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Gelbkehlfrankolin : Laut, glattfüßig und standorttreu

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Als Laufvögel vermeiden alle Frankoline, längere Strecken und über offene Flächen zu fliegen. Sie vertrauen auf ihre schnellen Beine. Bei einigen Arten, so auch beim Gelbkehlfrankolin, ist ein Bein hinten mit einem spitzen Sporn ausgestattet, bei manchen Arten sogar beide Beine. Etliche Zoologen, besonders im englischen Sprachraum, unterscheiden deshalb innerhalb der Gattung auch zwei Gruppen: die Frankoline und die „Spornhühner“ (englisch: „spurfowl“). Eine solche Unterteilung und Bezeichnung der Frankoline ist im Deutschen bislang aber nicht üblich.

Das Revier ist selten größer als fünf bis zehn Hektar

Viele Verwandte der Frankoline – etwa Rebhühner, Rothühner, Steinhühner, Wachteln und Fasane – sind ein begehrtes Flugwild, weil sie schmackhaftes Fleisch liefern und für Flintenschützen attraktive Ziele darstellen. Die Hühnerjagd ist aus Sicht der Naturschützer nach heutigen Maßstäben aber unzeitgemäß und läuft dem Artenschutz zuwider. Die Frankoline eignen sich jedoch glücklicherweise nicht zu Gesellschaftsjagden wie etwa die Rothühner in Spanien und früher die Rebhühner in ganz Europa, die sich außerhalb der Brutzeit zu kopfstarken „Ketten“ zusammenschließen.

Die Frankoline leben paarweise und im Familienverband. Auch wenn nach einer Brutdauer von rund drei Wochen die sechs bis acht Jungen im gut getarnten Bodennest geschlüpft sind und schon im Alter von gut zwei Wochen flügge werden, verbinden sich die einzelnen Familien nicht zu großen „Völkern“ wie andere Glattfußhühner – so wird die Familie der Fasanenartigen im Gegensatz zu den Raufußhühnern mit ihren befiederten Beinen genannt, zu denen etwa Auerhuhn und Birkhuhn, Moorschneehuhn und nordamerikanisches Präriehuhn gehören. Im Mittelalter wurden in Griechenland, Italien und Spanien vorderasiatische Halsbandfrankoline, eine besonders schön gefärbte Art, ausgewildert, die sich anfangs dort auch gut einlebten und vermehrten, später aber durch hemmungslose Jagd wieder ausgerottet wurden.

Frankoline sind standorttreu. Ihr Revier ist selten größer als fünf bis zehn Hektar. Hier kennen sich die Vögel gut aus und wissen, wo sie zu jeder Jahreszeit ihre Nahrung in Form von Samen, Blättern, Wurzeln, Insekten und gelegentlich einem kleinen Wirbeltier finden. Mit Vorliebe durchsuchen sie den Dung von Antilopen, Elefanten und Nashörnern nach Käfern und Würmern. In ihrem Heimatbiotop sind ihnen alle Wege vertraut, auf denen sie im Notfall schnell vorankommen, und sie wissen, wo sie sich bei Gefahr verstecken können. Das überwiegend tarnfarbene Gefieder hilft ihnen dabei. Der Gelbkehlfrankolin scheint instinktiv zu wissen, dass sein gelber Kehlfleck, so schön er als Signal bei der Balz auch leuchten mag, ihn in einer Notlage verraten kann. Daher drückt er seinen Hals zu Boden, wenn er nicht entdeckt werden will.

Bleibt ihm nichts anderes übrig, als im letzten Augenblick zu fliehen, stiebt er mit knatterndem Flügelschlag, der den Feind erschrecken soll, flach davon, landet nach kurzem Flug mit überraschenden Wendungen wieder und rennt zu Fuß in das nächste Versteck. Diese Taktik, die große Fruchtbarkeit und die gemeinsame fürsorgliche Aufzucht der Jungen durch Hahn und Henne – während sie brütet, wacht er in der Nähe des Nestes, aber beide Partner führen die Jungen zur Selbständigkeit – hilft den Frankolinen, im günstigen Fall etwa zehn Jahre alt zu werden.

Wo die afrikanische halboffene Landschaft nicht vom Menschen verändert wird und wo ökologisch verträgliche Land- und Viehwirtschaft betrieben wird, gibt es für die Gelbkehlfrankoline auch künftig eine sichere Lebensgrundlage. In den Nationalparks und Wildreservaten Afrikas können sich die Safaritouristen oft aus nächster Nähe an ihrem attraktiven Aussehen, aber auch an ihren knarrenden Rufen erfreuen. Denn scheu sind die meisten Frankoline von Natur aus nicht.

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