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Gentechnologie : Hurra, mein Haustier leuchtet

  • -Aktualisiert am

Leuchten bald alle Fische von allein? Bild: Monterey Bay Aquarium Randy Wild

Aus Taiwan kommt der neueste Aquarianer-Trend: Manipulierte Zierfische. Der Trick funktioniert auch bei anderen Tieren.

          Auf den ersten Blick sehen die Fischlein wie ganz normale japanische Reiskärpflinge aus. Daß die Tiere mit dem Handelsnamen "Nachtperle" eine aquaristische Revolution darstellen, wird erst beim Wechsel der Beleuchtung deutlich: Unter der UV-Strahlung einer Schwarzlicht-Lampe leuchten die Tiere am ganzen Körper grün auf. Das innere Licht entstammt dem grün fluoreszierenden Protein (GFP) einer Tiefseequalle, deren Gen den Tieren ins Erbgut geschmuggelt wurde. Biologen benutzen es schon seit Jahren als Farbstoff, der die Entwicklung bestimmter Gewebe sichtbar machen kann. Verknüpft man zum Beispiel GFP mit Genen, die nur in Nervenzellen abgelesen werden, leuchtet das Nervensystem des Embryos unter dem Mikroskop fluoreszierend grün. Inzwischen krabbeln, schwimmen und fliegen in den Labors eine Vielzahl von Versuchstieren, die das GFP-Gen in sich tragen - so gesehen nichts Neues also.

          Neu jedoch ist, daß solche Tiere jetzt den Weg aus den Labors in die Wohnzimmer finden. Und die Leuchtfische könnten erst der Anfang sein: Auch grün schimmernde Labormäuse gibt es schon lange, allerdings wird bei den erwachsenen Tieren der Großteil der Leuchtkraft vom Fell verdeckt. Das gilt auch für Alba, das weltweit erste GFP-Karnickel. Theoretisch spricht nichts gegen den Einbau von GFP auch in andere Tiere. Ob Meerschweinchen oder Laubfrosch - biotechnologisch steht dem leuchtenden Hausgenossen nichts im Wege. "Es gibt eine ganze Reihe von Methoden, das GFP-Gen in ein Tier einzubauen, man muß sich nur die jeweils passende heraussuchen", sagt Michael Brand, der am Dresdner Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie die Hirnentwicklung von GFP-Zebrabärblingen untersucht. "Nur bei Vögeln fehlt es an Erfahrung - da bräuchte man wohl eine ganze Hühnerfarm."

          Nicht nur Grün

          Auch die Farbgebung muß nicht auf das etwas fahle Grün beschränkt bleiben, wie es Mutter Natur ursprünglich in der Qualle Arquorea victoria entwickelt hat. Neue GFP-Varianten leuchten bereits rot, blau, gelb oder auch türkis.
          Der deutsche Heimtierfreund wird jedoch noch geraume Zeit auf die leuchtenden Gefährten warten müssen, denn vor die Zulassung hat der Gesetzgeber das Berliner Robert-Koch-Institut gesetzt. "Für Tiere liegen uns keine Anträge vor", sagt Institutssprecher Günther Dettweiler. Die Liste der Anträge umfasse lediglich Pflanzen, darunter zwei transgene Nelkensorten mit neuen Blütenfarben. Einer Zulassung müssen inzwischen alle EU-Behörden zustimmen - ein erhebliches Hindernis. "Seit 1998 wurden überhaupt keine Anträge mehr entschieden, weil sich die EU nicht auf ein einheitliches Vorgehen einigen kann", sagt Dettweiler. Prinzipiell stehe einer Zulassung der "Nachtperlen" jedoch nichts im Wege, vorausgesetzt der Antragsteller könne nachweisen, daß von ihnen im Fall einer unbeabsichtigten Freisetzung keinerlei Gefahr für Mensch und Umwelt ausgeht. Die Reiskärpflinge bringen dafür günstige Eigenschaften mit: Aus subtropischen Breiten stammend, würden sie den deutschen Winter im Freiland nicht überstehen. Zudem sind die Leuchtfische der taiwanischen Taikong Corporation (Stückpreis: 17 Euro) steril - was nebenbei auch Nachzuchten im heimischen Aquarium verhindert und so den Absatz ankurbeln dürfte.

          Und wer kauft so was? Fischfreunde in den Vereinigten Staaten können den Beginn des Genzeitalters nach einem Bericht des Wall Street Journal kaum noch erwarten. Händler träumen dort schon vom "Freedom-Fish" in den Nationalfarben Rot-Weiß-Blau. "Deutsche Aquarianer werden diese Tiere kaum kaufen", glaubt dagegen Wolfgang Staeck, Präsident der deutschen Cichliden-Gesellschaft und Autor vieler Bücher über Buntbarsche. Sie stünden der Gentechnik im Heimaquarium skeptisch gegenüber.

          Zoll übersieht Gen-Fische

          Die "Nachtperlen" kennt Staeck aus eigenem Augenschein, denn sie haben ihre Premiere auf deutschem Boden längst gehabt. Im vergangenen Jahr präsentierte sie die Taikong Corporation dem Fachpublikum vorab auf der "Interzoo", der weltgrößten Messe für Heimtierbedarf in Nürnberg. Daß die Behörden daran keinen Anstoß nahmen, wundert Staeck im nachhinein nicht: "Bei der Begutachtung von Fischen sind die Amtstierärzte des Zolls hoffnungslos überfordert." Und die Taiwaner wüßten vermutlich nicht einmal, daß ihre Gen-Fische in Deutschland als potentiell gefährlich gelten.

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