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Gelbkehlfrankolin : Laut, glattfüßig und standorttreu

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Macht gern schon morgens auf sich aufmerksam: Gelbkehlfrankolin in Tansania Bild: Carl-Albrecht von Treuenfels

Die Gelbkehlfrankoline tönen schon morgens durchdringend über afrikanische Savannen. Sie sind verwandt mit Rebhühnern, Wachteln und Fasanen – und dienen als gutes Beispiel für die Anpassung von Arten.

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          Das morgendliche Vogelkonzert in den Savannen Afrikas wird nicht selten von den monotonen Rufen der Turteltauben dominiert. Die lauten Gurrer, die selbst dem geneigten Naturbeobachter auf die Nerven gehen können, werden indes mancherorts noch übertroffen, wenn beim ersten Tageslicht die Frankoline ihre durchdringenden rauen, krächzenden Rufe erschallen lassen. Sie gehören zur Ordnung der Hühnervögel (Galliformes) und in der Familie der Fasanenartigen (Phasianidae) zur Gruppe der Feldhühner. Wie früher in Europa die Rebhähne an den Feldrainen ihre schnarrenden Stimmen erhoben – heute sind sie wegen der intensiven Landwirtschaft zu einer ornithologischen Rarität geworden –, so machen die mit den Rebhühnern und den Wachteln verwandten Frankoline, von denen es in vielen afrikanischen Schutzgebieten noch recht viele gibt, mit Vorliebe von leicht erhöhten Sitzwarten aus mit ihren heiseren Rufen auf sich aufmerksam. Die Hähne melden damit ihre Revieransprüche an. Die Rufe richten sich sowohl an die Hennen als auch an mögliche Nebenbuhler.

          Die verschiedenen Arten an den Rufen zu unterscheiden ist allerdings nicht ganz einfach. Allein in Afrika gibt es 36 – fünf weitere leben in Süd- und Vorderasien mit nördlicher Verbreitungsgrenze im Kaukasus. Wenn man also den Vogel nicht sieht, sondern nur hört, kann man erst einmal in einem ornithologischen Bestimmungsbuch auf der Verbreitungskarte das Vorkommen der Arten bestimmen, auch wenn sich die Lebensräume mancher Arten überschneiden. Die Frankoline sind ein gutes Beispiel für die Variation, Anpassung und Verbreitung von Arten innerhalb einer Tierfamilie im Lauf ihrer Entwicklungsgeschichte. Sie hätten Charles Darwin (1809 bis 1882) und Alfred Russel Wallace (1823 bis 1913) beim nahezu gleichzeitigen Ausarbeiten der Theorien zum Entstehen der Arten durch natürliche Auslese als anschauliche Beispiele dienen können – wären sie ihnen denn vor mehr als hundert Jahren in ihrer Vielfalt schon bekannt gewesen.

          Die Männchen lassen sich oft blicken – nicht ungefährlich

          In nordostafrikanischen Ländern kann der Vogelbeobachter, wenn er die Rufe eines Frankolins hört, ohne ihn zu sehen, ziemlich sicher sein, dass es sich um einen Gelbkehlfrankolin (Pternistis leucoscepus) handelt. Die Vögel melden sich gern auch in der Abenddämmerung. Der unterhalb seines roten Gesichtsfeldes und des dunklen Schnabels markant und namensgebend gelb gefärbte Vogel ist hier weit verbreitet, vor allem in den Nationalparks und in landwirtschaftlich extensiv genutzten Gebieten. Mit einer Körperlänge von bis zu 43 Zentimetern gehört der auf braunem Gefieder hell gesprenkelte Gelbkehlfrankolin zu den größten seiner Gattung.

          Die Hähne werden schwerer als die bei den meisten Arten gleich gefärbten Weibchen. Sie lassen sich auch eher blicken und wählen oft eine erhöhte Position auf einem Termitenhügel oder einem halbhohen trockenen Ast (wie auf dem Foto, das im tansanischen Tarangire-Nationalpark entstand), damit die Stimme weiter reicht und sie besser sehen und gesehen werden. Das ist nicht ganz ungefährlich, denn für Greifvögel wie Singhabicht oder Kampfadler ist ein Frankolin willkommene Beute. Die Hennen kennen die Gefahr aus der Luft und auch die Bodenfeinde und halten sich meist in der Deckung von Büschen und Gräsern auf.

