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Gebrauchtwagen : Milliardenschaden durch Tacho-Betrug

Innerhalb von Minuten lässt sich die Kilometeranzeige von Tachos manipulieren - bei dem älteren Modell auf unserem Bild dauerte das noch länger Bild: ddp images/dapd/Felix Fontane

Durch manipulierte Tachometer entsteht in Deutschland laut ADAC jedes Jahr ein volkswirtschaftlicher Schaden in Milliardenhöhe. Über Laptops lässt sich die Kilometeranzeige in Minuten verändern. Der ADAC fordert deshalb technische Verbesserungen.

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          Würden Sie von diesem Mann einen Gebrauchtwagen kaufen? Früher verhinderten Menschenkenntnis und ein paar Kfz-Kenntnisse die schlimmsten Reinfälle beim Gebrauchtwagenkauf. Heute sieht man einem Tacho nicht an, dass mit einem speziellen Laptop vor dem Verkauf kurz 25.000 Kilometer gelöscht wurden. Durch manipulierte Tachometer entstehe jährlich ein volkswirtschaftlicher Schaden von rund sechs Milliarden Euro, sagte ADAC-Präsident Peter Meyer am Donnerstag in München bei der Vorstellung dieser Zahlen.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Jeder Käufer eines so manipulierten Autos müsse im Durchschnitt einen Schaden von 3000 Euro hinnehmen. Die Kosten können noch schnell steigen, wenn nach dem Kauf plötzlich Reparaturen dazukommen, die durch den hohen, aber nicht angezeigten Kilometerstand entstehen - zum Beispiel durch gerissene Zahnriemen und kaputte Motoren. So bemüht Meyer ein starkes Bild, um den Schaden zu verdeutlichen: „Deutschland hat mehr finanziellen Verlust zu tragen, als die gesamte Weltwirtschaft beispielsweise durch Piraterie im Meer vor Afrika verkraften muss.“

          „Man merkt es nicht“

          Weniger als eine Minute dauert nach ADAC-Angaben die Manipulation des Kilometerstandes. Dazu müsse der Tacho nicht ausgebaut und mühsam zerlegt werden, wie es früher der Fall war. Es genügt heute, ein bestimmtes Gerät an die sogenannte Diagnoseschnittstelle, die inzwischen fast jedes Auto hat, anzuschließen. Danach kann jeder gewünschte Kilometerstand über die Tastatur eingegeben werden - der Tacho springt dann um. „Man merkt es nicht“, sagt Meyer. „Denn manipuliert wird nicht nur der Tacho, sondern die gesamte Biographie des Autos.“ So wird der Tachostand nicht erst kurz vor dem Verkauf geändert. Es gebe Fahrer von Leasing-Fahrzeugen, die alle sechs Monate irgendwo auf einen Hinterhof fahren und sich für etwa 50 Euro innerhalb von Minuten 3000 Kilometer löschen ließen.

          Sogar die automatischen Angaben zu Inspektionsintervallen können elektronisch dem gefälschten Kilometerstand angeglichen werden. Auch schriftliche Einträge in Service-Heften würden entsprechend geschönt. Nur wenn dort stehe „garantierter Kilometerstand“, hafte der Verkäufer später, wenn die Manipulation nachgewiesen werde, heißt es beim ADAC. Die entsprechenden Geräte zur Manipulation kosteten zwar 10.000 Euro. „Doch die Besitzer verdienen sehr gut daran.“ Nach Meyers Angaben kann man es auch äußerlich den Autos nicht mehr ansehen, dass sie schon weit mehr Kilometer gefahren sind. „Es gibt für ein paar Hundert Euro eine spezielle Polster-und Lederaufarbeitung, sogar spezielle Parfums, die den Innenraum eines Wagens wie fabrikneu riechen lassen.“ Da glaube man dann gerne, dass das Auto angeblich „nur in der Garage gestanden hat“.

          Für zehn bis zwanzig Euro könnten Autos sicherer werden

          Der ADAC fordert somit die Autohersteller auf, Autos sicherer zu machen. „Das kostet nur zehn bis 20 Euro pro Fahrzeug.“ So könnten die Hersteller dafür sorgen, dass man über die Diagnoseschnittstelle nur Informationen herauslesen, aber nicht Daten ändern oder neue aufspielen könne. Die Industrie habe kein großes Interesse an solchen Änderungen, da der Schaden durch Manipulationen die Hersteller ja nicht betreffe. Meyer forderte hier jedoch die Hersteller dazu auf, ihre Kunden besser zu schützen.

          Ähnlich erfolgreich sei zum Beispiel der Einbau automatischer Wegfahrsperren gewesen. „Hier konnte die Diebstahlquote drastisch gesenkt werden.“ Zudem tritt der ADAC für eine härtere Ahndung des Tacho-Fälschens ein und beruft sich auf ähnliche Forderungen von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Um abzuschrecken, solle die gesetzliche Höchststrafe, vor allen für Täter, die gewerbsmäßig Tachos manipulierten, weit über die heutige Strafandrohung von bis zu einem Jahr hinausgehen. Nach den Angaben des ADAC ist das Betrügen mit dem manipulierten Tachostand ein gesamtgesellschaftliches Phänomen. „Das zieht sich durch alle gesellschaftlichen Schichten.“

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