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Geocaching : Jäger des vergrabenen Schatzes

Indiana Jones war gestern: Drei Geocacher beim Anpeilen in einem Frankfurter Park Bild: Felix Schmitt

Ein Hobby für Besserverdiener, Technikbegeisterte und Nerds: Geocacher versuchen mit teurer Ausrüstung Dosen zu finden, die im Wald oder in der Stadt versteckt sind. Sie verhalten sich dabei auffällig unauffällig.

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          Man erkennt sie schon von weitem, auch wenn sie nicht erkannt werden wollen. Vier Leute stehen in Frankfurt an der S-Bahn-Haltestelle Taunusanlage. Wanderkleidung, GPS-Geräte: Das müssen die Geocacher sein. Heute gehen sie wieder ihrem Hobby nach, einen wasserdichten Behälter zu finden, in dem ein Logbuch und kleine Gegenstände zum Tauschen liegen. Das Versteck des Behälters ist im Internet meist mit GPS-Koordinaten angegeben.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Tobias und seine Freundin Rebecca, besser bekannt als Accessburn und Littelchen, sind seit gut einem halben Jahr dabei. Schon mehr als 500 Caches haben sie gefunden. Verfolgen kann man die Statistik auf geocaching.com, einer Seite des Unternehmens Groundspeak. Auf der Internetseite findet man die Koordinaten, man kann mit anderen Nutzern kommunizieren und seine Fortschritte eintragen. Die Firma überwacht auch die Regeln mit Hilfe von „Reviewern“, die sämtliche Caches vor ihrer Freischaltung überprüfen.

          Waffen, rassistische und religiöse Inhalte sind verboten

          So darf für die Verstecke die Umwelt nicht beeinträchtigt werden, rassistische oder religiöse Inhalte dürfen nicht verbreitet werden, und Waffen sind auch verboten. Trotzdem ist die moderne Schatzsuche nicht überall beliebt. So beschwerte sich vor kurzem ein Jäger aus Grevesmühlen darüber, dass Geocacher durch Landschafts- und Naturschutzgebiete laufen und nachts das Wild aufschrecken. Dieser Klage schloss sich Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich an, als sie im März durch den Wald bei Rüdesheim stapfte. Sie mahnte die Cacher: „Haltet euch an die Regeln!“

          Bilderstrecke

          Fünf Millionen Cacher gibt es auf der Welt - die Wirtschaft hat den Schatz schon gehoben. Kleidung, Technik, Behältnisse, Lampen, Aufkleber: Alles kann man finden. Firmen wie Magellan und Garmin werben für ihre GPS-Geräte. Es gibt ein Geocaching-Magazin, das alle zwei Monate erscheint, Bücher von Manuel Andrack und Bernhard Hoëcker sowie Kriminalromane und Ratgeberliteratur.

          Allein in Frankfurt gebe es mehr als 1000 Cacher, sagt Tobias - und es hört sich fast an wie „Keschä“. Er betreibt die Seite gcffm.de, für Leute aus der Umgebung. Heute will die kleine Gruppe 17 Verstecke finden. Das erste ist nicht weit, es ist eine kleine Dose im Rohr einer Parkbank. Das Logbuch wird aus der Dose genommen, und die Namen werden reingeschrieben - dank dem „Loggen“ kann man nachverfolgen, wer wann welchen Cache gefunden hat. Auch im Internet wird es noch eingetragen. So kann man sehen, wer welche Schätze gehoben hat.

          Unauffälliges Verhalten einer auffälligen Gruppe

          In urbanen Räumen gibt es viele Verstecke. Sei es in Parkbänken, mit einem Magneten an Taxirufsäulen, an der Unterseite von Kaugummiautomaten oder an Regenrinnen. Das Versteck sollte so sicher sein, dass es nicht von Uneingeweihten gefunden werden kann. Die „Muggel“ (nach Joanne K. Rowlings Bezeichnung für nicht magische Leute in „Harry Potter“) könnten den Cache leeren oder rauben. Daher geht die auffällige Gruppe die Verstecke auch möglichst unauffällig an. Einer hebt den Behälter, die anderen stellen sich davor oder sorgen für Ablenkung.

          Caches gibt es mittlerweile auf allen Kontinenten, sogar auf der Internationalen Raumstation. Die kleine Gruppe in Frankfurt gibt sich mit den konventionellen zufrieden, die auf Namen wie „Webers Garten“, „Lucky Number Slevin“ oder „Der Saft des Lebens“ lauten. Zum Schluss geht es zu einem Multicache im Niederräder Wald, der „Das kleinste Autokino der Welt“ heißt. „Multis“ bestehen aus mehreren Stationen, an denen man Hinweise auf die Koordinaten der letzten Station mit dem Logbuch findet. Das „Autokino“ ist ein Nachtcache, kann also nur in der Dunkelheit gefunden werden.

          Ein Hobby für Besserverdiener, Technikbegeisterte und Nerds

          Dafür haben die Owner (die den Cache gelegt haben) kleine reflektierende Punkte an den Bäumen angebracht. Im Licht der Taschenlampen leuchten diese auf, und man folgt ihnen durch den Wald. Tobias erzählt, der typische Cacher sei ein Büromensch, der in seiner Freizeit als Ausgleich gerne durch die Natur spaziere. Mit Geocaching bekomme er dann auch noch ein Ziel. Es sei eher ein Hobby für Besserverdiener, denn die Such-Ausrüstung kostet Hunderte Euro. Es seien vor allem Technik- und Computerbegeisterte, meint Tobias. Nerds eben.

          Die letzte Station im Frankfurter Stadtwald ist neben einem umgestürzten Baum unter Blättern vergraben. Es ist eine Tupperdose mit Lichtern, die auf Erschütterungen reagieren. In der Dose sind kleine Matchbox-Autos in Reih und Glied auf den Boden geklebt. Alle sind auf die Leinwand an der Seite der Dose ausgerichtet - daher also der Name des Caches. Solche Spielereien gibt es öfter. Es gibt sogar Leute, die etwas schnitzen oder Stromleitungen verlegen, um ihren Caches den richtigen Effekt zu verleihen.

          Tobias nimmt das Logbuch heraus, trägt das Datum und seinen Namen ein und hinterlässt ein Travelbug in der Dose, einen kleinen Gegenstand mit einem Anhänger, auf dem eine Nummer steht. Der Finder nimmt den Travelbug mit, deponiert ihn wiederum anderswo, so dass er eine möglichst weite Strecke reist. Der Travelbug von Tobias kommt aus Amerika, ist ein kleines Auto, startete seine Reise im Jahr 2008 und war schon in Kanada, Japan und den Niederlanden. Später vermerkt Tobias im Internet, dass er bei dem Cache gewesen ist und den Travelbug plaziert hat. Bei den Ownern bedankt er sich herzlich: TFTC - Thanks for the Cache.

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