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Geburtenhoch : Ist das die Trendwende?

  • -Aktualisiert am

Willkommen: Wenige Stunden alte Babys auf einem Bett der Wochenstation in Leipzig Bild: ZB

Im vergangenen Jahr kamen in Deutschland so viele Kinder auf die Welt wie seit zehn Jahren nicht mehr. Dafür gibt es mehrere Gründe.

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          Nicht ohne Stolz in der Stimme äußerte sich Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig zu den aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Die Ergebnisse der Studie seien „ein schönes Signal“, so die Ministerin. Tatsächlich geben die Zahlen Anlass zur Freude: Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 715.000 Kinder lebend geboren, ein historischer Höchststand, den man zuletzt 2004 verzeichnete. Die Zahl der Geburten war erstmals 2005 unter die 700.000 gerutscht; in der Zeit der Wiedervereinigung hatte es noch zwischen 800.000 und 900.000 Geburten pro Jahr gegeben. Unter die Millionengrenze fiel die Geburtenzahl erstmals 1972.

          Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes schrumpfte auch  der Abstand zwischen Geburten und Todesfällen: 2014 starben 153.000 mehr Menschen als geboren wurden; im Jahr davor betrug die Differenz noch 212.000 Köpfe. Allerdings sei dieser positive Trend nur vorübergehend, warnen nun Experten.

          Von einer entscheidenden Wende könne man noch nicht sprechen, sagt etwa der Bielefelder Bevölkerungsforscher Herwig Birg. In den vergangenen Jahren ist zwar die Geburtenrate je Frau leicht angestiegen, auf 1,41 Kinder im Jahr 2013. Das gegenwärtige Geburtenhoch liege jedoch vor allem an der Veränderung der Altersstruktur. Denn entscheidend für die Zahl der Geborenen ist neben der Geburten­rate insbesondere die Zahl der Frauen im Alter zwischen 26 und 35 Jahren. „Frauen dieser Alters­spanne bekommen am häufigsten ein Kind“, erklärt Birg. Seit 2008 habe sich die Anzahl von Frauen in diesem Alter zunehmend stabilisiert, sie nehme sogar kontinuierlich zu, so der Wissenschaftler. „Das dürfte die Geburtenzahl in den kommenden Jahren positiv prägen“. Doch bereits nach 2020, prognostiziert der Professor für Bevölkerungswissenschaft an der Universität Bielefeld, werde die Zahl der potentiellen Mütter in diesem Alter wieder deutlich schrumpfen. „Dann droht uns ein neues Geburtentief.“

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          Dieser so genannte Altersstruktureffekt ist jedoch nicht die einzige Erklärung für die auffällige Zunahme an Geburten um 4,8 Prozent, sagt Bevölkerungsstatistikerin Olga Pötzsch. Eine solch klare Veränderung werde vielmehr von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Eine relativ gute Wirtschaftslage und günstige Arbeitsmarktsituation sowie verstärkte familienpolitische Maßnahmen des Staates ermunterten immer mehr Eltern, ihren Kinderwunsch in die Tat umzusetzen. „Von einer Trendwende will ich allerdings noch nicht sprechen. Wir beobachten diese positive Geburtenentwicklung nämlich erst seit drei Jahren.“

          Auch wenn dem Statistischen Bundesamt derzeit noch keine Daten über die Staatsangehörigkeit der Mütter vorliegen, ist Forscher Birg überzeugt: Auch die Migration hat einen entscheidenden Einfluss auf die steigende Geburtenzahl. „Die drastisch angestiegene Zuwanderung gerade im Südwesten bedeutet auch eine Zunahme an Frauen im gebärfähigen Alter“, sagt Birg.

          Eine Antwort auf die Frage, ob Frauen in Deutschland tatsächlich wieder mehr Kinder bekommen, liefern die derzeitigen Zahlen der Statistik noch nicht. Aufschluss kann letztlich nur die tatsächliche Zahl der Kinder, die eine Frau bekommt, also die Geburtenrate, geben. Diese Daten werden jedoch erst Ende des Jahres erwartet.

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