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Gentechnologie : Das Klonen am Scheideweg

Seit Dolly ausgestopft ist, ist der Weg nicht mehr klar Bild: dpa/dpaweb

Tumult im Genom: Der Mensch läßt sich nicht "kopieren", weil "Spindelapparate" das Erbmaterial nicht korrekt anordnen.

          Ein Bild für das Poesiealbum der biopolitischen Streitkräfte: "Dolly", das erste Säugetier, das durch die bloße Übertragung eines Zellkerns von einer gewöhnlichen Körperzelle in eine Eihülle hergestellt worden war, steht ausgestopft im Royal Museum of Edinburgh. Ein Bild mit Symbolcharakter? Oder eignet sich vielleicht doch mehr dieses als Sinnbild: Ein geklontes Banteng-Kalb, eine vor dreißig Jahren ausgestorbene Rinderart aus Java, stiert mit seinen großen schwarzen Augen in die Kameralinse. Das Kalb wurde, nachdem vor zwei Jahren ein ähnlicher Klonversuch mit dem schnellen Tod des Tieres geendet hatte, von einem Hausrind ausgetragen, nachdem man das Erbmaterial des Banteng zuvor in die Eizelle der Ammenmutter transplantiert hatte. In gewisser Weise eignen sich beide Bilder für die Allegorie des Klonens, beide repräsentieren sie - das eine die Tragik, das andere die Hoffnung - die verfahrene Situation, in der sich eine ganze Branche der Biotechnik und längst auch der biomedizinischen Zunft fand.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Diese Hängepartie könnte jetzt bald ein Ende finden. Nachdem die Versuche, das Klonen und damit das genetische Vervielfältigen von Tieren und Zellen mit der "Dolly-Methode" voranzutreiben, in den vergangenen Jahren nicht zuletzt heftigem bioethischen Sperrfeuer ausgesetzt waren, folgt jetzt offenkundig das wissenschaftliche Erwachen. Vor kurzem hat einer der Pioniere und intimsten Kenner der Szene, der aus Deutschland stammende Rudolf Jaenisch vom Massachusetts Institute of Technology, mit seinen jüngsten Forschungsergebnissen eindringlich auf die genetischen Komplikationen des Klonens hingewiesen. Doch was nun eine Gruppe amerikanischer Forscher in der heute erscheinenden Ausgabe der Zeitschrift "Science" (Bd. 300, S. 297) beschreibt, ist mehr als ein dräuendes molekulares Damoklesschwert. Manche werden die Veröffentlichung als das Grab der modernen Klontechnik bezeichnen. Und sie könnten, zumindest was das Klonen in bezug auf die menschliche Sphäre betrifft, recht behalten.

          Rhesusaffen statt Menschen

          Die Wissenschaftler beschreiben in der Arbeit ihre fehlgeschlagenen Versuche, geklonte Tiere mit Körperzellen von Rhesusaffen herzustellen. Die Affen sind in diesem Fall bewußt als Stellvertreter des Menschen gewählt worden. Denn schon lange hatte man den Verdacht, daß es beim Klonen von Primaten - Affen und Menschen - also möglicherweise abweichende molekulare Mechanismen gibt, die das bei diesem Prozeß unumgängliche Reprogrammieren des Erbmaterials unmöglich macht, jedenfalls das fehlerfreie Reprogrammieren der Gene. In der Zeitschrift "Development" (Bd. 130, S. 1673) hat Jaenisch anschaulich solche Artefakte beschrieben. Selbst bei Mäusen, wo die "Erfolgsrate" der Klonierer mit eins bis vier Prozent der manipulierten Eizellen zwar mäßig, aber immer noch feststellbar ist, laufen Dutzende wichtiger Gene des transferierten Zellkerns aus dem Ruder. Vor allem das als Oct4 bekannte Gen und ähnliche, für die frühe Entwicklung und die Herstellung einer gewissen Plastizität der Embryonalzellen entscheidende Erbanlagen, scheinen in den übertragenen Kernen fehlreguliert zu werden. 70 bis 80 solcher Gene hat Jaenisch bereits ausfindig gemacht: bei Mäusen, wohlgemerkt.

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