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Geld- und Bewährungsstrafe für Willi Weber : Schumacher-Manager muss 720.000 Euro zahlen

  • Aktualisiert am

Formel 1-Manager Willi Weber Bild: AP

Wegen fragwürdiger Geschäfte mit Fanartikeln ist der Manager von Rennsportlegende Michael Schumacher, Willi Weber, zu einem Jahr Bewährung sowie 360.000 Euro Geldstrafe verurteilt. Alles in allem muss Weber 720.000 Euro zahlen.

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          Willi Weber, der langjährige Manager von Rennsportlegende Michael Schumacher, ist wegen fragwürdiger Geschäfte mit Fanartikeln zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr sowie 360.000 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Koblenz wertete Webers Rolle bei der Pleite der Firma Pole Position Marketing (PPM) im rheinland-pfälzischen Dierdorf als Anstiftung zur Untreue. Neben der Geldstrafe muss der 66-Jährige eine Bewährungsauflage von weiteren 360.000 Euro zahlen.

          Dem Urteil war eine Prozessabsprache zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung vorausgegangen. Das Weber gehörende Unternehmen PPM war auf den Vertrieb von Fanartikeln der Rennfahrer Michael und Ralf Schumacher spezialisiert und stand im Herbst 2001 kurz vor der Pleite. Nach den Ermittlungen der Koblenzer Staatsanwaltschaft soll der Rennsportmanager die Geschäftsführer der PPM dazu veranlasst haben, den Warenbestand des Unternehmens quasi zum Nulltarif an das Stuttgarter PPM-Mutterunternehmen zu verkaufen.

          „Kein kleiner Boxenstopp“

          Weber habe mit unredlichen Mitteln versucht, sein eingesetztes Kapital zu retten, sagte der Vorsitzende Richter Hans-Georg Göttgen in der Urteilsbegründung. Da der Warenbestand der einzige Vermögenswert der Gesellschaft war, drohten nach Ansicht der Strafverfolger die übrigen Gläubiger leer auszugehen. Die Staatsanwaltschaft beziffert den Schaden auf knapp 1,2 Millionen Euro. Durch die Pleite des Dierdorfer Unternehmens 2002 hätten zudem rund 100 Menschen ihren Arbeitsplatz verloren.

          Offensichtlich gut gelaut verlässt Weber nach dem Urteil das Gericht
          Offensichtlich gut gelaut verlässt Weber nach dem Urteil das Gericht : Bild: ddp

          In einer Erklärung seines Verteidigers räumte der Rennsportmanager den angeklagten Sachverhalt ein, bestritt aber jede schädigende Absicht. Rechtsanwalt Hanns Feigen sagte, Weber habe im Oktober 2001 unter rein kaufmännischen Gesichtspunkten gehandelt. Er habe sich auf das Kerngeschäft mit dem Rechtehandel konzentrieren und zudem Schaden von der Stuttgarter PPM abwenden wollen. Sein Mandant habe den strafrechtlichen Gehalt seiner Handlung nicht erkannt und bedauere die eingetretene Entwicklung. „Das ist kein kleiner Boxenstopp“, sagte Feigen: „Er nimmt das ernst.“

          Urteil rechtskräftig

          Göttgen sagte, der Schumacher-Manager habe vom Gericht keinen Prominentenbonus erhalten. Durch die Prozessabsprache sei vielmehr eine umfangreiche Hauptverhandlung überflüssig geworden. Zu seinen Gunsten habe die Kammer zudem berücksichtigt, dass der 66-Jährige nicht vorbestraft sei. Das Verfahren dauerte am Montagmorgen weniger als zwei Stunden. Das Urteil ist rechtskräftig.

          In Zusammenhang mit der Insolvenz der Stuttgarter PPM-Mutter im Jahr 2004 wurde Weber Mitte September auch von der Staatsanwaltschaft in Baden-Württemberg angeklagt. Die Stuttgarter Ermittler werfen dem Geschäftmann Untreue, vorsätzlichen Bankrott und einen Verstoß gegen das GmbH-Gesetz vor. Den entstandenen Schaden beziffert die Staatsanwaltschaft in diesem Fall mit 2,1 Millionen Euro.

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