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Geflügelpest : Die Epidemie in Asien erinnert an die Spanische Grippe

  • Aktualisiert am

Verdacht auf Vogelgrippe in Vietnam Bild: REUTERS

Die Warnung der Weltgesundheitsorganisation vor einer verheerende Grippe-Epidemie beruhen auf Erfahrung: 1918/19 starben 50 Millionen Menschen an der Spanischen Grippe, in Hongkong kamen 1968 700.000 Menschen ums Leben.

          Die Weltgesundheitsorganisation neigt in ihren Verlautbarungen nicht zur Übertreibung. Der Ausbruch der Vogelgrippe macht ihr jedoch offensichtlich Sorgen: Die WHO befürchtet Millionen Tote durch die Krankheit, falls sich der tierische Erreger mit dem menschlichen Grippevirus verbindet. Da Grippeviren ihre genetische Struktur mit rasender Geschwindigkeit verändern, bilden sie laut WHO bei einer Kombination mit den Erregern der Geflügelpest ein Gefahrenpotential, mit dem sie das Aids-erregende HI-Virus in kürzester Zeit in den Schatten stellen könnten.

          Für die meisten Zeitgenossen klingt Grippe nach Husten, Schnupfen, Heiserkeit, vielleicht nach Fieber und Gliederschmerzen. Aber sie vergessen oder verdrängen, daß Grippe-Epidemien zu den schlimmsten Geißeln der modernen Menschheit gehören. In den Jahren 1918/19 wurden bis zu 50 Millionen Menschen durch die Spanische Grippe dahingerafft, bei der letzten Killer-Grippe aus Hongkong starben 1968 rund 700.000 Menschen.

          Symptome zeigen sich erst nach Tagen

          Auch in ganz normalen Jahren sterben nach den Erhebungen der WHO mehrere hunderttausend Menschen an der Virusgrippe, die auch als Influenza bezeichnet wird. Daher ist die Grippe nach der WHO-Klassifizierung als weltweit wirkende Epidemie einzustufen. Anders als Pest und Cholera verbreitet sich die Influenza auch unter besten hygienischen Verhältnissen, anders als die Malaria ist sie zur Weiterverbreitung nicht auf ein Insekt wie die Mücke angewiesen. Anders als das Aids-Virus erfolgt die Übertragung der Grippe nicht durch Sexualkontakte - die Erreger verbreiten sich ganz einfach über die Tröpfchen, die beim Niesen und Husten freigesetzt werden.

          Wenngleich es zynisch klingen mag - noch ein weiteres Merkmal begünstigt die Ausbreitung der Grippe-Viren: Anders als beim Ebola-Virus erkranken - und sterben - die Opfer nicht in kürzester Zeit. Vielmehr werden die Symptome erst nach mehreren Tagen der Inkubation erkennbar, so daß kaum Möglichkeiten bestehen, die Weiterverbreitung durch Quarantäne-Maßnahmen einzudämmen. All diese Faktoren in ihrer Summierung führen dazu, daß durch die Spanische Grippe vor acht Jahrzehnten mehr Menschen ums Leben kamen als in 23 Jahren Aids-Epidemie zusammengenommen.

          Hohe Sterblichkeitsrate

          Für die Grippe-Epidemiologen ist eine Kombination des Hühnerpest-Virus (H5N1) mit dem menschlichen Influenza-Virus das Horror-Szenario schlechthin. „Das Risiko besteht darin, daß ein genetisch verändertes H5N1-Virus entsteht, gegen das die Menschen keine Widerstandskräfte entwickelt haben“, sagt die Virologin Sylvie van der Werf vom französischen Pasteur-Institut. „Virologen befürchten immer eine ähnlich schlimme Epidemie wie die von 1918“, betont auch WHO-Sprecher Iain Simpson. „Seither hat es mehrere kleinere Grippe-Epidemien gegeben - und die Statistiker sagen uns, das wieder einmal eine fällig ist.“

          Während die Hühnerpest nur vom Geflügel auf den Menschen übertragen werden kann, sich jedoch unter Menschen nicht weiterverbreitet, wäre dies bei einer Kombination von Geflügelpest- und Grippevirus möglicherweise anders. Und die Hühnerpest hat bei Menschen ganz offensichtlich eine hohe Sterblichkeitsrate. So kam 1997 von 18 in Hongkong Infizierten jeder Dritte um Leben. Im Kampf gegen die Hühnerpest verfügen die Menschen über keine Antikörper. So müßte im Falle einer Epidemie in Windeseile ein wirksamer Impfstoff gefunden werden und möglicherweise für Hunderttausende Patienten zur Verfügung stehen.

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