktionäre in Bulgarien.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Der Heilige Synod der bulgarischen Orthodoxie – eine Art Regierung der Kirche – hatte bereits Anfang Februar mitgeteilt, man werde keine Artefakte für die Ausstellung zur Verfügung stellen, da es sich bei den erwünschten Gegenständen, die zum Teil in Klöstern verwahrt werden, um Reliquien handele, die Pilgern vorbehalten bleiben sollten. Auf Missfallen stieß auch die Nachricht, im Louvre sei geplant, die Kunstwerke in einem der islamischen Kunst gewidmeten Raum zu zeigen, in dem Bestreben, Verbindungslinien zwischen islamischer und christlicher Kunst jener Zeit aufzuzeigen.

          Bulgarien war nach seiner Unterwerfung durch die Truppen des Sultans im Mittelalter über Jahrhunderte hinweg kein eigenständiger Staat mehr, sondern wie weite Teile des Balkans Teil des Osmanischen Reiches. Relikte der osmanischen Herrschaft haben sich auf dem gesamten Balkan nicht nur in sprachlicher, architektonischer und kulinarischer Form erhalten. In den nationalen Geschichtsschreibungen wird die vielhundertjährige osmanische Herrschaft in Südosteuropa jedoch weiterhin oft als ausschließlich rückständig und deren Ende durch die aufstrebenden Nationalbewegungen zu Beginn des 20.Jahrhunderts als „Befreiung vom türkischen Joch“ beschrieben.

          Emmanuil Mutafow, Direktor des Sofioter Instituts für Kunststudien, wurde dazu mit der Bemerkung zitiert, die Interpretation geschichtlicher Zusammenhänge durch den Louvre enthalte „Ungenauigkeiten“. Von einer „Wechselwirkung“ zwischen islamischer und christlicher Kunst in dem Zeitraum, den die Ausstellung abdecken wolle, könne kaum die Rede sein, sie sei allenfalls „marginal und rein dekorativ“.

          Aus dem bulgarischen Kulturministerium hieß es, man wolle dem Louvre andere Ausstellungen anbieten, so das Konzept „Urgeschichte – das Erscheinen und die Entwicklung der ersten europäischen Zivilisation“ oder „Das späte Mittelalter. Der Aufstieg des zweiten bulgarischen Königreichs“. Ob in Paris an bulgarischer Urgeschichte oder an Königreichen Interesse besteht, ist noch nicht bekannt.

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