https://www.faz.net/-gum-3114

Geheimdienste : Steckt der Irak hinter den Milzbrandanschlägen?

  • Aktualisiert am

Für westliche Geheimdienste besteht angeblich eine Verbindung zwischen dem Irak und den Milzbrandanschlägen.

          Die Anzeichen verdichten sich: Wahrscheinlich steckt der Irak hinter den schrecklichen Milzbrand-Attacken in den Vereinigten Staaten. Diese „sehr ernst zu nehmende“ Vermutung äußerte ein hoher CIA-Beamter im Zusammenhang mit der fieberhaften Suche nach den Urhebern der Anschläge am Dienstag in Washington.

          „Der irakische Diktator Saddam Hussein steckt offensichtlich mit dem Top-Terroristen Osama Bin Laden unter einer Decke. Hinter der professionellen Vorgehensweise mit den Anthrax-Anschlägen steckt eine ausgeklügelte Logistik, die von langer Hand nur von einem staatlichen Gebilde vorbereitet werden konnte“, sagte der CIA-Beamte.

          In Berliner Geheimdienstkreisen wurde dem bislang nicht „ausdrücklich“ widersprochen.

          Nach Ansicht des früheren CIA-Direktors James Woolsey ist der Irak wahrscheinlich auch in die Terroranschläge in den USA verwickelt. Er glaube zudem, dass die USA in ihrem Kampf gegen den Terrorismus auch den irakischen Staatschef Saddam Hussein konfrontieren würden, sagte er am Montag vor einem Versammlung des Amerikanisch-Jüdischen Kongresses.

          Ein Zusammenhang zwischen den Anschlägen auf das World Trade Center und auf das Pentagon mit den sich ausweitenden Milzbrand-Attacken ergibt sich nach Angaben der westlichen Geheimdienste aus folgender bislang kaum beachteter Tatsache: Ein Anthrax-Brief, der am 9. Oktober in der kenianischen Hauptstadt Nairobi eintraf, war bereits drei Tage vor den verheerenden Terrorattacken vom 11. September aufgegeben worden. „Da gibt es eine Linie - offenbar eine Absprache zwischen den islamistischen Terroristen und dem Irak, der als einziger Staat über eine besonders große Menge an chemischen und biologischen Waffen verfügt“, lautet die Einschätzung der Geheimdienstler.

          Irak verfügt über biologische Waffen

          Der Bundesnachrichtendienst (BND) hatte schon vor geraumer Zeit darauf verwiesen, dass der Irak trotz aller Verbote der Vereinten Nationen an seinen Bemühungen um die Herstellung atomarer, biologischer und chemischer Waffen festgehalten hat. Saddam Hussein schreckte nicht davor zurück, chemische Waffen gegen die eigene Bevölkerung, gegen die Kurden, einzusetzen. Auch im ersten Golfkrieg ging der Diktator gegen den Iran mit Giftgas vor. Schon 1978 hatte der Irak mit einem umfangreichen chemischen Rüstungsprogramm begonnen. 1991 wurde in Bagdad offiziell zugegeben, dass das Land über einen Vorrat von rund 355 Tonnen chemischer Kampfstoffe verfüge.

          Irak weist Spekulationen zurück

          Irak wies am Dienstag Spekulationen zurück, dass das Land an den Milzbrand-Anschlägen in den USA beteiligt gewesen sein könnte. Der stellvertretende Ministerpräsident Tarik Asis sagte dem Fernsehsender APTN, Bagdad habe mit den Entwicklungen in den USA seit dem 11. September nichts zu tun. Derartige Unterstellungen seien böse und grundlos. Zuvor hatte der ehemalige Direktor des US-Geheimdienstes CIA, James Woolsey, gemutmaßt, der irakische Präsident Saddam Hussein könne in die Milzbrand-Anschläge verwickelt sein. Asis sagte, Anthrax-Erreger seien in vielen Ländern entwickelt worden, auch in den USA. Alle in Irak hergestellten Anthrax-Bakterien seien in den 90er Jahren vernichtet worden.

          Weitere Themen

          Mit dem Handy im Straßenverkehr Video-Seite öffnen

          Warnsystem in Südkorea : Mit dem Handy im Straßenverkehr

          In der südkoreanischen Stadt Ilsan will man das Leben der sogenannten „Smartphone-Zombies“ jetzt sicherer machen. Mit Verkehrswarnungen, die auf das mobile Gerät geschickt werden,

          Polizei prüft Terrorverdacht Video-Seite öffnen

          Schüsse von Utrecht : Polizei prüft Terrorverdacht

          Ein terroristisches Motiv des festgenommenen 37-jährigen mutmaßlichen Täters werde ernsthaft in Betracht gezogen, hieß es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft vom Dienstag.

          Topmeldungen

          Bolsonaro in Washington : Vorglühen mit Bannon

          Jair Bolsonaro hat bei seinem Besuch in Washington neben Donald Trump auch dessen verstoßenen Chefstrategen Steve Bannon getroffen. Dabei klang der brasilianische Präsident wie der gelehrige Schüler des rechten Meinungsmachers.
          Saarbrücken: Im Saarland ist Wohnen noch günstig.

          Gefälle bei Immobilienpreisen : Wo Wohnen noch günstig ist

          Immobilien sind in den vergangenen Jahren teurer geworden. Aber nicht in jedem Bundesland. Zwischen West und Ost gibt es ein deutliches Gefälle. Und in einem Land wohnt es sich besonders günstig.

          Reaktionen auf John Bercow : „Der Brexit-Zerstörer“

          Die britische Boulevard-Presse stürzt sich auf den Unterhaussprecher John Bercow, nachdem dieser die dritte Abstimmung über das Brexit-Abkommen verhindert hat. Auch unter Abgeordneten herrscht Unmut. Derweil will May die EU um Aufschub bitten.
          Thorsten Schäfer-Gümbel zieht sich aus der Politik zurück.

          FAZ Plus Artikel: Rücktritt von Schäfer-Gümbel : Zum richtigen Zeitpunkt

          Die Entscheidung Thorsten Schäfer-Gümbels, seine Karriere als Politiker zu beenden, hat er zum richtigen Zeitpunkt gefällt. Allerdings dürfte sich sein neuer Arbeitgeber über die erste Amtshandlung wundern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.