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Gentechnologie : Sekte: Zweite Klon-Baby in Niederlanden geboren

  • Aktualisiert am

Boisselier - ein zweites Klonkind in petto? Bild: AP

Die Chefin der Firma Clonaid, Boisselier, hat die Geburt eines zweiten Klonbabys verkündet. Die Mutter soll eine lesbische Frau aus den Niederlanden sein.

          Die französische Wissenschaftlerin Brigitte Boisselier hat am Samstag in den USA die Geburt des angeblich zweiten Klonbabys verkündet. Das Mädchen sei das Kind von zwei niederländischen Lesbierinnen und sei am Freitagabend in einem „nordeuropäischen Land“ zur Welt gekommmen, sagte Boisselier. Die amerikanische Firma Clonaid, hinter der die Raelianer-Sekte steht, ist jedoch den Beweis, dass es sich beim ersten Klon-Baby namens Eve tatsächlich um eine Geburt mit kopierten Erbgut handelt, bisher weiterhin schuldig geblieben.

          Dies soll sich am 22. Januar ändern. An diesem Tag sind die Eltern von Eve, Boisselier sowie der Sektengründer Rael vor Gericht geladen, um die Vormundschaft des Kindes zu klären, sollte es sich tatsächlich um einen Klon handeln. Die US-Arzneimittelaufsichtsbehörde hat die Untersuchung des umstrittenen Unternehmens aufgenommen.

          Boisselier, Chefin des mit der Raelianer-Sekte kooperierenden US-Unternehmens Clonaid hatte gegenüber den TV-Sendern „France 2“ und „BBC Two" das zweite Klon-Baby der Geschichte für das Ende der Wocher angekündigt. Angeblich soll das Kind in den Niederlanden geboren worden sein, 2,7 Kilogramm wiegen und damit leichter sein als das erste angeblich geklonte Mädchen. „Alles verlief normal“, sagte Bart Overvliet, der Anführer der Raelianer-Sekte in den Niederlanden, am Samstag dem Nachrichtensender CNN. Mutter sei eine lesbische Niederländerin. Overvliet wollte allerdings nicht offiziell bestätigen, dass das Kind in den Niederlanden geboren worden sei.

          DNS-Test bei Eve zunächst nicht geplant

          Derweil hat der Streit um Eve begonnen. Boisselier sagte „France 2", die angekündigten Tests über die DNS-Struktur des angeblich am vergangenen Freitag von einer 31-jährigen Amerikanerin zur Welt gebrachten Mädchens würden vorerst nicht vorgenommen. Zur Begründung führte sie den Gerichtstermin an, den Anwalt Bernard Siegel für den 22.Januar anberaumt hat. Dabei soll die Einsetzung eines Vormundes für das Kind diskutiert werden, falls es tatsächlich ein Klon-Baby sei. Sollten die aufgerufenen Parteien nicht vor Gericht erscheinen, käme dies einer Zustimmung zur Vormundschaft gleich, betonte Siegel. Der Anwalt hatte am Dienstag Anzeige erstattet. Er wirft den 'Eltern' und Urhebern des angeblichen Babys vor, das Kind einem „gefährlichen medizinischen Experiment“ auszusetzen. Eve ist laut Siegel „ein menschliches Versuchskaninchen“, bei dem mit „Mutationen, Mängeln und dauerhaften genetischen Schäden“ zu rechnen sei. Die Eltern fühlten sich dadurch unter Druck gesetzt.

          Boisselier sagte, bei dem bald in Europa zur Welt kommenden Kind stünden die Aussichten vielleicht besser, dass die Eltern des Babys in einem weniger heiklen Umfeld zugänglicher seien. „Ich bin zuversichtlich, diese Tests werden bald ausgeführt und ihnen als Beweis recht bald vorgelegt", sagte die Clonaid-Chefin der BBC über die geplanten DNS-Tests an dem Baby, das in Europa zur Welt kommen soll.

          Arzneimittelaufsicht überprüft Klonaid

          Die US-Arzneimittelaufsichtsbehörde will bei den Untersuchungen von Clonaid zunächst überprüfen, ob die Firma tatsächlich einen Menschen geklont habe. Erst dann sollte festgestellt werden, ob das Unternehmen gegen US-Gesetze verstoßen habe, hieß es. Die Raelianer-Sekte, die das Baby geklont haben will, nahm den Eingriff nach eigenen Angaben nicht in den USA vor. In den USA ist das Klonen menschlicher Embryonen nicht verboten, die Food and Drug Administration (FDA) muss jedoch ihre Zustimmung geben.

          Doch Clonaid steht den Beamten der FDA offensichtlich nicht positiv gegenüber. Die Mitarbeiter seien bei ihrem Besuch an die Anwälte der Firma verwiesen worden, teilte Clonaid-Sprecherin Nadine Gary am Donnerstag (Ortszeit) mit. Zuvor hatte Bosselier bereits "France 2" gesagt, dass die FDA in den Büros der Firma in Las Vegas im US-Bundesstaat Nevada vorstellig geworden sei. Die Aufsichtsbehörde bestätigte, dass ihre Mitarbeiter mit Clonaid telefoniert und dem Unternehmen auch „einen Besuch“ abgestattet hätten. Bislang sei dort allerdings nichts durchsucht oder sichergestellt worden, betonte ein Sprecher der Behörde.

          Zweifel an den wissenschaftlichen Möglichkeiten

          In Tierversuchen ist es Wissenschaftlern zwar gelungen, unter anderem Schafe und Mäuse zu klonen. Wie sich später herausstellte, wiesen jedoch einige der Tiere genetische Defekte auf. Wissenschaftler fürchten, dass solche Defekte auch bei geklonten Menschen auftreten könnten. Clonaid kooperiert mit der Sekte der Raelianer, die die Erschaffung der Menschheit durch Außerirdische propagiert und die das Klonen als eine Möglichkeit zur Ausdehnung der menschlichen Lebensspanne betrachtet. Clonaid wird von den meisten Wissenschaftlern skeptisch gesehen. Viele bezweifeln, dass das Unternehmen über die technischen Fähigkeiten zum Klonen von Menschen verfügt.

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