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Im Züricher Gefängnis : Aufseherin verhilft Häftling zur Flucht

Fahndungsfoto von Hassan Kiko. Der verurteilte Vergewaltiger ist derzeit mit seiner Aufseherin auf der Flucht. Bild: Kapo Zürich

Mitten in der Nacht gelingt einem verurteilten Vergewaltiger der Ausbruch aus einem Züricher Gefängnis – Hilfe hatte er dabei von einer Wärterin, die gemeinsam mit ihm floh. Sind die beiden ein Paar?

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          War Liebe im Spiel? Das ist die naheliegende Frage, die sich alle stellen, seitdem Hassan Kiko die Flucht gelang. Der 27 Jahre alte Syrer war im Dezember 2015 wegen Vergewaltigung zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt worden. Dagegen hatte er Berufung eingelegt. Doch den Ausgang dieses Verfahrens wollte der Mann nicht abwarten. In der Nacht zum Dienstag spazierte er seelenruhig aus dem Gefängnis Limmattal in Dietikon, einem Ort in der Nähe von Zürich. Ausbruchwerkzeuge brauchte er dafür nicht. Und Gewalt musste der gelernte Friseur offenkundig auch nicht anwenden.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Technisches Versagen ist auszuschließen: Die Haftanstalt mit ihren 72 Plätzen wurde erst vor fünf Jahren gebaut und zählt zu den modernsten Gefängnissen der Schweiz. Der Syrer hatte den besten aller denkbaren Helfer: seine Bewacherin. Die 27 Jahre alte Schweizer Aufseherin Angela Magdici tat in jener Nacht mit einem Kollegen Dienst. Den Gefängnis-Usancen folgend, hielt aber nur einer Wache, der andere schlief. Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen nutzte Magdici die Bettruhe des Kollegen aus, um Kiko aus der Zelle zu befreien und gemeinsam mit ihm das Gefängnis zu verlassen. Seither sind die beiden auf der Flucht.

          Der unberechenbare Faktor Mensch

          Laut Fahndungsaufruf der Polizei soll sich das Paar in einem schwarzen BMW X1 mit Zürcher Kennzeichen nach Italien abgesetzt haben. Die veröffentlichten Fahndungsfotos zeigen einen ernst dreinblickenden Mann mit raspelkurzen Haaren; auf Facebook posiert er muskelbepackt und tätowiert in einem Fitnessstudio. Seine ehemalige Aufseherin ist eine hübsche Frau mit feinen Gesichtszügen und schulterlangem braunem Haar.

          Aufseherin Angela Magdici soll dem Häftling zur Flucht verholfen haben.

          Auf die Frage, ob die beiden ein Liebespaar seien, antwortete der Gefängnisdirektor Roland Zurkirchen in bestem Beamtendeutsch: „Von einer Beziehung war uns nichts bekannt. Der berufliche Umgang zwischen den beiden in Bezug auf Nähe und Distanz ist Gegenstand der Abklärungen.“ Das Gefängnis sei gut gesichert, aber der Faktor Mensch berge immer Risiken. Nach Angaben des Zürcher Amts für Justizvollzug ist es ein Novum, dass ein Mitglied des Wachpersonals zum Fluchthelfer wurde. Man werde nun Maßnahmen ergreifen, um derlei Risiken in Zukunft zu verringern.

          Häftlingen in der Eidgenossenschaft gelingt sehr selten die Flucht. Im Kanton Zürich kam es in den vergangenen zwölf Jahren zwei Mal zu einem Ausbruch. Angela Magdici hat nun die Möglichkeit, ihren bisherigen Arbeitsplatz von einer ganz anderen Seite kennenzulernen. Im Fall einer Verurteilung wegen Fluchthilfe drohen ihr bis zu drei Jahre Haft.

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