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Gedenken : Ein Stein für Martha Liebermann

  • -Aktualisiert am

Über die Steine des Künstlers Demning soll man stolpern Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig werden immer mehr. Nun trägt auch einer den Namen von Martha Liebermann, der Frau des Künstlers Max, die sich 1943 das Leben nahm.

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          Alle lieben Max, aber am Mittwoch drehte sich alles an seinem Haus gleich neben dem Brandenburger Tor um Martha Liebermann. Ihrer wird mit einem der "Stolpersteine" des Kölner Künstlers Gunter Demnig gedacht.

          Seit 1992 legt er vor Häusern, in denen deutsche Juden gelebt haben, bevor sie deportiert, vertrieben oder ermordet wurden, zehn mal zehn Zentimeter große Steine mit einer Messingplatte in das Plaster, auf denen vermerkt ist, an wen erinnert werden soll, wann die Person geboren und wann sie deportiert wurde oder gestorben ist. Die Daten schlägt Demnig in Messing, je nachdem, ob die Steine an belebtem oder einsamem Ort liegen, bleiben sie blank oder laufen an.

          Freitod statt Konzentrationslager

          Martha Liebermann, seit 1884 die Frau des Malers, emigrierte nicht rechtzeitig nach Max' Tod, der 1935 im Alter von 87 Jahren starb. Als sie bereit war, Deutschland zu verlassen, war es zu spät, die Nazis schikanierten sie mit "Reichsfluchtsteuer" und "Judenbann", aber ließen sie nicht ausreisen. Ihr Haus am Pariser Platz - es wurde wiederaufgebaut und beherbergt die Stiftung Brandenburger Tor der Bankgesellschaft Berlin - mußte sie aufgeben, die Villa am Wannsee verkaufen.

          1942 erlitt sie einen Schlaganfall, seither war sie ans Bett gefesselt. Am 5. März 1943 erhielt sie die Aufforderung, sich zur Deportation nach Theresienstadt bereitzuhalten. Sie nahm eine Überdosis Veronal. Im Jüdischen Krankenhaus starb sie im Alter von 85 Jahren.

          Stolpersteine als kleine Denkmale

          Die Hausherrin Monika Grütters, die dem Vorstand der Stiftung vorsitzt, sagte vor der Enthüllung des neuen Steins, ihr Haus, das seinen Namen trägt, wolle das weltoffene Erbe Liebermanns pflegen. Zur Zeit zeigt die Stiftung eine Max-Slevogt-Ausstellung; die letzte sei im Jahr 1928 "gegenüber", in der ehemaligen Preußischen Akademie der Künste, eröffnet worden, von Max Liebermann.

          Den Stein für Martha Liebermann hat Andre Schmitz bezahlt, der Chef der Senatskanzlei. Er erinnerte daran, daß vor einem Monat ein paar Schritte weiter das Denkmal für die ermordeten Juden Europas eröffnet worden sei. Die "Stolpersteine" seien geradezu das Gegenteil davon.

          Lob für das Engagement der Bürger

          So sieht das auch Demnig. Die Steine seien "kleine Denkmale", die aus den großen abstrakten Zahlen und Verbrechen - 35000 Berliner wurden in 63 Transporten in Konzentrationslager deportiert - "ein Leben, einen Tod" hervorhöben. Schmitz lobte das "bürgerschaftliche Engagement", mit dem die Steine inzwischen tausendfach - in Berlin hundertfach - gelegt worden seien.

          Er teilte mit, daß das arme Berlin jetzt zwei Frauen, die im zentralen Stellenpool des Landes beschäftigt sind, eine Arbeitsstelle bei der Stiftung deutscher Widerstand gegeben habe. Sie werden Anfragen von Schulklassen und Privatpersonen, die einen "Stolperstein" legen möchten, koordinieren und bei den Behördengängen - etwa zum Tiefbauamt - und historischen Recherchen behilflich sein. Bislang wurde das nebenbei vom Kreuzberg Museum erledigt. Nun haben potentielle Paten professionelle Ansprechpartner.

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