          Als Laufvögel vermeiden alle Frankoline, längere Strecken und über offene Flächen zu fliegen. Sie vertrauen auf ihre schnellen Beine. Bei einigen Arten, so auch beim Gelbkehlfrankolin, ist ein Bein hinten mit einem spitzen Sporn ausgestattet, bei manchen Arten sogar beide Beine. Etliche Zoologen, besonders im englischen Sprachraum, unterscheiden deshalb innerhalb der Gattung auch zwei Gruppen: die Frankoline und die „Spornhühner“ (englisch: „spurfowl“). Eine solche Unterteilung und Bezeichnung der Frankoline ist im Deutschen bislang aber nicht üblich.

          Das Revier ist selten größer als fünf bis zehn Hektar

          Viele Verwandte der Frankoline – etwa Rebhühner, Rothühner, Steinhühner, Wachteln und Fasane – sind ein begehrtes Flugwild, weil sie schmackhaftes Fleisch liefern und für Flintenschützen attraktive Ziele darstellen. Die Hühnerjagd ist aus Sicht der Naturschützer nach heutigen Maßstäben aber unzeitgemäß und läuft dem Artenschutz zuwider. Die Frankoline eignen sich jedoch glücklicherweise nicht zu Gesellschaftsjagden wie etwa die Rothühner in Spanien und früher die Rebhühner in ganz Europa, die sich außerhalb der Brutzeit zu kopfstarken „Ketten“ zusammenschließen.

          Die Frankoline leben paarweise und im Familienverband. Auch wenn nach einer Brutdauer von rund drei Wochen die sechs bis acht Jungen im gut getarnten Bodennest geschlüpft sind und schon im Alter von gut zwei Wochen flügge werden, verbinden sich die einzelnen Familien nicht zu großen „Völkern“ wie andere Glattfußhühner – so wird die Familie der Fasanenartigen im Gegensatz zu den Raufußhühnern mit ihren befiederten Beinen genannt, zu denen etwa Auerhuhn und Birkhuhn, Moorschneehuhn und nordamerikanisches Präriehuhn gehören. Im Mittelalter wurden in Griechenland, Italien und Spanien vorderasiatische Halsbandfrankoline, eine besonders schön gefärbte Art, ausgewildert, die sich anfangs dort auch gut einlebten und vermehrten, später aber durch hemmungslose Jagd wieder ausgerottet wurden.

          Frankoline sind standorttreu. Ihr Revier ist selten größer als fünf bis zehn Hektar. Hier kennen sich die Vögel gut aus und wissen, wo sie zu jeder Jahreszeit ihre Nahrung in Form von Samen, Blättern, Wurzeln, Insekten und gelegentlich einem kleinen Wirbeltier finden. Mit Vorliebe durchsuchen sie den Dung von Antilopen, Elefanten und Nashörnern nach Käfern und Würmern. In ihrem Heimatbiotop sind ihnen alle Wege vertraut, auf denen sie im Notfall schnell vorankommen, und sie wissen, wo sie sich bei Gefahr verstecken können. Das überwiegend tarnfarbene Gefieder hilft ihnen dabei. Der Gelbkehlfrankolin scheint instinktiv zu wissen, dass sein gelber Kehlfleck, so schön er als Signal bei der Balz auch leuchten mag, ihn in einer Notlage verraten kann. Daher drückt er seinen Hals zu Boden, wenn er nicht entdeckt werden will.

          Bleibt ihm nichts anderes übrig, als im letzten Augenblick zu fliehen, stiebt er mit knatterndem Flügelschlag, der den Feind erschrecken soll, flach davon, landet nach kurzem Flug mit überraschenden Wendungen wieder und rennt zu Fuß in das nächste Versteck. Diese Taktik, die große Fruchtbarkeit und die gemeinsame fürsorgliche Aufzucht der Jungen durch Hahn und Henne – während sie brütet, wacht er in der Nähe des Nestes, aber beide Partner führen die Jungen zur Selbständigkeit – hilft den Frankolinen, im günstigen Fall etwa zehn Jahre alt zu werden.

          Wo die afrikanische halboffene Landschaft nicht vom Menschen verändert wird und wo ökologisch verträgliche Land- und Viehwirtschaft betrieben wird, gibt es für die Gelbkehlfrankoline auch künftig eine sichere Lebensgrundlage. In den Nationalparks und Wildreservaten Afrikas können sich die Safaritouristen oft aus nächster Nähe an ihrem attraktiven Aussehen, aber auch an ihren knarrenden Rufen erfreuen. Denn scheu sind die meisten Frankoline von Natur aus nicht.

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