https://www.faz.net/-gum-7rokq

Reaktion auf deutsche WM-Feier : „Gaucho-Tanz“ in Argentinien auf der Titel-Seite

  • -Aktualisiert am

Vollführten den umstrittenen „Gaucho-Tanz“: Roman Weidenfeller, Shkodran Mustafi, Andre Schürrle, Miroslav Klose, Mario Götze und Toni Kroos (v.l.n.r.) Bild: dpa

Der umstrittene Auftritt einiger deutsche Nationalspieler während der WM-Feier in Berlin löst in Argentinien ein breites Echo aus. Von „gesunder Ironie“ ist die Rede. Aber auch von „ekelhaften Nazis“.

          2 Min.

          Der „Gaucho-Auftritt“ der deutschen Fußball-Nationalspieler Klose, Götze & Co während der WM-Feier in Berlin wird im Internet viel diskutiert. Auch in Argentinien, dessen Spieler verhöhnt wurden, gibt es große Resonanz. Die Kommentare reichten von „gesunder Ironie“ bis „ekelhafte Nazis“. Auf Youtube beispielsweise wurden spanisch betitelte Videoaufnahmen des deutschen Gaucho-Tanzes einige zigtausend mal geklickt. Auch auf dem Kurznachrichtendienst Twitter gab es zu dem Schlagwort „gauchos alemanes“ ein beträchtliches Echo, nicht zuletzt mit obszönen Anspielungen gewürzte Fotos, die deutsche Spieler in unvorteilhaften Positionen zeigen.

          Das Medienecho hielt sich indes in Grenzen. Wichtiger war da die mögliche Zukunft des argentinischen Nationaltrainers Alejandro Sabella und ein Skandal um den illegalen Weiterverkauf von WM-Tickets durch argentinische Fußballfunktionäre. In den Hauptnachrichten des Fernsehens spielte der Gaucho-Auftritt der deutschen Fußballer keine Rolle.

          Die auflagenstärkste Tageszeitung „Clarín“ schrieb im Sportteil, ein halbes Dutzend deutscher Spieler habe bei einer „ironischen Feier“ in Berlin mit Spott an die Argentinier erinnert. Das Fußball-Blatt „Olé“ fand den Auftritt „sehr polemisch“. Die Deutschen meinten, sie könnten auf die Argentinier herabschauen. „Sie sind halt eine andere Rasse...“, schrieb Olé. Die konservativ-liberale Tageszeitung „La Nación“ brachte ein Foto des gebückten Gaucho-Tanzes auf ihrer Titelseite, bewertete den Auftritt der deutschen Spieler jedoch als „gesunde Ironie“. In einem Kommentar zu solidarischen Aktionen am Rande der WM hob die Zeitung hervor, dass die Deutschen ihr in Brasilien eigens errichtetes Wohn- und Trainingszentrums Campo Bahia der lokale Gemeinde für soziale Zwecke überlassen hätten.

          Der Radio-Kommentator Victor Hugo Morales, ein glühender Anhänger der Regierung von Staatspräsidentin Cristina Kirchner, nannte die deutschen Protagonisten des Gaucho-Tanzes „ekelhafte Nazis“. Ihr Auftritt zeige „die Faserung eines Deutschlands, dass sich nicht so sehr verändert hat, wie sie es 2006 bei der von ihnen organisierten WM zeigen wollten“, so Morales. „Ein Teil von Deutschland ist noch sehr krank.“

          Die unsportliche Haltung in Berlin habe den sympathischen Auftritt der deutschen Mannschaft in Brasilien eingetrübt, sagte der deutsch-stämmige Unternehmer Tomás Pförtner, dessen Vater ehedem vor den Nazis nach Argentinien geflohen war und dort ein führendes Optik-Unternehmen aufgebaut hatte. „Wir sollten uns nicht dem nationalistischen Eifer beugen, der immer den Keim von Diskriminierung und Hass in sich trägt“, appelliert er.

          „Was für eine ekelhafte Feier“, hieß es auf Twitter. Die armen unwissenden Deutschen wüssten nicht einmal, dass die Bezeichnung als „Gaucho“ keine Beleidigung für einen Argentinier sei, twitterte eine Argentinierin. „Ich hatte die Deutschen für intelligenter gehalten“, so ein anderer Tweet.

          Der argentinische Wirtschaftsjournalist Cristian Mira meinte dagegen ungenutztes Potential für Argentiniens Wirtschaft zu entdecken. „Fleisch und Gauchos, eine Marke des Landes, die von den Deutschen anerkannt wird und die Argentinien nicht auszunutzen weiß“, twitterte Mira. Seit Jahren gelingt es Argentinien nicht, seine von der EU gewährte Einfuhrquote für vom Zoll begünstigtes Qualitätsfleisch auszuschöpfen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Trump redet Corona klein : Welche Gefahr?

          Während Amerika mit mehr als 50.000 Neuinfektionen am Tag einen neuen traurigen Rekord aufstellt, feiert der Präsident die relativ guten Arbeitsmarktzahlen. Gesundheitsexperten warnen indes mit Blick auf den Nationalfeiertag am 4. Juli vor einem Sturm, der sich zusammenbraue.
          Sigmar Gabriel, ehemaliger Parteivorsitzender der SPD

          Gabriels Job bei Tönnies : Die Kunst des Ausschlachtens

          Der frühere Außenminister nennt die Kritik aus der SPD „neunmalklug“. 10.000 Euro im Monat, die er von Tönnies erhielt, seien in der Branche kein besonders hohes Honorar. Doch das Engagement von Sigmar Gabriel für den Fleischfabrikanten wirft einige Fragen auf.
          Durchnässt und ohne den erhofften Erfolg: Bremens Trainer Florian Kohfeldt beim Relegations-Hinspiel

          Enttäuschung in der Relegation : Bremen steht im Regen

          Gegen den Zweitligaklub 1. FC Heidenheim findet Werder im Hinspiel der Relegation kein Erfolgsrezept. Im alles entscheidenden Rückspiel droht dem Bundesliga-Traditionsverein nun ein Debakel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.