https://www.faz.net/-gum-u6ww

Geburtenrate : Französinnen erobern Spitzenplatz

Bild: F.A.Z.

Neuer Geburtenrekord in Frankreich: Erstmals seit drei Jahrzehnten brachten die Französinnen wieder durchschnittlich zwei Kinder zur Welt. Anders als in anderen europäischen Ländern sind Familie und Beruf dort kein Gegensatz.

          4 Min.

          Frankreich kann mit einem neuen Geburtenrekord im Jahr 2006 aufwarten: Erstmals seit drei Jahrzehnten wurden wieder durchschnittlich zwei Kinder pro Frau (genau 2,07) geboren. Die Französinnen haben ihr Land damit auf einen europäischen Spitzenplatz befördert, den Premierminister Dominique de Villepin am Dienstag stolz als „Trumpf“ für die Zukunft bezeichnete. Insgesamt 830.000 Babys wurden 2006 in Frankreich geboren, diese Zahl wurde zum letzten Mal 1981 erreicht. Das entspricht einem Anstieg der Geburtenrate um 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Diese Informationen teilte das staatliche statistische Institut Insee am Dienstag bei der Veröffentlichung seiner Studie über die demographische Entwicklung des Jahres 2006 mit.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          In Deutschland ist die Geburtenrate für 2006 noch nicht veröffentlicht worden, aber es wird in allen Schätzungen von einer rückläufigen Entwicklung ausgegangen. Zwischen 670.000 und 680.000 Kinder wurden vermutlich in Deutschland im Jahr 2006 geboren - bei einer Gesamtbevölkerung von 82 Millionen.

          Überschuss an Einwanderern steigt

          Frankreich hingegen hat die „symbolische Grenze“ von 2 überschritten. Ein Wert von 2,1 gilt als Voraussetzung für ein Bevölkerungswachstum aus eigener Kraft und ohne Zuwanderung. „Im europäischen Vergleich ist das ein Rekord, denn der Durchschnitt liegt bei 1,5“, sagte der Direktor des Nationalen Instituts für demographische Studien (Ined), François Héran. Das Wachstum der Geburtenrate geht vor allem auf Mütter über 30 Jahre zurück. 52,8 Prozent der Babys wurden 2006 von Müttern geboren, die älter als 30 Jahre alt waren. 1996 hatte der Anteil der über dreißigjährigen Gebärenden noch bei 44,3 Prozent gelegen.

          Glückliches Frankreich: Für Nachwuchs ist gesorgt

          Obwohl die Gesamtzahl der Frauen im gebärfähigen Alter zwischen 20 und 40 Jahren sinkt, steigt die Geburtenrate - weil die Frauen im Durchschnitt mehr Kinder zur Welt bringen. Zum Geburtenüberschuss trägt zudem bei, dass die Zahl der Sterbefälle in Frankreich um rund 1,3 Prozent auf 531.000 zurückgegangen ist. Die Lebenserwartung hat damit 84 Jahre für Frauen und 77,1 Jahre für Männer erreicht. Ebenfalls leicht zugenommen hat die Zahl der Einwanderer gegenüber der Zahl der Auswanderer. Der Überschuss an Einwanderern gegenüber den Auswanderern liegt demnach bei 93.600.

          Gut ausgebildete Frauen holen das Kinderkriegen nach

          Der anhaltende Kindersegen hat alle langfristigen Berechnungen etwa für die Rentenkassen durcheinandergewirbelt. Das Statistik-Institut Insee gab bekannt, dass die französische Bevölkerung schneller wachse, als es die Schätzungen vorgesehen hätten. Wenn die Geburtenrate sich weiter auf diesem Niveau entwickele, werde Frankreich 2050 mehr als 75 Millionen Einwohner zählen. Zur Zeit liegt die Bevölkerungszahl bei 63,4 Millionen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.