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Geburtenrate : Französinnen erobern Spitzenplatz

Die Gebärfreude der Französinnen führen die Demographen vor allem auf ein volontaristisches System der Geburtenförderung zurück, das Frauen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermögliche. Ähnlich wie in anderen europäischen Ländern ist das Durchschnittsalter der Erstgebärenden auch in Frankreich angestiegen, von 26 Jahren im Jahr 1977 auf 30 Jahre im Jahr 2005. Doch anders als ihre europäischen Altersgenossinnen holen die gut ausgebildeten Frauen, die vor ihrem 30. Lebensjahr kein Kind bekommen haben, in Frankreich ihren Rückstand bei der Familiengründung bis zu ihrem 40. Geburtstag auf. „In anderen hochindustrialisierten Ländern verzichten beruflich erfolgreiche Frauen oftmals ganz auf Kinder. Dass es in Frankreich anders ist, liegt an unserer Politik der Versöhnung von Berufs- und Familienleben“, sagte Ined-Direktor Héran.

Weniger als 50 Prozent gläubige Katholiken

Premierminister Villepin bezeichnete die positive demographische Entwicklung als Verpflichtung, die Betreuungsmöglichkeiten insbesondere für Alleinerziehende weiter zu verbessern. Denn die Familienstrukturen haben sich in Frankreich weiter verändert. Jedes zweite Kind wird außerhalb einer Ehe geboren. Im Vergleich zu Irland, das ähnlich gute Geburtenraten aufweist, verliert Frankreich immer mehr von der katholischen Prägung. Eine Umfrage im Auftrag von „Le Monde“ zeigte vor kurzem, dass die Zahl der sich zum katholischen Glauben bekennenden Franzosen unter die 50-Prozent-Marke gerutscht ist. Zudem gilt die Abtreibungsregelung als eine der freizügigsten in Europa. Der Anteil der Frauen mit Einwanderungshintergrund an der Geburtenrate liegt bei 20 Prozent, weit niedriger als in vergleichbaren Ländern, etwa in Großbritannien.

Seit 1993, als die Geburtenrate in Frankreich einen Tiefpunkt erreichte, ist die Tendenz zu steigenden Zahlen ungebrochen. Seitdem hat Frankreich hohe Steuererleichterungen für Familien eingeführt, die eine Person zur Kinderbetreuung in ihrem Haushalt beschäftigen. Zu den weiteren Anreizen zählen ein vom dritten Kind an auf die doppelte Zeit (26 Wochen) verlängerter Mutterschutzurlaub bei vollem Lohnausgleich, ein Vaterschaftsurlaub von zwei Wochen, eine Geburtenprämie von 800 Euro bis zu einem bestimmten Monatseinkommen sowie ein einjähriges Elterngeld von monatlich 750 Euro.

Kinder gelten gesellschaftlich als Segen

Zudem steht allen Kindern vom dritten Lebensjahr an eine kostenlose Vollzeitbetreuung in den staatlichen Ecoles maternelles zu. Das Ganztagsschulsystem erfasst alle Schüler vom dritten Lebensjahr bis zum Abitur. Wenig erforscht sind die immateriellen Gründe, die in Frankreich den Babyboom mit erklären. Trotz hoher Arbeitslosenraten und Staatsverschuldung sowie größter Verunsicherung angesichts der Globalisierung gelten Kinder in der gesellschaftlichen Wertschätzung als Segen. Es fehlt der perfektionistische Erziehungsanspruch, der die deutsche Debatte kennzeichnet.

Die Unbekümmertheit über die Elternrolle in Frankreich steht im Gegensatz zur Sorge über die staatlichen Schulen. Hier achten die französischen Eltern genau auf die Qualität, was den Andrang bei den katholischen Privatschulen begründet. Die katholische Tageszeitung „La Croix“ schreibt: „Frankreich, von dem man sagt, dass es mürrisch, quengelig und ängstlich ist, überrascht. Die gute Geburtenrate bedeutet klar, dass Französinnen und Franzosen echtes Vertrauen in die Zukunft haben.“

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