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Gebietsreform : Dracula ruft Fürstentum aus

  • -Aktualisiert am

Seine Durchlaucht engagieren sich neuerdings in Brandenburg Bild: dpa

Der letzte Nachfahre jenes legendären Dracula unterstützt auf seine Weise den Protest gegen die brandenburgische Gemeindegebietsreform.

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          Diskret hat die Hofkappelle auf der Galerie Platz genommen. Unsichtbar, aber unüberhörbar eröffnet sie das Zeremoniell. Unten entrollt Graf Dracula, in einen schwarzen Cut gekleidet, die blutrote Proklamationsurkunde und verkündet feierlich, während von der Decke der Putz zu bröckeln droht, dass er allen Hilfesuchenden seinen Schutz gewähren wolle: "Stets gewähre ich Schutz. Das gebietet mir der Auftrag, der mit meinem Namen verbunden ist.

          Das neue Fürstentum wird eigene Autokennzeichen ausgeben, eigene Pässe inklusive Diplomatenpässe und eigenes Geld. Der Euro wird durch den Drac ersetzt. Die Steuern im Fürstentum sollen nur bei zwanzig Prozent liegen. Zum Abschluss der Zeremonie ertönt standesgemäß die Hymne. Noch muss es das Lied der Brandenburger tun, wie der Graf ernüchtert feststellt: "Meine haben sie nicht so schnell geschafft. Die eigene Hymne wird erst komponiert.“

          Neues Feuerwehrauto

          Doch der Mann, dessen Name mit Vampiren und Pfählen verbunden ist, ist nicht plötzlich zum Philanthropen geworden. Alles ist nur ein PR-Gag. Es geht um den Protest gegen die in Brandenburg nicht sehr beliebte Gemeindegebietsreform, gemäß der sich die kleinen Gemeinden zu größeren zusammenschließen sollen. Dazu gehört auch Schenkendorf südlich von Berlin, wo der Graf residiert und sogar ganz bürgerlich im Gemeinderat sitzt.

          Das Dorf mit 1.200 Einwohnern will eigenständig bleiben, was eigentlich erst Gemeinden ab 5.000 Einwohnern zugestanden wird. Doch Bürgermeister Guido Friese (SPD) wehrt sich gegen diesen Zwang: "In diesen Genuss von Demokratie sind wir erst durch die Wiedervereinigung gekommen. Es solle nicht alles von oben bestimmt werden. Und dann verweist darauf, dass seine Gemeinde schuldenfrei sei und über ein blühendes Gewerbegebiet verfüge. Erst im letzten Jahr habe man ein Feuerwehrauto für über 150.000 Euro anschaffen können. Jetzt nutze man den berühmten Namen, um auf den Protest gegen die Gemeindegebietsreform aufmerksam zu machen, gegen die 80 Gemeinden Verfassungsklage eingereicht hätten.

          Blutspendeparties

          So wenig echt also die Ausrufung des Fürstentums war, so wenig echt ist auch der Graf selber. Er heißt eigentlich Ottomar Berbig und kommt aus Berlin. Doch in seiner Eigenschaft als Antiquitätenhändler lernte er irgendwann Ekatherina Olympia Prinzessin Kretzulesco kennen, die nun tatsächlich eine Nachfahrin des blutrünstigen Grafen ist. Die schloss ihn so sehr in ihr Herz, dass sie ihn adoptierte. Seither engagiert sich der Prinz aus Berlin-Schöneberg für seine neue Familie, als würde in seinen Adern schon immer blaues Blut fließen.

          Nicht immer ist sein Kampf erfolgreich. Im vergangenen Jahr hat er einen Prozess um die Internet-Werbung seines Namens für Wein verloren. Erfolgreich war dagegen sein Kampf ums Überleben. Gegen Widerstand in der Gemeinde und einigen Brandstiftungen zum Trotz hat er sich behauptet. Und noch immer dürstet es ihn nach dem Blut seiner Gäste. Immer im Sommer bittet der Graf nämlich zur Blutspendeparty, deren "Erlös dem Roten Kreuz zugute kommt“. Ansonsten veranstaltet er mittelalterliche Ritterspektakel, Walpurgisnächte und Weihnachtsmärkte.

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